Vorbemerkung

 Zeitraum

 Σ Distanz

 Σ Höhenmeter

Track

Presse

 23.06.2006 - 08.07.2006

1.013 km

 20.163 Hm

 

Es sollte wohl nicht so sein! Eigentlich als Brüder-Tour mit meinem Bruder Ulrich schon einige Zeit geplant, machte ein Fahrradunfall eine Woche vor unserem Tourstart einen gewaltigen Strich durch unsere Planung. Ich erinnere mich noch an seinen Anruf, einen Tag nach seinem Unfall. Die Prellungen im Brustbereich waren so stark, dass aus Sicht der Ärztin an eine Mitfahrt nicht zu denken war. Die Verletzungen im Gesicht, zwar fürchterlich anzusehen, waren da eher noch harmlos. Schade, die Flugtickets waren bezahlt, die Fahrkarten mit der Bahn für die Rückreise von Lausanne aus nach Essen ebenfalls. Also machte ich mich wie im Jahr 2003 alleine auf den Weg um ca. 1000 km und 20000 Höhenmeter durch die französische Alpenregion zu radeln. Eine Besonderheit kam in diesem Jahr dazu. Für die im Jahr 2007 geplante Islandumrundung hatte ich mir einen Fahrradanhänger zugelegt, der nun quasi zu Testzwecken mitgeführt wurde. D.h. dass ich mal abgesehen von dem 8 kg wiegenden Hänger nicht mehr Gepäck mitführte als in den Vorjahren.

 

km,

 

 


 

 Anreise nach Nizza und Fahrt bis Bar sur Loup

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
23.06.2006 36 36 509 509 Camping "Le Gorges du Loup"

 

Der Hinflug klappte prima, ich hatte das Rad diesmal vollständig in einem Karton verpackt. Der Anhänger ließ sich, bedingt durch die Steckachsen, ebenfalls verhältnismäßig klein in einem Karton verstauen. Dennoch war ich beim Anflug auf Nizza etwas nervös. Würden alle Sachen vollständig und heil ankommen? Ich hatte ja meine Erfahrung aus dem Jahr 2004. In dem Jahr fehlte bei der Ankunft ein Ortlieb-Sack mit Schlafmatte und Daunenschlafsack. Zeitraubendes Suchen nach einem entsprechenden Geschäft zur Ersatzbeschaffung waren die Folge. In diesem Jahr war das alles kein Problem. Alle aufgegebenen Kartons und Gepäckstücke erschienen unversehrt auf dem Gepäckband, so dass ich bereits um 12:45 Uhr voll bepackt vor dem Terminal in Nizza stand.

Mein erstes Ziel hieß St. Paul / Vence. Das kleine auf einer Felsnase gelegene Örtchen kannte ich ja schon aus verschiedenen Familienurlauben und den Radtouren der Jahre 1998 und 2004. Das Wetter hielt, was die Wetterlage versprochen hatte und so waren die 15 - 20 km bis St. Paul / Vence schnell geradelt. Erstaunlich wirkte sich der Hänger auf dem ersten Teilstück in Nizza aus. Die Autofahrer hielten erheblich mehr Abstand. St. Paul war wie immer schön anzuschauen. Der vorgelagerte Boolplatz, das kleine Stadttor, die kleinen Gassen mit den Geschäften und Kunstausstellungen hinterließen mal wieder einen schönen Eindruck. Nicht zu letzt zu nennen das Nobelrestaurant La Colomb Dor. Ein letztes Foto vor dem Restaurant und schon radelte ich weiter bergauf meinem Tagesziel Bar sur Loup entgegen.

Die 500 Höhenmeter des ersten Tages führten auf einer kleinen Nebenstrecke (Abzweig Fondation Maeght) westlich an Vence vorbei, ohne eine der ortsverbindenden Hauptstraßen zu benutzen. Mehr als 9 % Steigung waren dabei maximal nicht zu bewältigen. Mit dem Erreichen der D2210 westlich von Vence waren die meisten Höhenmeter schon geschafft. Und so radelte ich in Richtung Tourettes sur Loup weiter, genoss das Wetter und freute mich schon darauf den Zielort relativ früh am Tag zu erreichen. Der Campingplatz “Camping des Gorges du Loup” gefiel mir sofort. Klein, leicht terrassiert, einen Pool, ein kleines Restaurant, er hatte einfach all das, was Radler sich nach einem anstrengenden Tag so wünschen. Den späten Nachmittag verbrachte ich am Pool und schrieb die ersten Zeilen in mein Tagebuch. „Was will ich mehr? Der Start der Radtour konnte nicht gelungener ausgefallen sein.“

Abends im Restaurant musste ich gleich wieder die Feststellung machen, dass alleine unterwegs zu sein nicht gerade Einsamkeit bedeutet. Ich saß noch nicht lange im kleinen Campingplatz-restaurant und schon wurde ich von dem neben mir sitzenden älteren Holländer angesprochen. Er war von Holland aus mit dem Rad nach Südfrankreich gefahren und wollte im Anschluss an seiner Tour noch einige Tage im Kreis der Familie in Südfrankreich verbringen. Die Unterhaltung machte mir sehr viel Spaß. Abends vor dem Zelt gelang mir noch eine Stativaufnahme vom hoch oben liegenden kleinen Ort Gourdon.

 

 

 


 

 Von Bar sur Loup nach St. Auban

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
24.06.2006 78 114 1631 2140 Camping "La Pinatelle"

 

Mit Blick auf das Tagespensum verließ  ich bereits um 08:00 Uhr den Campingplatz in Bar sur Loup um schon zu früher Tageszeit einige Kilometer runterzuspulen. Das es an diesem Tag heiß werden würde, war schon bereits um 09:00 Uhr kräftig zu spüren. Die Sonne brannte gnadenlos und nicht nur auf die Menschen. In Grasse (wegen seiner Parfüme berühmt!) hielt ich mich nicht all zulange auf. Mich zog am frühen Morgen nur der Place Aux Air an. An dem Brunnen in der Innenstadt hatten wir bereits 1998 eine kleine Pause eingelegt und die Beine im Brunnen baumeln lassen. Ein Foto musste natürlich gemacht werden.

Auf dem Weg zum ersten Col dem Col de la Leque radelte ich durch die Orte Cabris und S. Cezaire s-Siagne. In Cabris geriet ich mit meinem Gespann in einen Triathlon. Schon am Ortseingang waren mir die vielen Läufer aufgefallen, die überholt werden mussten. Am Kreisverkehr am Ortsausgang kamen mir dann Rennräder auf einer abschüssigen Straße mit ca. 50 km/h entgegen. Erst hier reagierte die im Kreisverkehr stehende Polizei. Sie hatten wohl bemerkt, dass ich da irgendwie nicht hingehörte. Andererseits war die Strecke auch keineswegs abgesperrt. Nun ja, der noch freundliche Ton wenn auch bestimmend verschlechterte keineswegs meine Stimmung, schließlich stand ich am Ortsausgang und konnte ohne Probleme weiter nach Cezaire s-Siagne radeln. In Cezaire war Markttag. Es war nicht so leicht mit dem Rad so durch die Menschenmengen zu schieben, das keiner über den Hänger fiel. Ein so tiefes Hindernis wurde schließlich von den vielen Menschen nicht erwartet.

Durch das wellige Profil hatte ich bis Cezaire zwar bereits die ersten 400 Hm in den Beinen. Die noch fehlenden ca. 200 Hm bis zum Col de Leque (695 m) hinaufzukurbeln, stellten nun wirklich kein Problem dar. Mit mäßiger Steigung ging es in zwei langgezogenen Kehren hinauf bis ich an der für mich höchsten Stelle stand und vergeblich ein Passschild suchte. Ein Foto konnte ich nur von einem Stein machen, auf dem die Höhenangabe zu lesen war.

Die 4 km nach St. Vallier de Thiey waren so eine Art Mini-Abfahrt. Mehr als 50 Höhenmeter ging es kaum hinab.  Im Ort wurde ich von einem französischen Ehepaar angesprochen, denen die Begeisterung für das Radreisen und auch wohl für meine Ausrüstung anzumerken war. Leider war die Unterhaltung etwas zähflüssig, weil meine sehr wenigen Französischkenntnisse und ihre fehlenden Englischkenntnisse ein wirkliches Gespräch kaum ermöglichten. Trotzdem verabschiedeten wir uns mit Handschlag. Beim Anstieg zum Col de Ferrier fiel der Blick immer wieder zurück auf den immer tiefer liegenden Ort St. Vallier de Thiey.

Aufgrund der fehlenden Bäume war an Schatten kaum zu denken. Die Temperaturanzeige im Tacho stieg auf über 40 Grad Celsius und so langsam grübelte ich langsam darüber nach, ob die geplanten gut 100 km aufgrund der nicht eingeplanten Höhenmeter und Hitze machbar waren. Hinzu kam, dass auf der Strecke über den Col de Ferrier, Col de la Sine und Col de Castellares keine Möglichkeit bestand die Wasserflaschen erneut zu füllen. Vor dem Anstieg zum Col de Bleine fühlte ich mich durch die Hitze ziemlich ausgelaugt. Keine Einkaufsmöglichkeit oder Brunnen weit und breit. Wasser hatte ich zu dem Zeitpunkt noch „genug“, aber mein Magen knurrte und so entschied ich mich eine Pause einzulegen und ein Süppchen zu kochen.

Manchmal haben Radler ja auch Glück! Keine 300 m hinter meiner Picknickstelle an einer Straße, die nun wirklich kaum befahren war, entdeckte ich ein Wohnmobil. Etwas links versetzt dahinter im Schatten sitzend die Besitzer, die es sich im schattigen Wald gemütlich gemacht hatten und deren Hund. Kaum hatte der Hund angeschlagen, stand der Mann auf und blickte in meine Richtung. Meine Gelegenheit, dem Hund ein Schnippchen zu schlagen. Er wedelte mit dem Schwanz und ich mit den Wasserflaschen. Herrchen kannte also direkt meinen Wunsch. Nachdem der Hund vom Besitzer aus dem Verkehr gezogen war, füllte der Mann mir im Wohnmobil die Wasserflaschen und ich fühlte mich sofort viel wohler. Mein ausgesprochenes „DANKE“ führte dann dazu, dass seine Frau mich auf Deutsch ansprach. Die Welt war mal wieder klein. Wo kommen sie her, wo wollen sie mit dem ganzen Gepäck hin, waren wie schon häufig die Fragen. Die Unterhaltung war sehr nett und die Hilfsbereitschaft enorm hoch.  Ich freute mich und musste keinesfalls mit leeren Wasserflaschen zum Col de Bleine starten. Zum Col de Bleine ging es ca. 300 Höhenmeter durch Nadelwald hinauf. Die erste „richtige“ Abfahrt über 11 km bis kurz vor dem Ort St. Auban genoss ich richtig.

Mein Tagespensum war auf 77 km und 1630 Höhenmeter angewachsen und es war inzwischen 17:00 Uhr. Für den ersten ganzen Radtag reichte es in der Hitze durchaus. Als ich das Campingplatzschild vor St. Auban entdeckte wurde der Entschluss hier zu übernachten binnen Bruchteilen von Sekunden gefällt. Die geplanten fehlenden knapp 20 km ließen sich am darauffolgenden Tag problemlos mit bewältigen, wobei die Höhenmeterzahl des folgenden Tages auch mit Zuschlag nicht die des heutigen erreichen würde.

Noch auf der Zufahrtstraße des Campingplatzes traf ich ein älteres Ehepaar mit Fahrrad, die ohne Gepäck unterwegs waren. Ein erster Blick auf beiden Seiten, na in welcher Sprache muss ich mich mit meinem Gegenüber unterhalten? Es war gar nicht so einfach sie richtig einzuordnen. Wie sich herausstellte, waren es dann aber doch Deutsche, die kleine Tagestouren mit ihrem Rad unternahmen. Eine Gesprächsbasis war sehr schnell hergestellt. Wir alle waren schon häufig in Südfrankreich unterwegs gewesen. Gesprächspotential war also reichlich vorhanden.

Der Campingplatz selber war sehr angenehm. Es stimmte auch am zweiten Tag einfach alles. Klein und familiär gehalten, mit einem Besitzer der jeden Gast mit Handschlag begrüßte und verabschiedete.  Um 17:20 Uhr saß ich frisch geduscht in der Bar und freute mich darüber, dass kaum waren 20 Minuten gespielt, es im Achtelfinale der Weltmeisterschaft bereits 2:0 für Deutschland gegen Schweden stand. Am Ergebnis änderte sich auch nichts mehr.

 

 

 


 

 Die Dampfeisenbahn am Col de St. Michel

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
25.06.2006 74 188 1460 3600 Camping "Le Haut Verdon"

 

Der Tag begann schon super. In der Nacht hatte ich mich gut von der ersten Tagesetappe erholt und freute mich auf ein Frühstück. Der Campingplatzbesitzer begrüßte mich und brachte mir alles was das Herz bzw. der Magen begehrt. Am Abend zuvor hatte ich noch ein ca. 35 Jahre altes holländisches Pärchen kennen gelernt. Sie waren schon seit Monaten unterwegs und waren bereits über 3000 km mit ihren Rädern gefahren. Um es vorwegzunehmen, ich traf sie noch auf zwei weiteren Campingplätzen wieder. Die Verabschiedung vom Campingplatzbesitzer und von den Holländern war sehr herzlich ausgefallen. Der Campingplatzbesitzer wünschte mir eine weitere gute Fahrt und uns beiden, dass Deutschland gegen Frankreich im Endspiel der WM aufeinander treffen würde. Wie wir wissen kam es anders. Kaum einen Kilometer geradelt gab es einen ersten Blick auf das am Hang gebaute St. Auban. Vor dem Ort rechts abgebogen ging es direkt in die Clue de St. Auban hinein, einer engen Schlucht, in der die Straße in den Fels gesprengt werden musste.

Von der Ferne betrachtet wirkte die Clue de St. Auban wie ein riesiger Felsblock der durch gewaltige Naturkräfte geteilt worden war.  Ich fuhr quasi unter dem Felsen hindurch, rechts von mir rauschte das Wasser.  Toller Ausblick gleich früh am Morgen. Bis zu dem kleinen Ort Brianconnette lies sich alles locker fahren, danach ging es sogleich zur Sache. Die 16 % ige Straßenführung erforderte von mir konzentriertes Fahren. Drücken, Ziehen, Drücken, Ziehen, nur so war es möglich mich und mein Gespann sich auf den Col de Buis zu bringen.

Auf der Passhöhe in 1199 m Höhe gab es kein Passschild. Das ich mich an der richtigen Stelle befand, konnte ich nur der Ausschilderung entnehmen. Bis nach „La Serre“, einem winzigen Ort ging es nur gut 3 km Kilometer bergab, bevor dann der nächste Anstieg bevorstand. 400 Höhenmeter sauste ich dabei bei mäßigem Tempo ins Tal. Auf der kleinen Brücke in La Serre (Tiefpunkt) hielt ich kurz an um das nachfolgende Foto zu machen. Der Ort besteht nur aus einigen wenigen Häusern. Als ich hindurchfuhr, war kein Mensch weit und breit zu sehen. Den Col de Felines musste ich dann nur noch ca. 130 Höhenmeter hinauf um im Anschluss wieder 400 Höhenmeter hinabzufahren.

Die Abfahrt nach Entrevaux ist beeindruckend. Während man in kleinen Kehren hinabfährt, bekommt man immer wieder einen Blick auf das mittelalterliche Städtchen. Vor zwei Jahren waren wir unten durch das Tal gefahren und hatten auf dem Campingplatz in Entrevaux übernachtet. An diesem Tag aber wollte ich ja weiter über den Col St. Michel noch bis Colmars de Villars radeln.

Nach einigen Einkäufen ging es weiter in Richtung Annot, dem Startort zum Col St. Michel. Immer wieder werde ich auf der Fahrt von einigen Autofahrern kurz angehupt. Der winkende Arm signalisiert mir dann, dass sich niemand über mich ärgert, sondern dass man mich anfeuern möchte. Es motiviert schon, wenn einem die Fahrer zu winken oder mit „Bon Courage-Rufen“ anfeuern. Hinter Entrevaux sah ich in der Ferne eine Dampfeisenbahn. Der Versuch mit meinem Gespann näher heranzukommen misslang. Sie war einfach zu schnell für mich. Ein Foto dann mit Hilfe des Zooms hinbekommen. In Annot herrschte Sonntagsstimmung. Der Bouleplatz war voll belegt, überall wurden die Kugeln geworfen oder einfach nur gequatscht. Etwas weiter von mir spielte eine Musikgruppe. Draußen vor einer Bar genehmigte ich mir erst einmal ein Baguette mit Schinken und Käse, lauschte der Musik und freute mich, dass gestern nicht gefahrene Etappenstück wieder aufgeholt zu haben. Die 750 Höhenmeter zum Col St. Michel würde ich gestärkt auch noch locker schaffen.

Den Col St. Michel hinaufzuradeln war nicht so schwer. Die ziemlich konstante Steigung von ca. 7 % machte mir keine großen Schwierigkeiten. Interessant an dem Pass ist die auf der anderen Seite sehr hochführende Eisanbahnlinie, die erst hinter dem Ort Meailles in einem Tunnel verschwindet. Das erste Stück der Straßenführung sieht man die Bahnlinie immer hoch oben liegen, später schaut man von oben auf sie herab. Auf der Passhöhe war nichts los, kein Mensch weit und breit. Ein paar Gebäude, noch nicht einmal eine Möglichkeit etwas zu trinken. Die Abfahrt gefiel mir, weil der tief unten liegende Fluss Verdon und die parallel dazu führende Straße häufig zu sehen war. Weit voraus konnte man die Stelle erahnen an der die D908 auf die D955 treffen würde. Bis zu dem mir aus den Jahren 2003 und 2004 bekannten Campingplatz in Colmars de Villars waren noch ca. 10 km mit leichter Steigung zu fahren. Nachstehend noch zwei Fotos, die ich in dem langgezogenen Tal bis Colmars Villars machte. Den Campingplatz erreichte ich bereits um 16:00 Uhr, da blieb natürlich reichlich Zeit um in den Pool zu springen und die alltäglichen Dinge wie Trikot waschen usw. zu erledigen.

Am späten Nachmittag kam zum ersten Mal der MP3-Player im Handy zum Einsatz. Ich schlenderte mit Musik in den Ohren 2- 3 km am Verdon entlang und genoss so richtig die Ruhe. Mein Zelt stand auf demselben Stellplatz wie im Jahr 2003, warum weis ich selber nicht, vielleicht wird man ab einem gewissen Alter irgendwie nostalgisch.

Abends war es schon ein komisches Gefühl draußen vor dem Restaurant zu sitzen und sich an die  Besuche im Jahr 2003 und 2004 zu erinnern. Im Jahr 2003 war ich zum ersten Mal alleine in Colmars, im Jahr 2004 mit Felix, Willem und Burkhardt. Wie sehr häufig in Frankreich bekommt man frühestens um 19:00 Uhr im Restaurant etwas zu essen, so auch hier. Die ganze Speisekartenpalette stand ohnehin nicht zur Auswahl und so wählte ich einen leckeren Thunfischsalat und ein Omelett. Es war ruhig im Restaurant, der Platz war auch lange nicht so stark belegt wie in den Vorjahren. Ich denke es lag an der Jahreszeit. Im Juli würde hier mehr Trubel herrschen.

 

 

 


 

 Col de Champs zum Dritten

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
26.06.2006 35 223 940 4540 Camping "Le Prieure"

 

Am Morgen hatte ich sehr viel Zeit. Heute stand ohnehin nur der Col de Champs mit ca. 850 Höhenmetern auf dem Programm. Um 07:20 Uhr brodelte das Wasser für den Kaffee im Kocher. Für ein richtiges Frühstück musste ich mich noch bis Colmars gedulden. Etwa eine halbe Stunde später verabschiedete ich mich vom Campingplatzbesitzer, der mir noch ein Baguette in die Hand drückte und radelte in Richtung Altstadt von Colmars. Kurz hinter dem Ortseingang gibt es einen Proximarkt. Dort deckte ich mich zuerst einmal mit dem für den Tag nötigen Proviant ein. Die mit einer Festungsmauer umgebene Altstadt ist nicht sehr groß. Sie besteht nur aus wenigen kleinen Gässchen. Hier lohnt kein Fahren. In Ruhe schob ich mein Gespann durch die Gassen um nach Fotomotiven Ausschau zu halten. Drei davon habe ich nachstehend in den Bericht eingefügt. Auf der Nordseite der Altstadt gibt es eine schöne Picknickwiese mit Bänken. Ideal für ein Frühstück (Am Campingplatz gab es ja nur den Kaffee). Ein Stück Käse, das Baguette und eine Cola müssen als Frühstück reichen.

Das steilste Stück des Col de Champs befindet sich auf den ersten 100 m nach dem Straßenabzweig. Die Straße zieht nur kurzfristig auf ca. 13 % Steigung an, danach lässt sie sich fast konstant gut bei ca. 8 % Steigung befahren. Der westliche Anstieg besitzt eine hohe Anzahl relativ kleiner Kehren. Charakteristisch für die Seite ist der lichtdurchflutete Wald mit seinen hohen Gräsern. Hin und wieder wird er durch eine kleine blumengeschmückte Wiese unterbrochen. Pro Stunde kurbelte ich mich mit meinem Gespann ca. 350 Höhenmeter hinauf. In 1530 m Höhe gibt es eine Picknickstelle mit Bänken und einem Tisch. Dort fotografierte ich auch die Tafel mit der Übersichtskarte von Colmars.

Ich wusste, dass es in 1700 m Höhe die Ratery- Skistation mit einer Bar gab. Dort hatten wir im Jahr 2004 einen Cappuchino getrunken und eine Pause eingelegt. Eine Pause war dort natürlich auch jetzt eingeplant. Leider musste ich bei der Ankunft registrieren, dass sie geschlossen war. Schade, ich hatte mich auf den Kaffee schon so gefreut.

Nicht gerade ein Beinbruch! Also radelte ich weiter in Richtung Passhöhe. Mit der Sonne hatte ich an dem Tag weniger zu tun. Nicht weil sie nicht schien, sondern weil die Straßenführung überwiegend durch schattigen Wald führt. Meter um Meter kurbelte ich hinauf, bis ich auf Höhe der Baumgrenze plötzlich vor einer Schieferwand stand. Der Felsen dunkelgrau schimmerte im Licht. Im Schatten wirkte er schon fast schwarz und irgendwie düster. Nachstehend zwei Fotos von den letzten zwei Kilometern, nach verlassen des Waldes. Ein kurzes flaches Stück weiter noch und ich stand zum dritten Mal mit Gepäck und Rad auf dem Col de Champs. Zweimal hatte ich ihn von der westlichen Seite aus befahren, jedoch zum ersten Mal mit Hänger.

Während ich mein Süppchen kochte, hielten mehrere Autos auf der Passhöhe. Ich fand kaum Zeit meine Suppe und meinen Rest Käse zu essen, weil ich dauernd über meine Tour ausgefragt wurde. Der Hänger und das ganze Gepäck waren dabei Dauerthema. Aber mir machte es durchaus Spaß. Eine französische Wandergruppe, die mich auf Französisch ansprachen und denen ich auf Englisch antwortete, fragte mich ganz unverblümt, warum ich denn nicht deutsch sprechen würde. Damit kämen sie besser zu recht. Na ja, solche Situationen gab es halt auch. Die Abfahrt nach St. Martin de Entraunes kannte ich ja schon. Die in der Ortsmitte befindliche Bar war geschlossen. Ich hatte mal wieder kleines Pech. Hier wollte ich eigentlich etwas trinken.

Der Campingplatz in St. Martin de Entraunes ist leicht zu finden. Südlich vom Ort muss man hinter der neuen Brücke über den Fluss Var links abfahren und parallel zur Straße zurückfahren. Der Weg ist ab dort aber ausgeschildert. Nicht mehr in Erinnerung hatte ich die steile Platzzufahrt (bis 16%). Sie brachte mich nochmals gehörig ins Schwitzen. Da ich den Campingplatz bereits um 14:00 Uhr erreichte, war natürlich reichlich Zeit vorhanden, einen Kaffee zu kochen und mehrmals im Pool schwimmen zu gehen. Ein vollkommener Relax-Nachmittag.

Um einige weitere Zeilen in mein Tagebuch zu schreiben, fand ich unweit der Rezeption einen Tisch mit Bänken die absolut im Schatten standen. Mein Handy lag zu der Zeit in einer Ecke des Restaurants und wurde aufgeladen. Also auch daran musste gedacht werden.  Am späten Nachmittag erschienen auf dem Platz zwei deutsche Motorradfahrer. Es ist schon etwas komisch, kaum hatte ich erzählt, dass ich nicht mit dem Motorrad sondern mit dem Fahrrad durch die Alpen fahre, ist merklicher Abstand dar. Ich habe schon mehrmals über dieses Thema nachgedacht, weil es nicht die einzige derartige Situation ist, die ich erlebt habe. Ich habe die wage Vermutung, dass es daran liegt, dass ihre persönliche Leistung sinkt, ist aber nur eine Vermutung meinerseits.

Den Abend verbrachte ich im Restaurant. Eine schwedische Großfamilie und ich waren die einzigen Gäste. Die Motorradfahrer erschienen nicht. Es gab keine Essen nach Karte, sondern dass was die Familie des Campingplatzbesitzers aß, so einfach war das. Mir war es recht, zumal ich vom Kartoffelauflauf (mit Speck und Käse überbacken) durchaus satt wurde. Am Abend legte ich mich vor das Zelt auf meine Thermarest-Matte, genehmigte mir einige Lieder aus dem MP3-Player (Das Handy war ja wieder aufgeladen!) und schaute in die Sterne. Die Wetterlage schien stabil zu sein. Kein Wölkchen am Himmel.

 

 

 

 


 

 Der schönste Alpenpass (Col de Cayolle)?

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
27.06.2006 72 295 1417 5957 Camping "Le Planet"

 

Aufgrund der mäßigen Belegung des Campingplatzes und der fehlenden Einkaufsmöglichkeit hatte ich mir am Abend zu vor ein Frühstück bestellt. Ab 08:00 Uhr war das möglich. Mit voll beladenem Rad und Hänger stand ich pünktlich um 08:00 Uhr vor dem Restaurant und wartete darauf, dass die Tür aufgeschlossen wurde. Die Platzeigentümerin erschien ebenso pünktlich und so war es nur eine Frage von Minuten, bis heißer Kaffee, dunkles Brot, Marmelade und Orangensaft vor mir stand. Eine halbe Stunde später verabschiedete ich mich von ihr, nicht ohne zu Versprechen, mal wieder zu erscheinen. Ich hatte ihr erzählt, dass ich 2003 schon mal mit dem Rad auf ihrem Platz war. Mit verschränkten Armen stand sie vor mir, grinste sich einen und sagte „I wait for you“.

Die wenigen Kilometer zurück bis St. Martin de Entraunes waren schnell gefahren, zunächst zurück bis zum südlichen Straßenabzweig, dann etwas Bergauf bis in die Ortmitte zu der Bar, die tags zuvor bei der Ankunft geschlossen war (2002, 2003 u. 2004 geöffnet!). In einer kleinen Gasse gibt es eine Boulangerie, die darüber hinaus noch ein paar Lebensmittel verkauft. Die Auswahl ist allerdings sehr bescheiden, meine Wahl fiel letztendlich auf eine Dose Sardinen und ein Baguette und zwei große Flaschen Wasser. Danach konnte ich starten.

In Entraunes gab es eine Möglichkeit seine Nahrungsvorräte aufzustocken, die natürlich genutzt wurde. Als ich das Geschäft verließ, wurde es spannend. Zwei ca. 60 Jahre alte französische Damen standen um mein Gespann herum und diskutierten heftigst. Eine von den beiden sprach Englisch und so wurde ich natürlich wieder reichlichst ausgequetscht. Das Lustige an der Situation war, dass sie mir unbedingt erklären wollten, dass man den Col de Cayolle mit soviel Gepäck nicht hinauf kommen kann. Meine Widerworte, wenn auch höflich, halfen da überhaupt nicht. Selbst als ich mich verabschiedete, schauten sie mich an, wie wenn sie mir sagen wollten, dass sie mich in einer Stunde oder zwei ohnehin wiedersehen würden.

Im Jahr 2002 war von Norden über den Col de Cayolle gefahren. Schon damals fand ich die kleinen Kehren auf der Südseite so toll, dass ich mir fest vorgenommen hatte, einmal von Süden hinaufzufahren. Vier Jahre später wurde es wahr. Tosende Wasserfälle, kleine Tunnel, eine wunderbar abwechslungsreiche Straßenführung erwarteten mich hier. In einer Höhe von 1780 m befindet sich noch ein Hotel mit der Möglichkeit etwas zu trinken. Inzwischen hatte ich ja schon einige Höhenmeter in den Beinen. Danach führt die Straße an einem kleinen See vorbei, hinter dem dann kurze Zeit später die letzte Kehrenansammlung beginnt. Kurz vor der Passhöhe dann der Blick auf einen kleinen Bergsee, dahinter noch Schneereste. Auf der Passhöhe, die ich bereits um 12:50 Uhr erreichte, kam ich aus dem Schwärmen nicht mehr heraus! Das Farbenspiel der Pflanzen und Felsen, die ständig piependen Murmeltiere. Einfach klasse nach 2002 noch einmal auf dieser Passhöhe zu stehen. Es blieb genügend Zeit sich ein Süppchen zu kochen. Ein idealer Platz war die Fläche direkt gegenüber dem Gedenkstein.

Während ich esse, erreichte leider eine Kolonne von Motorradfahrern die Passhöhe. Dazu auch noch die Sorte, die es nur eilig hat so viele Pässe wie möglich an einem Tag zu befahren. Sie waren nervig, störten die Ruhe, ließen ihre Motorräder unnötig lange laufen, so dass ich schon überlegte, ob ich die Passhöhe verlassen sollte. Glücklicherweise verschwanden sie wieder so schnell wie sie gekommen waren. Vermutlich mussten sie an dem Tag noch über fünf weitere Pässe jagen.

Die Abfahrt wurde ein lustiges Wechselspiel zwischen mir und einer 4-köpfigen französischen Rennradfahrergruppe (2 Pärchen). Sie ließen es ebenso langsam angehen wie ich, deshalb überholte ich sie bestimmt zehnmal, während sie dasselbe taten wenn ich anhielt und fotografierte. Auf der Südseite gibt es zwei etwa 50-100 m lange Brücken.

Einige Kilometer weiter erreichte ich Bayasse. Im Jahr 2004 waren wir auf einer Nebenstrecke auf Schotterpiste vom Col de Bonnette hinuntergefahren. Erst ab Bayasse war die Straßenführung wieder geteert. Danach die Abfahrt durch die Gorges de Bachelard mit vorheriger Pausenmöglichkeit in St. Laurent. Kurze Zeit später erreichte ich Barcellonette. Vorbei an den mir bekannten Campingplätzen kurbelte ich in Richtung Ortsausgang um weiter über Jausier zum Fort de Tornoux zu fahren.

In Jausier dann das fast Unmögliche ! Es wurde nach mir gerufen. Links von mir auf einer Wiese saß das holländische Pärchen, das ich in St. Auban kennen gelernt hatte und winkte mit den Armen. Das war das zweite Mal, das wir uns trafen. Wir unterhielten uns nicht sehr lange. Sie waren heute über den Bonnette gefahren, wollten noch etwas einkaufen um dann in Jausier auf einen Campingplatz zu gehen. Mit zum Campingplatz am Fort de Tornoux, den ich ja nun kannte, wollten sie nicht fahren. Wir verabschiedeten uns voneinander und radelten jeder seines Weges. Für mich ging es weiter geradeaus. Nach 6 km und stand ich auf dem Campingplatz am Fort de Tornoux. Zum Abend hin radelte ich die 1,5 km nach Condamine Chatelard um in der dortigen mir bekannten Pizzeria zu essen. Eine Pizza „Complete“ in einer Größe von „Diametre 40 cm“ musste heute sein.

 

  

 


 

 Über den Col du Parpaillon nach Guillestre

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
28.06.2006 65 360 1493 7348 Camping "Le Villard"

 

Zugeben sollte ich es ja! Ich hatte schon bedenken als ich um 08:00 Uhr mit meinem bepackten Rad und Radanhänger an der Rezeption des Campingplatzes stand. Ob ich es wohl schaffen würde mit dem Gepäck und Hänger über den Col du Parpaillon zu fahren? Im Jahr 2004 waren wir zu viert ohne Gepäck bis zum Tunnel gefahren, von dort aber auf demselben Weg zum Campingplatz am Fort de Tornoux zurückgekehrt. Diesmal hatte ich mir fest vorgenommen durch den Tunnel bis nach Guillestre zu radeln und zwar mit Gepäck und Hänger. Der Wille war da, ob umsetzbar würde sich zeigen. Sollte ich es schaffen auch die Schotterpiste zum Parpaillon mit dem Hänger zu meistern, hatte der Hänger für mich seinen „Islandtest“ bestanden. Hinter Condamine Chatelard ging es gleich zur Sache! Durchgängige 10 % Steigung bis zum Ort St. Anne waren zunächst noch auf Asphalt zu bewältigen. Mehrere Male musste ich anhalten um einen Schluck zu trinken. Autos waren hier kaum unterwegs. Auf dem Stück zwischen dem Ort St. Anne und der Kapelle (Chapelle) wurde es etwas flacher, so dass es möglich war etwas Kraft für die Schotterpiste zu tanken. Kurz hinter der „Chapelle“ endet der Teerbelag! Ab hier muss der Kopf funktionieren, man muss zum Col du Parpaillon hinauf wollen, ansonsten scheitert man schon auf den ersten Schotterkilometern bis zur Hütte „Cabane“.

Mit der Sonne hatte ich zunächst kein Problem, weil die ersten Kehren bis zur Baumgrenze meistens durch Wald führten, dafür mit losen Steinen. Die Füße hatte ich ohnehin schon nicht mehr in den Klickpedalen um mich beim Wegrutschen des Vorderrades schneller abstützen zu können. Das Oberkörpergewicht immer leicht nach vorne verlagert, kurbelte ich mich immer weiter hinauf. Kleine Verschnaufpausen zum Trinken fanden meist in den Kehren statt, weil dort die Steigung minimal zurückging. Aber es ging! Ich freute mich, der Hänger machte keine Probleme, er rappelte etwas, rollte aber fast nicht zu merken einfach hinterher. Kurz vor der Hütte Cabane (2050 m) ging die Steigung merklich zurück, so dass ich entspannt vor die Hütte rollen konnte.

Bei der Frau die mich bediente, handelte es sich um diejenige, mit der Willem vor zwei Jahren oben in 2500 m Höhe einen kleinen Disput hatte. Willem hatte sich lautstark darüber ausgelassen, wie mager ihr Hund doch aussehen würde, hatte aber keineswegs damit gerechnet, dass sie Deutsch sprechen würde. Er bekam auch prompt eine entsprechende Antwort. Ich sprach sie jetzt direkt auf Deutsch an und erzählte ihr, dass ich vor zwei Jahren schon mal hier gewesen war und bekam auch eine direkte Antwort. „Ja ich weis, da warst du aber nicht alleine unterwegs!“. Ich war schon froh, dass sie mir jetzt nicht die Geschichte vom mageren oder nicht mageren Hund vorhielt. Wir sprachen nett miteinander, ich erfuhr dass ihre Mutter Schweizerin ist und sie deshalb so gut Deutsch spricht, verabschiedete mich höflichst und wünschte ihr alles Gute.

Die Hütte erreichte ich um 10:30 Uhr. Knapp 2 ½ Stunden mit Pausen eingerechnet würde ich noch für die letzten 600 Höhenmeter benötigen. An der Hütte Cabane wechselt die Straßenführung über eine kleine Brücke die Talseite. Ab hier fährt man voll in der Sonne. Ich war noch keine 500 m weitergekommen, da musste ich feststellen, dass es rechts von mir noch einen einzelnen Bauernhof gab. Wahrgenommen hätte ich ihn vermutlich gar nicht, wenn nicht plötzlich vier Hunde gleichzeitig auf mich losgestürmt wären. Sie hielten zwar noch etwas Abstand, wurden aber immer mutiger. Mit jeweils einem Stein in den Händen schob ich mein Gespann vorsichtig Meter um Meter weiter, bis sie von mir abließen. Sie wollten halt nur ihr Terrain verteidigen. Höhenmeter um Höhenmeter kurbelte ich mich mit einer Untersetzung von 24/32 hinauf. Immer wieder hielt ich an um ein Foto zu machen. Dann erreichte ich die Stelle, an der man die bereits geschaffte Straßenführung am besten übersehen und fotografieren kann.

Um 13:02 Uhr stand ich oben (siehe Foto). Ich konnte es selber fast nicht glauben, ich stand mit ca. 38 kg Gepäck (30 kg Gepäck + 8 kg Hänger) vor dem Tunnel du Parpaillon. Knappe 5 Stunden mit Pausen eingerechnet war ich unterwegs gewesen, jederzeit ohne Zeitdruck fahrend, war also diese Schotterpiste auch bis zum Mittag machbar. Bis hier waren wir im Jahr 2004 auch gekommen, ab hier befuhr ich wieder Neuland. Vor dem Tunnel hielt ich mich einige Zeit auf, machte einige Fotos und lief einige Meter in den Tunnel hinein. Dabei musste ich feststellen, dass der Ausgang auf der anderen Seite nicht zu sehen war.

Es konnte losgehen! Die kleine Taschenlampe in den Händen fühlte ich mich wie ein kleiner Junge, der zum ersten Mal in eine Höhle kriecht. Am besten lief ich am Rand, weil in den Fahrspuren der Allradfahrzeuge die Wasserpfützen am tiefsten waren. Es wurde stockdunkel! Die kleine Maglite- Taschenlampe half zwar ein wenig, es reichte aber von der Lichtausbeute her immer nur um kleinere Flächen auszuleuchten. Zur Mitte des Tunnels hin merkte ich plötzlich, wie ich etwas bergauf lief und ausrutschte. Schnell zwei, drei Schritte wieder zurück und ich hatte mich wieder gefangen, ich war auf einen Eisblock gelaufen. Rechts vorbei ging es weiter, ich lief nur auf der falschen Seite.

Einmal bemerkte ich wie meine Füße nass wurden, weil ich leider falsch gelaufen war, kurze Zeit später stand ich aber auf der anderen Tunnelseite. Dort warteten zwei deutsche Motorradfahrer darauf, dass ich am Tunnelausgang erschien. Ich hatte ihnen vorher schon zugerufen, damit sie nicht in den Tunnel hineinfuhren. Ich unterhielt mich einige Zeit mit den Motorradfahrern und gab ihnen einige Tips für die Fahrt durch den Tunnel, bevor ich mich aufmachte die Nordseite des Col du Parpaillon zu erkunden. 8 km geht es hier über eine Schotterpiste hinab, bis man wieder Teerbelag erreicht. Mehr als eine Stunde benötigte ich für die 8 km, die Hände taten vom ständigen Bremsen und rütteln schon weh. Es musste einfach langsam gefahren werden um das Risiko zu stürzen so klein wie möglich zu halten. Ein Naturschauspiel erwartete mich! In Crevoux traf ich auf die ersten Häuser, viele waren blumengeschmückt.

Auf der schnelleren Weiterfahrt in Richtung Guillestre musste ich noch einige Male in die Pedale treten. Immer wieder gab es kleinere Steigungen, die noch zu meistern waren. Im Wesentlichen zog sich meine gewählte Nebenstrecke (D994) aber hoch oben am Hang entlang, während tief unten im Tal die Durance floss. Um ca. 17:00 Uhr erreichte ich den Campingplatz „Le Villard“ in Guillestre. Zur üblichen Prozedur wie Zeltaufbau und Wäschewaschen kam noch eine Tätigkeit hinzu. Die Radtaschen und der Hänger waren von der Schotterpiste stark eingestaubt. Ein zweckentfremdeter Rasensprenger half hier wieder alles auf Hochglanz zu bringen.

 

 

 


 

 Immer wieder schön, der Col d´Izorad

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
29.06.2006 76 436 1832 9282 Camping "Municipal"

 

Es gibt Pässe, über die fährt man auch zum vierten Mal noch gerne. Zweimal hatte ich den Col d´Izoard bereits von Norden her befahren (1998 und 2002), diesmal würde ich ihn zum zweiten Mal von Süden aus befahren (2003 und 2006). Er ist einfach etwas Besonderes, die Casse Deserte auf der Südseite, das Refugium Napoleon und das kleine Örtchen Le Laus auf der Nordseite, bei gutem Wetter und den richtigen Lichtverhältnissen waren wieder tolle Fotos möglich.

In der Nacht hatte es etwas geregnet und gewittert, selbst beim Zeltabbau tröpfelte es noch leicht. Zu sehen war aber bereits die aufziehende helle Front. Die Wolken zogen ab, die Luft war nach dem Regen wunderbar klar. Es konnte wieder losgehen. Vorbei am Campingplatz „La Rochelle“ (2003), radelte ich leicht bergauf in Richtung Innenstadt. Um die eigentliche Geschäftsstraße im Zentrum zu erreichen, ging es einmal gleich zur Sache. 500 m mit ca. 16 % brachten mich direkt ins Schwitzen. Einmal rechts abgebogen stand ich auch schon im Zentrum. In einer Boulangerie und einem Obstladen (der beste Müsliriegel ist eine Banane) deckte ich mich mit dem Tagesproviant ein und radelte vorbei an dem mir bekannten großen Champion-Markt (noch geschlossen) hinaus aus der Innenstadt. Ein letzter großer Kreisverkehr und ich stand auf der Zufahrtsstraße in Richtung Combe du Queyras.

Kaum das man den Ort zwei Kilometer verlassen hat, schaut man auch schon tief in die Schlucht. Nachstehend mal ein paar Fotos, die ich auf meiner Fahrt durch die Combe du Queyras bis zum Straßenabzweig Col d´Izoard/Chateau de Queyras gemacht habe. Ab hier ist die Straße sehr breit ausgebaut. Es fuhren auch am Morgen schon einige Autos in Richtung Chateau de Queyras oder Col d´Izoard, bedrängt wurde ich aber nie.

Vom Straßenabzweig aus bis zum Beginn der eigentlichen Kehren (in Brunissard) zieht sich die Straße durch den Ort Arvieux mit konstanter Steigung (ca. 8-9 %) hinauf bis in eine Höhe von 1830 m. Auf der Strecke hinter Arvieux überholte mich ein deutscher Rennradfahrer, der mit seinen drei Freunden und Begleitfahrzeug ebenfalls in den Alpen unterwegs war um über einige Pässe zu radeln. Er war der erste der mich überholte. Er verminderte stark seine Geschwindigkeit, begrüßte mich freundlichst und schon waren wir in einer Unterhaltung vertieft. Einige Zeit radelten wir nebeneinander her und unterhielten uns über alle möglichen Passtrassen. Zu einem späteren Zeitpunkt, oben in der Casse Deserte sollte ich sie alle wiedertreffen. (Wieder zu Hause sah ich, dass Edgar Johnen sich netterweise in mein Gästebuch eingetragen hatte.) In einer der ersten Kehren unterhielt ich mich einige Zeit mit einem Engländer, der dort eine tolle Fotoausrüstung aufgebaut hatte und durch halb Europa reiste. Zu sehen ist auf dem obigen Bild u. a., dass es in den Kehren zum Col d´Izoard tolle Picknickmöglichkeiten mit Tisch und Bänke gibt.

Die Casse Deserte mit ihren erodierten Felsnadel war mal wieder schön anzusehen.  Ich sauste in die dort vorhandene kleine Senke von knapp 50 Höhenmetern und kämpfte mich die letzten Höhenmeter zur Passhöhe hinauf. Immer wieder kamen mir Rennradfahrer entgegen oder überholten mich. Zum vierten Mal auf der Passhöhe des Col d´Izoard zu stehen, das hatte schon was. Bei strahlendem Wetter baute ich mein Stativ auf und setzte mich vor die große Steinsäule.  Zehn Sekunden später war das Foto im Kasten.

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite das Tour de France Museum, dass ich selber auch beim 4. Besuch wieder nicht geöffnet vorfand. Wozu ein Museum gut sein soll, wenn es nie geöffnet hat? Danach der wieder wunderschöne Blick auf das Refugium Napoleon. Klar, dass hier eine kleine Pause eingelegt wurde. Der Besitzer erlaubte mir auch einige Fotos vom Innerraum zu machen. Dort hatten wir auf unserer Tour in 2002 unsere Kleidung trocknen können. Was für eine Abfahrt, frisch geteert war die Straße „glatt wie ein Kinderpopo“. Ich sauste in Richtung le Laus hinab und feuerte die mir entgegenkommenden Radler mächtig an. Lange hielt ich mich dort nicht auf, füllte die Wasserflaschen und rollte hinab nach Briancon.

In der Innenstadt fuhren mal wieder reichlich Autos. Grund genug um zügig in Richtung Ortsausgang zu radeln. Die Franzosen legen sich schon mächtig ins Zeug um ihre Tour de France-Begeisterung zu dokumentieren. Nachfolgendes Foto machte ich am Ortsausgang von Briancon.

Hinter Chantemerle wurde ich dann ziemlich nachdenklich. War ich am Campingplatz schon vorbeigefahren? Ich wusste, dass er am Ortsausgang zu finden war, schließlich hatte ich dort in den Jahren 1998 und 2002 übernachtet. Ich stand aber schon mindestens einen Kilometer weiter an der Straße und überlegte, was ich nun machen würde. Zurückradeln machte keinen Sinn, den Platz hätte ich niemals übersehen. Ich fuhr also weiter und fragte eine am Straßenrand laufende Familie nach der Ursache. Die Kinder sprachen etwas Englisch. Einen Platz in Chantemerle kannten sie nicht, nur einen in Monetier le Bain. So radelte ich also weiter in Richtung Monetier le Bains und grübelte über die Ursache nach. Höhenmeter hatte ich eigentlich schon genug in den Beinen. Kurz hinter Monetier, ich war bereits wieder bis auf eine Höhe von 1500 m hinaufgeradelt, entdeckte ich den Abzweig zum Campingplatz (Municipal). In der Rezeption bekam ich dann auch die Erklärung für den fehlenden Campingplatz in Chantemerle. Er war vor zwei Jahren schlicht weg geschlossen worden.

Das Zelt war aufgebaut, geduscht hatte ich noch nicht, da kam die nächste Überraschung. Ich blickte in ein grinsendes Gesicht einer jungen Dame, die ich bereits kannte. Das holländische Pärchen war auch auf diesem Campingplatz gestrandet, Holland-Deutschlandtreffen zum Dritten! Den Abend verbrachte ich in Monetier le Bains, ein durchaus sehenswertes kleines Örtchen. Folgend noch ein paar Fotos vom abendlichen Besuch.

 

  

 


 

 Von Monetier le Bains nach Le Bourg d´Oisans

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
30.06.2006 81 517 1258 10540 Camping "Belledone"

 

Am Abend zu vor gab es beim Blick in Richtung Col du Lauteret noch Wolken am Himmel. Am darauffolgenden Morgen war davon nichts mehr zu sehen. Das Zelt war schnell verstaut, danach wurde erst einmal Kaffee gekocht. Ein Baguette und Croissants konnte ich am Abend vorher in der Rezeption vorbestellen, so war auch das Frühstück gesichert. Gleichzeitig mit mir verließen auch die Holländer den Campingplatz. Ich verabschiedete mich von ihnen und ließ sie vor mir herradeln. Sie waren ohne Hänger etwas schneller unterwegs. Wahrscheinlich würde ich sie auch nicht mehr wiedersehen. Sie beabsichtigen die Nordseite des Galibier hinabzufahren, während mein Zielort Le Bourg d´Oisans hieß. Das einzige Foto von ihnen machte ich noch bei der Abfahrt in Monetier le Bains während sie vor mir herradelten.

Auf der Karte hatte ich am Abend eine kleine Straße entdeckt, die zwar nicht durchgängig asphaltiert aber parallel zur Hauptstraße zum Col du Lauteret führte. Die Straßenführung machte mich neugierig. Es bestand eine Möglichkeit die Hauptstraße zu vermeiden. Über le Casset, einem niedlichen Örtchen bis le Lauzet war die Straße toll zu befahren. Hinter Le Lauzet „quälte“ ich mich noch über die auf den folgenden Fotos abgebildete Piste, bis ich merkte, dass die Straße sehr tief im Tal blieb, während die Hauptstraße immer höher ging. Die Konsequenz bestand also darin, dass die letzten Kilometer enorm steil zum Col de Lauteret hinaufgehen würden.

Ein paar hundert Meter hinter der großen Pfütze brach ich den Nebenstreckenversuch ab und radelte die 2,5 km nach Le Lauzet zurück. Na dann eben doch hinauf zur Straße. Eine halbe Stunde Zeit hatte ich durch meine etwas verrückte Aktion verloren, aber das machte nichts. Die auf dem Bild erkennbare Lawinengalerie ist lange Zeit sichtbar. Die Straße schwenkt kurz  vor der Galerie nach Westen, danach noch zwei größer Kurven und man steht auf dem Col du Lauteret. Am Co du Lauteret gibt es einen Käsestand. Klar, dass hier erst einmal die Provianttasche gefüllt wurde.

So, 600 Höhenmeter hatte ich bis zum Col du Galibier (2646) noch zu radeln. Danach würde es in einer gigantisch langen Abfahrt zurück über den Col du Lauteret nach Le Bourg d´Oisans (730m) hinuntergehen. Über 1900 Höhenmeter Abfahrt sollten reichlich Spaß mit sich bringen. Na, dass der Col du Galibier geschlossen sein würde, hätte ich in der Jahreszeit und bei den Temperaturen auch nicht vermutet. Auf dem Col du Lauteret war ich um 11:00 Uhr angekommen, als Ankunftszeit für den Galibier unter Berücksichtigung von Pausen sollte 13:00 Uhr locker möglich sein. Nach 1 ½ Stunden konnte ich bereits mein Ziel erkennen. Auf dem nächsten Foto ist oben links die Passhöhe des Col du Galibier zu erkennen. Davor die letzten Kehren, die nach dem Erreichen des Scheiteltunnels noch zu radeln sind.

Die letzten Kehren hinter dem Tunnel sind übrigens die steilsten, sie forderten mich noch mal ordentlich. Zwei bis dreimal hielt ich noch an um etwas zu trinken, dann war es geschafft. Im 4 jährigen Abstand stand ich zum 3. Mal auf dem Col du Galibier, das Wetter traumhaft, keine einzige Wolke am Himmel. 1998 waren wir ihn zu dritt von Norden hinauf gefahren, 2002 zu zweit ebenfalls von Norden und nun auch noch mal von Süden. Im Jahr 2002 fehlte das Passschild, weil es mal wieder von Souvenirjägern entwendet worden war, diesmal hing es ordnungsgemäß an seinem angestammten Platz. Auf der Abfahrt zurück zum Col du Lauteret hielt ich noch kurz an dem auf der Südseite befindlichen Restaurant und trank eine Cola. Wie man auf dem Bild erkennen kann, verkaufen sie dort auch Felle.

Die knapp 40 km lange Abfahrt in Richtung Le Bourg d´Oisans kannte ich noch nicht. Ich befuhr also wieder Neuland. Mit Ausnahme von einem noch erforderlichen Anstieg über 70 Höhenmeter am Abzweig nach Les Deux Alpes, musste ich auf der vollständigen Strecke bis zum Ziel kaum mittreten. Also Spaß pur! Es gibt jedoch einen Grund, warum ich die Strecke in umgekehrter Richtung nicht befahren würde. Mehrere lange Tunnel, die zudem nicht übermäßig breit ausgebaut sind, müssen durchfahren werden. Bergab war mir eine Durchfahrt sehr zügig möglich, so dass ich mit dem Autoverkehr keine Probleme bekam, anders herum dauert es aufgrund des Anstiegs einfach zu lange. Aber das Problem hatte ich ja glücklicherweise nicht.

Kurz vor dem Erreichen Le Bourg d´Oisans fuhr ich direkt an dem Straßenabzweig nach Alp d´Huez vorbei. Den Radfahrermythos hatte ich mir ja für den darauffolgenden Tag vorgenommen. Im Ort suchte ich vergeblich den Hinweis zum Campingplatz, wurde dann aber in der direkt an der Straße befindlichen Touristikinformation geholfen. Der Platz lag etwa 7 km weiter außerhalb des Ortes an der Straße zum Col du Glandon. Also wurden die flachen 7 km auch noch eben drangehängt. Schnur geradeaus führten die letzten Kilometer bis zum Campingplatz „Belledone“.

Am späten Nachmittag wurde es spannend. Ab 17:00 Uhr lief das WM-Spiel Deutschland gegen Argentinien im Fernsehen. In der Campingplatz Bar war kaum mehr ein Platz zu bekommen. Argentinien ging in der regulären Spielzeit 1:0 in Führung, wobei Deutschland aber noch ausglich.

Auch in der Verlängerung gab es keine Entscheidung, so dass die Entscheidung im Elfmeterschießen herbeigeführt werden musste. Lehmann hielt zwei Schüsse auf das Tor, Deutschland gewann! Interessant war die Atmosphäre in der Bar. Franzosen, Engländer, Italiener und dazwischen ich als einziger Deutscher. Einige Franzosen waren für Argentinien, während andere wiederum für Deutschland waren, der Engländer neben mir feuerte die Deutschen an, die Stimmungslage war grandios.

 

 

 

 


 

 Die Entzauberung des Mythos Alp d´Huez

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
01.07.2006 62 579 1509 12049 Camping "Belledone"

  

„Alpe-d´Huez“, alleine der Begriff lässt schon so manches Rennradfahrerherz in höherer Frequenz schlagen. Als das Mekka aller Rennradler bekannt wie kaum ein anderer Pass oder Bergankunft wird Alp-d´Huez fast glorifiziert wie kaum eine andere Bergstraße. So und nun komme ich daher, suche im Internet nach der Bedeutung des Wortes Mythos und finde ziemlich schnell folgende Formulierung: „Die Mythen gleichen Märchen. Sie werden nicht kritisch, vernünftig hinterfragt!“ „Nicht doch!“ schreien jetzt die Rennradfahrer, der will doch jetzt wohl nicht unsere mühsam erradelten Höhenmeter als leicht zu bewältigen einstufen! Nichts für ungut, aber doch das will ich. Zumindest in der Form, dass der Anstieg nicht unbedingt zur harten Kategorie zählt. Nach knapp 200 Alpenpässe die ich mit Gepäck überquert habe, nehme ich mir die Freiheit heraus.

Und dennoch ihr habt wiederum Recht, Alpe-d´Huez hat was Besonderes! Alleine der Ansturm der Rennradfahrer, die sich täglich hier hoch quälen ist schon den Anstieg wert. Die Atmosphäre die schon in Le Bourg d´Oisans zu spüren ist, setzt sich bis zum Ziel fort. Frauen, die ihre Männer begleiten und unterwegs anhalten um sie zu fotografieren, die Berufsfotografen, die sich hier tummeln und einem nach dem fotografieren während der Fahrt ein Kärtchen zu stecken, ja Alpe-d´Huez hat was! Schon in Le Bourg d´Oisans spürt man Radsportgeschichte. Die Rennräder hoch oben vor den Hotels signalisieren, ihr seit hier willkommen.

Genug des Vorspanns. Ich hatte mal wieder Zeit am frühen Morgen. Außergewöhnlich viele Höhenmeter und Kilometer standen ja nicht auf dem Programm. In Ruhe kochte ich meinen Kaffee und war gespannt was mich an diesem Tag erwarten würde. Die 7km Strecke nach Le Bourg d´Oisans die einen Tag zuvor mein Tacho letztendlich auf 81 km brachte waren schnell zurückgeradelt. Am Ortsausgang dann das! Die ersten Kilometer waren schnell geradelt. Mehr als durchschnittliche 8,5 % konnten hier eigentlich auch nicht auf mich zukommen, schon rein rechnerisch nicht, knapp 1100 Höhenmeter

waren über eine Strecke von 13 km zu bewältigen. Die Straße glatt, breit ausgebaut, keine Hoppelpiste oder schöne Straßenführung auf der ich so manches Mal unterwegs gewesen war. Rechts häufig durch eine Betonmauer begrenzt, die wohl nur Autos aufhalten dürfte und für Radfahrer eigentlich eine blanke Katastrophe darstellen (und Tschüss!), stellte die Straßenführung für mich kein optisches Highlight dar. Jede Kehre hervorragend ausgeschildert, konnte sich hier keiner mehr verfahren. Er wusste in jeder Kehre in welcher Höhe er sich befand und wie viel Höhenmeter und Kehren er sich noch herauf „quälen“ durfte. Etwas höher hatte ich einen schönen Blick auf die unter mir liegenden Kehren

Weit musste ich nicht mehr radeln. Der gigantische Skiort kam immer näher. In den letzten Kehren wurde ich an zwei Stellen von einem Berufsfotografen fotografiert, der mir noch während der Fahrt ein Kärtchen zusteckte. Auf der Karte waren seine Internetadresse und ein Code vermerkt. Später zu Hause konnte ich mir die Fotos im Internet in verringerter Qualität anschauen. Das Original war dann für je 16,- Euro bestellbar.  Zuviel liebe Berichtleser? Stellen sie sich vor, sie haben keinen Fotoapparat dabei. Sind 16,- Euro dann noch zuviel für den einmaligen Beweis tatsächlich nach Alpe-d´Huez hinauf geradelt zu sein? Trotz aller Kritik, auch ich war begeistert hier oben angekommen zu sein und von mir ein eigenes Foto zu machen. Freundlicherweise erklärte sich ein netter Rennradfahrer dazu bereit sich mit meiner Sony DSC828 auseinander zusetzen.

Ich bin zwar kein Skifahrer, insofern fehlt mir da vielleicht ein wenig der Einblick, aber für mich war es der größte Skiort, den ich je gesehen hatte. Straßen auf jeder Seite mindesten 3-spurig, ein Flugplatz, muss ich noch mehr schreiben? Nachfolgend einige Eindrücke: Die Weiterfahrt zum Col du Sarenne gefiel mir landschaftlich viel besser. Am Flugplatz vorbei fuhr ich auf welligem Terrain weiter in Richtung Col du Sarenne. Mit 1999 m Höhe nicht viel höher als Alpe-d´Huez, aber immerhin ein Pass. Auf dem Col du Sarenne standen einige Rennradfahrer, ein Passschild gab es hier nicht, aber es war mit 2000 m eindeutig der höchste Punkt des heutigen Tages. Lange hielt ich mich in Alpe-d´Huez nicht mehr auf. Zügig fuhr ich dieselbe Strecke wieder zurück. Die Abfahrt machte sehr viel Spaß. Nachmittags schob ich mein Rad noch einmal durch den Ort um anschließend Le Bourg d´Oisans entgültig in Richtung Campingplatz zu verlassen.

Am Abend hatte ich dann noch das Erlebnis, dass meine englischen Zeltnachbarn vom Fußballspiel England-Portugal aus der Bar zurückkamen. Portugal hatte England im Elfmeterschießen nach Hause geschickt. Sie schauten ein wenig geknickt, nahmen es aber gelassen.

 

 

 

 


 

 Auch vom Süden nicht leicht zu befahren, der Col du Glandon

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
02.07.2006 61 640 1577 13626 Camping "Bois Joli"

 

Als wir im Jahr 2002 den Col du Glandon von Norden hinaufgeradelt waren, konnten wir damals auf dem kurzen Straßenabzweig in Richtung Croix de Fer den auf der Südseite liegenden Stausee sehen. Damals hatte uns die Südseite schon gereizt, sie wirkte landschaftlich interessant, gehörte aber nicht zu unserer damaligen Route. In diesem Jahr sollte es etwas werden. Zu Hause hatte ich bei der Planung auf der Michelinkarte einen doppelten Gegenpfeil übersehen, also ging ich von folgender Tageshöhenmeterberechnung aus:  Le Bourg d´Oisans liegt auf 730 m Höhe, der Croix de Fer auf 2067 m, ergab nach Bildung der Differenz eine Tageshöhenmeterleistung von 1337 Höhenmeter, soviel zur Theorie.  Nachstehend habe ich mal eine Kopie des vom GPS-Gerät aufgezeichneten Höhenprofils eingefügt. Sofort zu erkennen die beim Anstieg vorhandenen Senken, die dazu führten, dass die Tageshöhenmeterleistung auf 1577 Höhenmeter anstieg. Davon ahnte ich natürlich noch nichts, als ich morgens den wunderschönen Campingplatz „Belledonne“ verließ und noch auf flachem Terrain in Richtung Allemont radelte. Der Ort befindet sich direkt am Fuße einer Staumauer. Vor der Staumauer fährt man in zwei langgezogenen Kehren hinauf, bis man unvermittelt auf den Stausee blickt.

Rechts am Stausee entlang ist die Straßenführung noch harmlos, immer schön flach gehalten, bis man das Ende des Sees erreicht. Danach ging es zur Sache, ständige 9-10 % forderten mich schon gewaltig. Über 5 km zieht sich dieses Straßenstück bis le Rivier d´Allemont gefühlsmäßig sehr lang hin, insbesondere deshalb, weil es keine einzige Kehre gibt. In le Rivier d´Allemont (1820 m) besteht die erste Möglichkeit etwas Kaltes zu trinken. Klar, dass diese Gelegenheit wahrgenommen wurde. Wo ich nicht mit gerechnet hatte, war die auf dem nächsten Bild gezeigte Senke. In drei bis vier Kehren ging es steil über 100 Höhenmeter hinab. Danach nahm die Steigung sofort bis auf einen Wert von 12 % zu. Nachfolgend einige Fotos, die ich auf dem Teilstück bis zum Lac de Grand Maison gemacht habe.

Ja, ja, quälen durfte ich mich mal wieder mächtig (grins!). Rennradler über Rennradler überholten mich, davon die meisten Holländer. Einen Deutschen registrierte ich auf der gesamten Strecke, der war ich aber selber. Mit einem Spanier hatte ich unterwegs ziemlich viel Spaß. Er fuhr eine Zeitlang langsam neben mir her und erzählte mir von seiner Rennradlergruppe, die fast alle noch hinter ihm fuhren. Insofern hatte er viel Zeit sich mit mir zu unterhalten. Später auf dem Croix de Fer fiel mir auf warum, er war wohl schlicht weg der Jüngste. Auf der linken Seite führte die Straße in zwei Kehren bis auf Staumauerhöhe. Die Staumauer befindet sich in einer Höhe von 1800 m. Die Steigung geht etwas zurück, ganz flach wird es aber nicht.

Am Ende des Lac de Grand Maison fällt die Straße dann wieder in eine Senke. Danach folgt der Anstieg bis zum Restaurationsgebäude vor dem Col du Glandon. Auf dem nachstehenden Foto ist ganz weit hinten das Restaurationsgebäude zu sehen. Links in den Bergeinschnitt hinein muss man noch einmal 10-15 m hinauf um zum Col du Glandon zu gelangen. Die Straßenführung nach rechts führt zum Croix de Fer.

Auf den letzten Kilometern erlebte ich noch eine nicht so angenehme Situation. Vergleichbar mit der Situation im letzten Jahr hinter dem Penser Joch, sah ich von weitem schon die Polizei und Notarztfahrzeuge stehen. Ein Motorradfahrer hatte es mal wieder übertrieben und die Kurve nicht geschafft. Der Verletzte befand sich aber schon im Krankenwagen. Ich radelte an der Unfallstelle vorbei und freute mich darauf, das vor dem Glandon befindliche Restaurationsgebäude bald zu erreichen.

Die 150 Höhenmeter bis zum Col de la Croix de Fer stellten kein Problem dar. 20 bis 25 Minuten später war ich oben und wurde von den Spaniern begeistert empfangen. Schnell standen einige vor meinem Rad und schauten auf die Übersetzung. Nichts besonderes, Dreifachkettenblatt mit einem kleinsten Kettenblatt von 24 Zähnen und hinten einem größten Ritzel mit 32 Zähnen. Schnell ließ ich mein Fahrrad samt Hänger die 150 Höhenmeter zurück in Richtung Abzweig zum Col du Glandon sausen. Der Schwung reichte fast um die ungefähr 15 Höhenmeter ohne nach zutreten zu schaffen. Auf dem Parkplatz am Col du Glandon standen zwar viel Autos, von Menschen aber kaum eine Spur. Von der Abfahrt nach La Chambre, die ich mit Burkhardt im Jahr 2002 hinaufgefahren war, nachstehend einige Fotos. Menschen traf ich unterwegs nicht, dafür Natur pur! Bei der Ankunft in La Chambre auf dem Campingplatz „Bois Joli“ gelang es mir dieselbe Holzhütte zu mieten wie im Jahr 2002. Für 20,- Euro die Nacht mietete ich mich sogleich für 2 Nächte ein.

Am Abend im Campingplatzrestaurant unterhielt ich mich längere Zeit mit einem holländischen Ehepaar, die mit ihren kleinen Kindern zum zweiten Mal hier in Urlaub waren. Mal wieder die Erkenntnis, dass alleine Reisen nicht unbedingt einsam macht. Kontakte hatte ich reichlich.

 

  

 

 


 

 Montvernier, Chaussy, auf Nebenwegen zum Col de la Madeleine 

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
03.07.2006 63 703 1865 15491 Camping "Bois Joli"

 

Ursprünglich war die „harte“ Variante zum Col du Madeleine gar nicht in der Planung vorgesehen. Am Abend zuvor entdeckte ich das kleine Sträßchen das in Verlängerung der Anfahrt zum Col du Chaussy weiter zum Col du Madeleine führte auf der Michelinkarte.  Mal schauen dachte ich, die Entscheidung die Verlängerung über den Col du Chaussy hinaus bis zum Col du Madeleine zu fahren, konnte unterwegs gefällt werden. Die als Schleife oder Stich zu fahrende Strecke führte ohnehin auf jeden Fall wieder zum Campingplatz in La Chambre zurück, d. h. ich konnte sie mit Minimalgepäck fahren.

Um es vorweg zu nehmen, die Strecke beinhaltet zwei größere Senken, eine befindet sich hinter dem Col de Chaussy (von 1539 m auf 1350 m), die zweite auf dem Schotterstück kurz vor dem Erreichen der asphaltierten Straße die zum Col de Madeleine führt (von 1916 auf 1824 m). Insgesamt kamen so am Tag 1865 Hm zusammen. Die paar Anfahrtskilometer von La Chambre aus die N6 entlang waren nicht toll, halt immer an der Hauptstraße lang, alles was an Steckenführung an dem Tag danach kam, war absolut abwechslungsreich. Die Passhöhe des Col du Montvernier (750m) ist auf dem Höhenprofil nicht zu erkennen, weil ich nicht rechts abgebogen bin, um nach St. Jean de Maurienne zu fahren, sondern links hinauf weiter zum Col du Chaussy (1532 m).

Eine derartig interessante Straßenführung die aus sehr vielen kleinen Kehren besteht, hatte ich noch nicht in meinem bisherigen Programm. Auf dem nachstehenden Foto kann man die kleinen fast übereinander liegenden Kehren zum Teil erahnen. Sie Straße führt zwischen den Bäumen hinauf bis zu der auf dem Foto hoch oben zu sehenden Kapelle. Es machte richtig Spaß in der Morgenluft dort hinauf zu fahren. Auf der Höhe der Kapelle nimmt die Steigung etwas ab, so dass man recht locker bis zum Straßenabzweig vor dem Ort Montvernier fahren kann. An der Stelle befindet sich auch die eigentliche Passhöhe des Col du Montvernier, ein Passschild gibt es dort aber nicht.  Durch die kleinen Orte Montvernier und Montbrunal fährt man wie auf einem etwas schräg liegenden Hochplateau weiter in Richtung Col de Chaussy, bis die Straße einem starken Rechtsschwenk folgend direkt auf ein großes Felsmassiv zusteuert. Die Straße um den Felsklotz herum zu bauen war den Straßenbaumeistern nicht mehr möglich gewesen, so dass sie die Trasse in den Fels sprengen mussten. Spektakuläre Ausblicke gibt es auf dem Stück reichlich. Mit dem Rad hält man am besten Abstand von der Betonmauer, Dahinter geht es einfach zu tief hinunter. Bereits um 11:20 Uhr stand ich am Ortsschild von Montpascal. Bestehend aus ein paar Bauernhöfen und einigen wenigen Häusern, besaß der Ort sogar eine Kirche. Die noch fehlenden 130 Höhenmeter bis zum Col du Chaussy waren schnell geradelt, das Passschild war schon von weitem in der Blümchenwiese zu sehen. Auf der Tafel zu sehen, ist der Weg den ich in Richtung Lac du Loup (St. Francois) weiter gefahren bin, um über St. Francois Longchamp den Col du Madeleine zu erreichen. Erkennen kann man auch die Senke am Parkplatz in 1355 m Höhe. An dem Tag hatte ich aber nicht darauf geachtet.

Insofern war ich etwas überrascht, dass es plötzlich 200 Höhenmeter auf Schotterwegen bergab ging. Die Piste wurde zunehmend schlechter, so dass ich hin und wieder mal kurz schieben musste. Aber das war egal, der Ehrgeiz hatte mich gepackt, heute noch den Col de la Madeleine zu knacken. Erst in Bonvillard einer kleinen Ansammlung von Bauernhöfen führte die Straße wieder bergauf. Kein Problem, die 650 Höhenmeter würde ich auch noch hinauffahren können. (Mal wieder ein Irrtum, es wurden mehr!). Dahinter ging es in zwei Kehren weiter hinauf. Der Straßenzustand verschlechterte sich immer mal wieder etwas, ließ sich aber überwiegend auch mit Trekkingradbereifung noch gut befahren.

Im obigen Profil ist erkennbar, dass es mal wieder 100 Höhenmeter hinabging, um die eigentliche fest ausgebaute Straße zum Col de la Madeleine zu erreichen. An Skiliften vorbei fuhr ich in mäßiger Geschwindigkeit hinab in Richtung Straße, immer darauf achtend, mit dem Vorderrad nicht wegzurutschen. Die letzten 180 Höhenmeter auf asphaltierter Strecke waren dann ein „Klacks“! Voll motiviert freute ich mich auf die Ankunft. Die Welt war mal wieder klein! Auf der Passhöhe traf ich einen belgischen Rennradfahrer wieder, mit dem ich mich einen Tag zuvor am Croix de Fer unterhalten hatte.

Die Abfahrt durch den Skiort St. Francois Longchamp fand ich im Jahr 2002 schon nicht so interessant.  Deshalb würde ich den südlichen Anstieg auch nicht in eine neue Tourenplanung einbauen. Ich hatte die richtige Route gewählt, auch wenn sie anstrengender war. Der Anstieg auf der Nebenstrecke war zwar nicht leicht, aber auf jeden Fall interessant. Vor allen Dingen der Blick auf den Col de la Madeleine von einer ganz anderen Perspektive aus als üblich entschädigte für so manche Anstrengung. Eine grandiose Abfahrt stand bevor. Nur durch ein kurzes flaches Stück unterbrochen, sauste ich 1460 Höhenmeter hinab bis zum Campingplatz „Bois Joli“ in La Chambre.

 

 

 


  

 Ein harter Tag, 2100 Hm un 103 km von La Chambre nach St.Jorioz

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
04.07.2006 103 806 2100 17591 Camping "International"

 

Ein harter Tag lag hinter mir. Etwas ausgelaugt von der Hitze und Tagesanstrengung saß ich im Campingplatzrestaurant im Schatten und wartete auf meine Essen. Dabei hatte der Tag am frühen Morgen so wunderschön kühl begonnen. Es sollte der heißeste Tag meiner diesjährigen Tour werden. Vier Pässe gehörten zum Tagesprogramm, der Col du Gran Cucheron, der Col du Champ Laurent, der Col du Frene, sowie zu aller letzt der kurz vor dem Lac de Annecy liegende Col de Leschaux.

Auf der zunächst leicht welligen Strecke bis zum Fuße des Col du Gran Cucheron hatte ich mein zweites Hundeerlebnis auf dieser Tour. Mitten auf der D75 stand er kurz vor dem kleinen Ort St. Epierre und sah so aus, als wenn er mich auf keinen Fall vorbeilassen wollte. Eine leichte Tempoverschärfung und ein direkter Kurs auf ihn zu waren die richtige Lösung. Schon wurde aus der angriffslustigen Bestie ein zwar noch bellender Hund, aber einer der ziemlich schnell das Weite suchte um nicht überfahren zu werden. Er bellte mir weiterhin hinterher, blieb aber auf der Straße stehen. Die zweite Situation mit der ich an diesem Tag klar kommen musste war dann die auf dem Foto abgebildete.

Nein, das durfte einfach nicht wahr sein. Was nun? In einem Vorgarten sah ich einen Frühaufsteher, der schon damit beschäftigt war, seinen Gartenzaun zu streichen. Auf meine Frage, ob man den Pass mit dem Fahrrad erreichen konnte, zuckte er nur mit den Achseln. Die einzige Lösung seinerseits bestand darin, mir auf der Michelinkarte einen Weg auf der D73 zu zeigen, der nach Aiguebelle aber durchs Tal führte. Da wollte ich aber eigentlich nicht lang. Wie man an dem nachstehenden Höhenprofil erkennen kann, war eine risikoreiche Entscheidung fällig!

Über 800 Höhenmeter hinaufzufahren um anschließend wieder zurückkehren zu müssen, war nicht unbedingt mein Ding, ich fuhr aber trotzdem in Richtung Col du Gran Cucheron und hoffte auf weitere Hinweise. Viel Glück hatte ich mal wieder. Einen Kilometer weiter überholte mich bereits ein älterer Rennradfahrer der relativ gut Englisch sprach. Die Situation von mir erklärt, reichte ein „No Problem Velo“ als Antwort von ihm um mein Gesicht wieder strahlen zu lassen. Viel Vertrauen brauchte ich in dem Moment, aber der Mann hatte Recht. Kein einziges Auto kam mir aufgrund der gesperrten Straße entgegen und kein Auto überholte mich, was aber noch viel wichtiger für mich war, der Rennradfahrer kam nicht wieder zurück! Ich war alleine, hatte Ruhe und kurbelte mich überwiegend in schattigem Wald Meter für Meter hinauf. Ein tolles Erlebnis. Noch toller war das Erlebnis, dass es zwar dauernd Hinweise auf die gesperrte Straße gab, eine Baustelle aber nicht zu finden war. Keine Arbeiter, keine Maschine, keine aufgerissene Straße waren zu sehen. Auf der Abfahrt sauste ich knapp 300 Höhenmeter hinab um ebenfalls feststellen zu müssen, dass es kein einziges Hindernis gab. Dank an den französischen Rennradfahrer.

An dem Straßenabzweig traf ich zwei weitere Rennradler, die ihrerseits ratlos vor dem Hinweis „Route Barre, ferme“ standen. Ich strahlte schon im Gesicht als ich direkt auf sie zu fuhr. Ihren Gesichtern war es anzusehen, dass sie vor demselben Problem standen, wie ich gut zwei Stunden vorher. Zum ersten Mal eine Gelegenheit französischen Radlern im eigenen Land zu helfen. Einer der beiden sprach sehr gut Englisch und so entwickelte sich mal wieder das übliche Gespräch darüber, wo ich denn hinfahren würde, wo ich herkäme usw.  Mein Radanhänger war dann Thema Nr. 2. Die Unterhaltung war sehr nett, die beiden waren zufrieden, dass sie ihrer Route weiter folgen konnten und ich auf den Hinweis, dass die ca. 200 Hm zum Col du Champ Laurent gut zu befahren waren.

Eines war aber schon zu spüren, es wurde heiß! Kaum mehr im Schatten, war die Sonne bereits deutlich zu spüren. Mein im Tacho enthaltener Temperaturmesser zeigte bereits jetzt knappe 40 Grad Celsius. So wie es aussah, würde es der heißeste Tag meiner bisherigen Tour werden. Die Straße hinunter ins Tal nach Chamoux führte über 800 Höhenmeter hinab. Absolut konzentriert musste ich die Abfahrt befahren, weil sie zum ersten sehr schmal war und der Straßenbelag von der Qualität her ständig wechselte, vom Hang heruntergefallene Steine lagen ebenfalls häufig herum. Ich war von der Zeit her aber gut unterwegs, lies es deshalb langsam gehen und fuhr absolut auf Sicherheit bedacht. Danach standen 5 km Flachland auf dem Programm (siehe obiges Höhenprofil).  Von der Weiterfahrt, der Überquerung des Flusses Isere und der Anfahrt zum Col du Frene folgende Bilder.

Beim Chateau de Miolans handelt es sich um eines der bedeutendsten Beispiele mittelalterlichen Wehrbaus. Die Anfänge dieser Burg gehen bis auf das Jahr 923 zurück. Mehrere Jahrhunderte war sie Stammsitz der Miolans, die hier die Straßen der Tarentaise und Maurienne kontrollierten. Später wurde die Burg von savoyischen Herzögen in ein gefürchtetes Gefängnis verwandelt. Für eine Burgbesichtigung reichte meine Zeit leider nicht, deshalb radelte ich unterhalb der Burg weiter in Richtung St. Pierre de Albigny um im Ort rechts zum Col du Frene abzuzweigen.

Die knapp 700 Höhenmeter zum Col du Frene sind von der Steigung her eigentlich gut zu fahren, die Strecke muss aber zu ca. 95 % voll in der Sonne gefahren werden. Die Temperaturanzeige im Tacho zeigte inzwischen 43 Grad Celsius an. Der Wasserverlust war an dem Tag enorm, jede Gelegenheit die Wasserflaschen zu füllen wurde genutzt.  Um 14:30 Uhr hatte ich es dann geschafft! Der dritte Pass des Tages war „geknackt“! Voll motiviert und überzeugt davon die letzten 300 Höhenmeter (Irrtum, es waren noch 380 Hm zu fahren) auch noch zu schaffen, sauste ich in Richtung Le Chatelard, durchquerte den kleinen Ort Sainte Reine und wunderte mich noch vor Chatelard 80 Höhenmeter zusätzlich fahren zu müssen. Normalerweise überhaupt kein Problem, aber die Hitze machte mich total mürbe.

Ab Straßenabzweig in Richtung Col de Leschaux wehte kein Lüftchen, die Hitze strahlte dermaßen stark vom Asphalt zurück, dass ich anhalten musste und eine Pause einlegte. Auch auf der Weiterfahrt nur Sonne, Sonne und nochmals Sonne. Sei zufrieden Georg sagte ich mir, du wolltest schönes Wetter haben und nun hast du es. Ganz so schlimm wie auf dem folgenden Foto war es zwar nicht, aber 2100 Höhenmeter waren genug an dem Tag. Hinauf musste ich an dem Tag glücklicherweise nicht mehr, es wäre mir auch ziemlich schwer gefallen. Aber meine Zeitplanung hatte funktioniert! Um kurz nach 17:00 Uhr stand ich am Eingang des Campingplatzes „International“ in St. Jorioz. Am Abend schaute ich mir mit ca. weiteren 40 Campern in der Bar das WM-Spiel Deutschland gegen Italien an. Deutschland verlor 2:0 und war draußen.

 

 


 

 Vom Lac de Annecy über das Plateau des Glieres nach Taninges

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
05.07.2006 92 898 1566 19157 Camping "Municipal les Thezieres"

 

Eine viertel Stunde dauerte es am frühen Morgen, um zwei Franzosen, die in der Bar ihren Kaffee tranken, näheres über meine Radtour zu erzählen. Ich hatte mir Croissants und einen Grand Caffee bestellt und bemerkte, wie sie zu meinem Rad liefen und den Hänger inspizierten. Aufgrund der sprachlichen Schwierigkeiten war es nicht einfach, machte mir aber dennoch Spaß. Ich erklärte ihnen das System mit den Steckachsen und der umklappbaren Deichsel und beantwortete wie schon mehrfach so einige Fragen zur Tour.

Nachts hatte es etwas geregnet und ich befürchtete schon einen Wetterumschwung, vergessen hatte ich mein Handtuch auf der Wäscheleine. Es wurde reichlich nass. Dies ist auch der Grund warum auf einigen der folgenden Fotos ein Handtuch auf dem Hänger zu sehen ist.  Morgens beim Packen war das Wetter aber wieder super. Wunderschön war es morgens am Lac de Annecy entlang zu radeln. Schnell hatte ich ein Hinweisschild wahrgenommen, das auf einen Radweg in Ufernähe hinwies. Der N508, auf der ich 2 km entlang gefahren war weiter zu folgen, hätte absolut keinen Spaß gemacht. Ich fühlte mich trotz der strapaziösen Fahrt vom Vortag gut erholt. Es machte einfach Spaß diesen Radweg zu fahren. Früh morgens kamen mir bereits einige Jogger und Radfahrer entgegen.

In Annecy hielt ich mich nicht sehr lange auf, obwohl ich den Eindruck hatte, dass die Stadt eine Besichtigung wert war. Aber das hätte meinen Zeitplan vollkommen durcheinander geworfen. In Annecy le Vieux kaufte ich den Tagesproviant, danach musste ich nur noch dem Track im GPS-Gerät folgen um den Ort zu verlassen. Ein kleiner Schreck am frühen Morgen erzeugte dann am letzten Kreisverkehr ein Umleitungsschild. Um nach Naves Parmelan zu gelangen, sollte man den Schildern folgen. Genau durch den Ort wollte ich fahren. Ich hatte mir bei der Planung ein kleines Sträßchen ausgesucht um über Naves Parmelan nach Thorens-Glieres zu gelangen. Mutig geworden durch die Aktion vom Vortag am Col du Gran Cucheron, fuhr ich die 70 Höhenmeter hinab, bis ich plötzlich vor einer Brückenbaustelle stand. Es sah nicht gerade danach aus, dass hier eine Weiterfahrt möglich gewesen wäre. Aber ich gab keineswegs auf und das stellte sich als richtig heraus. An der Baustelle wurde gearbeitet! Also setzte ich mein strahlendstes Lächeln auf, begrüsste die Arbeiter in einem kaum mehr zu übertreffenden freundlichen Ton, zeigte auf mein Velo und fragte sie einfach, ob ich über die Brücke fahren durfte. Die Antwort kam kurz und klar, ein einfaches „JA“. Der Morgen war gerettet. Ich musste zwar eine Eisenstange beiseite schieben und einen Zaun leicht verschieben, aber ich konnte über die Brücke.

Das kleine Sträßchen war erreicht. Auf der anderen Seite ging es dann so wie auf dem folgenden Foto zu sehen weiter. Kein Auto bedrängte mich dort. Sehr ruhig konnte ich nach Naves Parmelan radeln. Die Strecke bis Thorens Glieres zog sich dann ziemlich hin. Ca. 12 km und 300 Höhenmeter durfte ich durch schöne Wiesen zwischen Bauernhöfen hindurch radeln, bis der eigentliche Anstieg zum Col du Collet begann. Kurz vor dem eigentlichen Steigungsbeginn sprach mich die ganz links auf dem Bild zu sehende ältere Frau an. Sie schien mich für verrückt zu halten, mit meinem Gepäck die gut 800 Höhenmeter hinauf zu wollen. Ich verstand zwar das wenigste von dem was sie sagte, die Gesten waren aber eindeutig.

Mein „No problem“ in freundlichem Ton als Antwort reichte aus, um auf ihrem Gesicht ein Lächeln zu erzeugen und mir gute Fahrt zu wünschen. Der Anstieg war nicht leicht, die Steigung fast durchgängig konstant zu fahren.  Im überwiegend schattigen Wald kurbelte ich 100 m um 100 m hinauf, nur sehr wenige Autos überholten mich oder kamen mir entgegen. Auf der Passhöhe, die ich ca. zwei Stunden später erreichte steht kein Passchild, nur eine Tafel mit dem Hinweis auf das Plateau des Glieres. Es ist nur eine kleine Senke von 30 m, in die ich hinabradelte um zum Col des Glieres zu gelangen. An einer Felswand vorbei zog sich die Straße noch einmal 100 Hm hinauf, dann war es geschafft. Im Winter schien oben auf der Passhöhe so einiges los zu sein. Ein riesiger Parkplatz, eine Touristikinformation, halt ein Skigebiet. Bei meiner Ankunft standen nur zwei Autos auf dem Platz, ein paar Wanderer beschäftigten sich mit ihren Rucksäcken und ihrer Ausrüstung. Das Passschild war hinter einem Baustellenzaun versteckt, aus diesem Grund gelang mir nur das folgende Foto.

Auf der Micheleinkarte hatte ich die 3 km unbefestigte Straße zu Hause bei der Planung ja gesehen, es war nur in Vergessenheit geraten. Insofern war ich einen kleinen Moment etwas erschrocken, dass es wieder über eine schlechte Wegstrecke bergab ging. Es waren aber nur 3 km bis zu der Stelle, die in der Michelinkarte als „Chez la Jode“ ausgewiesen ist. Am „Chez la Jode“ gibt es eine größere Holzhütte, ein Cafe/Restaurant in der gleichzeitig auch Keramik der Region verkauft wird. Ab dort war die Straße auch wieder asphaltiert. Draußen vor dem Cafe bestellte ich mir eine Cola und ließ mir Zeit.

Die Abfahrt nach Le Petit Bornand war extrem steil. Beide Hände immer fest am Lenker, die Bremsgriffe angezogen, fuhr ich langsam bergab. Für eine schnelle Abfahrt waren die vielen kleinen Kehren und der Zustand des Asphalts absolut ungeeignet. Die Straße nach Bonneville kannte ich schon von meiner Tour im Jahr 2003. Überwiegend leicht bergab ging es zügig weiter bis nach Bonneville hinein.

Ein Blick in Richtung Osten zeigte mir, dass das Wetter sich änderte. Mal entlang der D19, mal auf der D6 fuhr ich zügig weiter in Richtung Chatillon Cluses, meinem letzten Pass des Tages entgegen. Die 290 Höhenmeter waren relativ leicht zu bewältigen, aber es fing an zu regnen. Es donnerte und blitze vor mir so gewaltig, dass ich die Entscheidung traf, mich einige Zeit unterzustellen. Ich hatte noch ein paar Bananen und eine Cola. Um ein wenig Kräfte zu tanken, auch der richtige Zeitpunkt. Als der Regen etwas nachließ und der Zeitpunkt zwischen Blitz und Donner immer länger geworden war, entschied ich mich für die Weiterfahrt und erreichte kurz darauf die Straße von Cluses nach Taninges, aber es regnete wieder leicht.

Es ist erstaunlich, wie schnell sich die Schleusen am Himmel öffnen können. Nach dem Erreichen des Platzes hatte ich das Zelt kaum auf dem Rasen liegen, das ging es auch schon los. Eimerweise kam es von oben. So schnell war ich beim Zeltaufbau noch nie gewesen. Gut dass mein Zelt einen durchgängigen Gestängekanal besaß und dass das Innenzelt innen fest mit dem Außenzelt verbunden war. Im Eiltempo die 2 Stangen reingeschoben, stand das Zelt binnen 2 Minuten. Die Schuhe schnell ausgezogen und ins Zelt geworfen, konnte nicht mehr viel passieren. Ab da war mir alles egal. Ich hatte Spaß wie ein kleines Kind, lief in Socken über den nassen weichen Rasen und schlug die letzten Heringe in den Boden. Den Stellplatz hatte ich richtig gewählt, etwas auf einem kleinen Buckel gelegen, konnte nicht viel passieren, während das Wasser auf dem nicht weit entfernten Weg in 3 cm Höhe die Straße hinablief.

Während des Zeltaufbaus hatte ich noch wahrgenommen, dass zwei holländische Jugendliche mir ihre Hilfe angeboten hatten. Weil mir für lange Erklärungen die Zeit fehlte, hatte ich die Hilfe abgelehnt. Ich sah sie am Waschhaus stehen und lief zu ihnen hinüber um mich für die angebotene Hilfe zu bedanken. Sie waren auch mit dem Rad unterwegs und hatten ihr Zelt nur eine halbe Stunde vor mir aufgebaut.

Später als die Wetterlage sich etwas besserte, wagte ich es die 1,5 Kilometer nach Taninges hineinzufahren, um mich nach einem Restaurant Ausschau zu halten. Bei dem auf dem nachfolgenden Foto abgebildeten Restaurant handelt es sich zwar um das Restaurant, in dem ich den Abend verbrachte, das Foto entstand aber erst am sehr späten Abend nach dem Frankreich das WM-Spiel gegen Portugal 1:0 im Elfmeterschießen gewonnen hatte. Schon während des Spiels war die Geräuschkulisse im Restaurant enorm hoch gewesen. Nach dem Sieg war das Dorf kaum mehr zu bremsen. Autokorsos über Autokorsos fuhren laut hupend durch den kleinen Ort, Kinder mit wehenden Fahnen säumten den Straßenrand.

 

 

 


 

 Im Regen zum Genfer See

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
06.07.2006 79 977 856 20063 Camping "Vichy in Lausanne"

 

Als ich in Taninges nach dem verregneten Abend morgens den Platz verließ, war ich erstaunt wie gut alles abgetrocknet war, das Zelt war fast trocken. Meine gewaschene Radkleidung und mein großes Handtuch hatte ich die Nacht über im Waschraum aufgehängt, morgens konnte ich alles trocken wieder einsammeln. Von der Wetterlage her sah es aus, wie wenn es sich einigermaßen stabilisiert hätte. Die Wolken hangen hoch und es sah nicht nach Regen aus. Ich fuhr bis zu dem Restaurant vom gestrigen Abend und bog links ab in Richtung Mieussy. Die Straße war nicht stark befahren, ich war auch früh unterwegs und bog in Mieussy ab auf die D308 in Richung Col de Ramaz. Sogleich zog die Straße an, die ersten Schweißtropfen liefen bereits den Arm runter, bis ich an dem Abzweig stand, von dem ich wieder 100 Höhenmeter hinabfahren durfte. Hier traf ich wieder auf unsere alte Routenführung aus dem Jahr 2002. Ich befuhr sie nur in umgekehrter Richtung.

Auf dem Stück nach Megevette kam mir ein belgischer Rennradfahrer entgegen, der sofort anhielt um sich mit mir zu unterhalten. Längere Zeit stand ich mit ihm am Straßenrand und unterhielt mich mit ihm über alle möglichen Radreisen. Er war ca. 15 Jahre älter als ich und war sehr viele Touren in Kanada und Amerika gefahren. Seine Tochter war mit einem Franzosen verheiratet, der in der Nähe von Megevette ein Haus besaß. Für ihn war es quasi ein Familienbesuch verbunden mit einer Rennradtrainingseinheit. Vor Megevette sah ich den kleinen Holzschuppen wieder hinter dem ich mit Burkhardt vor 4 Jahren unser Süppchen gekocht hatte.

In Megevette muss man rechts abbiegen, um dann in einer 3 kilometerlangen Geraden bei mäßiger Steigung den Col de Jambaz zu erreichen. Auf der rechten Straßenseite fotografierte ich dann das verfallene gar nicht mal so kleine Gebäude, welches mal als Hotel/Restaurant genutzt wurde. Der Col de Jambaz liegt etwas rechts vom Straßenabzweig nach Habere Poche, besitzt aber kein Passschild. Bis zum Col de Terramont war es dann nicht mehr weit, die knappen 100 Höhenmeter stellten natürlich überhaupt kein Problem dar. Dort machte ich bis zum Genfer See das letzte Foto im Trockenen. Auf der Abfahrt in Richtung Habere Poche hielt ich bereits die Beine hoch, damit das Wasser von unten nicht meine Schuhe durchnässte.

In der Ortsmitte entdeckte ich eine Touristikinformation in der ich mich unterstellen und fast eine ganze Stunde lang aufhalten konnte. Die Dame die ich ansprach war sehr nett, konnte mir aber leider bezüglich des Wetters auch keine Hoffnungen machen. Ursprünglich wollte ich auf meiner Tour noch über zwei kleinere Pässe bis nach La Baume fahren um am folgenden Tag erst den Genfer See zu erreichen. Ich entschied mich für die Minimallösung, zog auf meiner langen Tour zum erstenmal die volle Regenbekleidung an und machte mich um 12:00 Uhr mit dem Schließen der Touristikinformation auf den Weg. 170 Höhenmeter musste ich im Regen zum Col de Cou hinaufkurbeln. Danach gabe es nur noch eine lange Abfahrt bis zum Genfer See. Es folgte eine über 20 km lange Abfahrt im strömenden Regen, auf der ich es nicht wagte den Fotoapparat aus der Lenkertasche zu nehmen. Bei der Ortdurchfahrt in Thonon ließ er dann etwas nach.

Ein tolles Gefühl machte sich in mir breit, ich war zwar noch nicht am Ziel meiner Reise, aber ich hatte den Genfer See erreicht. Einen nicht leichten Kurs hatte ich gewählt, um von Nizza aus zum Genfer See zu gelangen. Knapp 1000 km war ich geradelt und hatte bereits 20000 Höhenmeter Aufstieg in den Beinen. Die Strecke am Chateau Ripaille vorbei in Richtung Evians Les Bains kannte ich ja bereits. Das Wetter besserte sich etwas, so dass ich in Ruhe nach Evians radeln konnte. Bereits um kurz nach halb zwei erreichte ich in Evians les Bains den Fähranleger. Es blieb also genügend Zeit am Nachmittag noch mit dem Schiff bis nach Lausanne überzusetzen. Die Stunde Wartezeit nutzte ich um in der auf der anderen Straßenseite vorhandenen Snackbar eine Kleinigkeit zu essen und einen Capuccino zu trinken.

Längere Zeit unterhielt ich mich auf der Fähre mit einem kanadischen Pärchen und dem Fahrkartenkontrolleur. Die beiden Kanadier sprachen Englisch und Französisch. Sie übernahmen quasi die Dolmetscherfunktion für die Konversation zwischen mir und dem Schaffner. Als der Schaffner meine vorher zu Hause ausgedruckte Exceltabelle sah und die Liste der Pässe durchschaute über die ich nach Evians gefahren bin, kam er aus dem Staunen nicht mehr raus.

Die Stimmungslage in der ich mich befand war kaum zu beschreiben. Am Fähranleger in Lausanne wäre ich vor Freude fast angefangen zu weinen. Ich stand mit 38 kg Gepäck in Lausanne am Fähranleger und musste nur noch die gut 3 km bis zum Campingplatz fahren. Ich war am Ziel meiner langen Tour angekommen. Da ich ja einen Tag früher in Lausanne angekommen war als geplant, radelte ich am späten Nachmittag noch zum Bahnhof hinauf.  Bereits am Freitag nach Hause zu reisen war nicht möglich, weil im ICE kein Stellplatz für mein Fahrrad mehr frei war.  Fünfmal umsteigen wollte ich auch nicht. Also machte ich mich mit dem Gedanken vertraut den morgigen Tag noch in Lausanne zu verbringen. Ein paar Kilometer am See entlang zu fahren, konnte durchaus interessant sein.

 

 

 


 

 Ein letzter Tag am Genfer See, Heimreise, Nachbetrachtung

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
07.07.2006 36 1013 100 20163 Camping "Vichy in Lausanne"

 

Freitag, der 07.07.2006

Viel Zeit hatte stand an dem Tag zur Verfügung. Ich hatte mir nach meiner langen strapaziösen Tour bewusst wenig vorgenommen. Ein wenig am See entlang radeln und einen Weg zum Bahnhof suchen, der nicht zu steil war, vielmehr hatte ich mir nicht vorgenommen. Ich wollte auf der Heimreise nicht total verschwitzt im Zug sitzen, das war der Grund. Die Fahrkarte für das Fahrrad musste ich auch noch kaufen, weil dass in Deutschland nicht möglich war. Morgens fuhr ich gemütlich am Genfer See entlang nach Westen, musste aber feststellen, dass der Radweg nicht durchgängig befahrbar war. Nachstehend habe ich zum Abschluss noch einige Fotos zusammengestellt, die ich am Seeufer und während des Tages machte:

 

Samstag, der 08.07.2006

Obwohl der Zug erst um 08:45 losfuhr, stand er bereits eine halbe Stunde vorher auf dem Gleis. Es stand somit sehr viel Zeit zum verstauen des Gepäcks zur Verfügung. Vorher war ich langsam auf dem am Vortag erkundschafteten Weg zum Bahnhof geradelt, hatte mir sehr viel Zeit genommen. Alles schön langsam, nur nicht mehr Schwitzen. 

Er fuhr pünktlich ab und kam in Basel auch pünktlich an. So ganz viel konnte jetzt eigentlich nicht mehr schief gehen. Schon bei der Planung hatte ich darauf geachtet, dass eine längere Zeit zum Umsteigen zur Verfügung stand. In Basel war das eine ganze Stunde, die ich natürlich nicht voll benötigte. Die weitere Fahrt lief mal abgesehen davon, dass der Zug auf dem letzten 100 km vor Essen aufgrund einer Signalstörung 25 Minuten Verspätung hatte, problemlos. Die Zeit unterwegs verkürzten mir einige andere Radler die immer mal wieder zustiegen durch wechselnde Gespräche. Jeder erzählt halt etwas über seine Radtour.

 

Nachbetrachtung

Von der Strecke und Zeitdauer her, war es die längste Radtour, die ich in meinem bisherigen Leben alleine gefahren bin. Grandiose Landschaften hatte ich durchfahren, ich hatte auf der Tour so einige Male mit der Hitze kämpfen müssen, so manchen Liter an Schweiß verloren und dennoch würde ich keinen der Tage missen wollen. Für die Erstellung dieses Berichts benötigte im nach hinein so manche Stunde. Es war mir wichtig die Notizen, die ich abends in mein Tagebuch schrieb noch einmal aufzuarbeiten und nach zu erleben. 

Der erstmalige Einsatz eines Fahrradanhängers hatte mir auf der Tour gut gefallen. Immer direkt an die Packtaschen zu können ohne andere Ortliebrollen entfernen zu müssen war klasse. Mir war es die geschätzten 10 % an zusätzlichen Kraftaufwand wert. Sollte es mir tatsächlich gelingen im nächsten Jahr nach Island zu reisen, wird der Croozer Travel auf jeden Fall dabei sein. Das durch warme Kleidung erforderliche Mehr an Gepäckvolumen wird problemlos zu verstauen sein.