Die Entzauberung des Mythos Alp d´Huez

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
01.07.2006 62 579 1509 12049 Camping "Belledone"

  

„Alpe-d´Huez“, alleine der Begriff lässt schon so manches Rennradfahrerherz in höherer Frequenz schlagen. Als das Mekka aller Rennradler bekannt wie kaum ein anderer Pass oder Bergankunft wird Alp-d´Huez fast glorifiziert wie kaum eine andere Bergstraße. So und nun komme ich daher, suche im Internet nach der Bedeutung des Wortes Mythos und finde ziemlich schnell folgende Formulierung: „Die Mythen gleichen Märchen. Sie werden nicht kritisch, vernünftig hinterfragt!“ „Nicht doch!“ schreien jetzt die Rennradfahrer, der will doch jetzt wohl nicht unsere mühsam erradelten Höhenmeter als leicht zu bewältigen einstufen! Nichts für ungut, aber doch das will ich. Zumindest in der Form, dass der Anstieg nicht unbedingt zur harten Kategorie zählt. Nach knapp 200 Alpenpässe die ich mit Gepäck überquert habe, nehme ich mir die Freiheit heraus.

Und dennoch ihr habt wiederum Recht, Alpe-d´Huez hat was Besonderes! Alleine der Ansturm der Rennradfahrer, die sich täglich hier hoch quälen ist schon den Anstieg wert. Die Atmosphäre die schon in Le Bourg d´Oisans zu spüren ist, setzt sich bis zum Ziel fort. Frauen, die ihre Männer begleiten und unterwegs anhalten um sie zu fotografieren, die Berufsfotografen, die sich hier tummeln und einem nach dem fotografieren während der Fahrt ein Kärtchen zu stecken, ja Alpe-d´Huez hat was! Schon in Le Bourg d´Oisans spürt man Radsportgeschichte. Die Rennräder hoch oben vor den Hotels signalisieren, ihr seit hier willkommen.

Genug des Vorspanns. Ich hatte mal wieder Zeit am frühen Morgen. Außergewöhnlich viele Höhenmeter und Kilometer standen ja nicht auf dem Programm. In Ruhe kochte ich meinen Kaffee und war gespannt was mich an diesem Tag erwarten würde. Die 7km Strecke nach Le Bourg d´Oisans die einen Tag zuvor mein Tacho letztendlich auf 81 km brachte waren schnell zurückgeradelt. Am Ortsausgang dann das! Die ersten Kilometer waren schnell geradelt. Mehr als durchschnittliche 8,5 % konnten hier eigentlich auch nicht auf mich zukommen, schon rein rechnerisch nicht, knapp 1100 Höhenmeter

waren über eine Strecke von 13 km zu bewältigen. Die Straße glatt, breit ausgebaut, keine Hoppelpiste oder schöne Straßenführung auf der ich so manches Mal unterwegs gewesen war. Rechts häufig durch eine Betonmauer begrenzt, die wohl nur Autos aufhalten dürfte und für Radfahrer eigentlich eine blanke Katastrophe darstellen (und Tschüss!), stellte die Straßenführung für mich kein optisches Highlight dar. Jede Kehre hervorragend ausgeschildert, konnte sich hier keiner mehr verfahren. Er wusste in jeder Kehre in welcher Höhe er sich befand und wie viel Höhenmeter und Kehren er sich noch herauf „quälen“ durfte. Etwas höher hatte ich einen schönen Blick auf die unter mir liegenden Kehren

Weit musste ich nicht mehr radeln. Der gigantische Skiort kam immer näher. In den letzten Kehren wurde ich an zwei Stellen von einem Berufsfotografen fotografiert, der mir noch während der Fahrt ein Kärtchen zusteckte. Auf der Karte waren seine Internetadresse und ein Code vermerkt. Später zu Hause konnte ich mir die Fotos im Internet in verringerter Qualität anschauen. Das Original war dann für je 16,- Euro bestellbar.  Zuviel liebe Berichtleser? Stellen sie sich vor, sie haben keinen Fotoapparat dabei. Sind 16,- Euro dann noch zuviel für den einmaligen Beweis tatsächlich nach Alpe-d´Huez hinauf geradelt zu sein? Trotz aller Kritik, auch ich war begeistert hier oben angekommen zu sein und von mir ein eigenes Foto zu machen. Freundlicherweise erklärte sich ein netter Rennradfahrer dazu bereit sich mit meiner Sony DSC828 auseinander zusetzen.

Ich bin zwar kein Skifahrer, insofern fehlt mir da vielleicht ein wenig der Einblick, aber für mich war es der größte Skiort, den ich je gesehen hatte. Straßen auf jeder Seite mindesten 3-spurig, ein Flugplatz, muss ich noch mehr schreiben? Nachfolgend einige Eindrücke: Die Weiterfahrt zum Col du Sarenne gefiel mir landschaftlich viel besser. Am Flugplatz vorbei fuhr ich auf welligem Terrain weiter in Richtung Col du Sarenne. Mit 1999 m Höhe nicht viel höher als Alpe-d´Huez, aber immerhin ein Pass. Auf dem Col du Sarenne standen einige Rennradfahrer, ein Passschild gab es hier nicht, aber es war mit 2000 m eindeutig der höchste Punkt des heutigen Tages. Lange hielt ich mich in Alpe-d´Huez nicht mehr auf. Zügig fuhr ich dieselbe Strecke wieder zurück. Die Abfahrt machte sehr viel Spaß. Nachmittags schob ich mein Rad noch einmal durch den Ort um anschließend Le Bourg d´Oisans entgültig in Richtung Campingplatz zu verlassen.

Am Abend hatte ich dann noch das Erlebnis, dass meine englischen Zeltnachbarn vom Fußballspiel England-Portugal aus der Bar zurückkamen. Portugal hatte England im Elfmeterschießen nach Hause geschickt. Sie schauten ein wenig geknickt, nahmen es aber gelassen.