Routenführung

 Zeitraum

 Σ Distanz

 Σ Höhenmeter

Track

Presse

 29.06.2005 - 06.07.2005

 502 km

 8.600 Hm

 

km,

 


 

 

 Anreise nach Almeria und Fahrt nach Roquetas de Mar

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
29.06.2005 36 36 50 50 Ferienhaus in Roquetas de Mar

 

Der Flug mit der Fluggesellschaft LTU verzögerte sich etwas, so dass die Maschine erst um 19:30 Uhr in Almeria landete. Die halbe Stunde spielte nicht so eine große Rolle, obwohl ich  die noch gut 35 km bis Roquetas de Mar mit dem Fahrrad fahren musste. Mein Gepäck war im Gegensatz zum letzten Jahr bei meiner Tour nach Nizza vollständig angekommen, auch das Fahrrad sah rundherum unbeschädigt aus. Um 20:10 Uhr verließ ich das Flughafengelände und fuhr anhand des in GPS 60C gespeicherten Tracks nach Almeria hinein. Das Verkehrsaufkommen ist relativ hoch, so dass ich froh bin die Stadt verlassen zu können. Der Küstenstraße folgend, erreiche ich nach knapp 2 Stunden um Punkt 22:00 Uhr die Feriensiedlung Club Tropicana. Es ist schon dunkel und ich bin froh die genaue GPS-Koordinate des Ferienhauses in meinem GPS-Empfänger gespeichert zu haben. Vor 19 Jahren war ich zum ersten Mal über Sylvester in der Wohnung meiner Verwandten. Als sie davon hörten, dass ich mit dem Fahrrad durch die Sierra Nevada fahren wollte, haben sie mir spontan angeboten, die erste und letzte Nacht in ihrem Haus zu verbringen. Schnell geduscht gehe ich dann noch eine Pizza essen und freue mich auf den morgigen Start. Roquetas selber ist nicht „meine Welt“. Feriensiedlungen und Hochhäuser in gigantischem Ausmaß aneinander gereiht. Mich zieht es in die Berge.

 

 

 


 

 Erster Anstieg von Roquetas de Mar nach Laroles

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
30.06.2005 83 119 1.735 1.785 Camping "Puerto de las Espumas"

 

Gut geschlafen geht es um 08:40 Uhr los. Von der Urbanisation fahre ich erst einmal in den Ort hinein, in der Hoffnung ein geöffnetes Geschäft zu finden. Dem ist aber nicht so. Ein belegtes Brot und Wasser bekomme ich an einer Tankstelle. Danach geht es schnell den Ort verlassend durch den „Gewächshausurwald“ der Küstenregion in Richtung La Majonera und El Ejido. Die Landschaft gefällt mir hier nicht besonders gut und überall am Straßenrand liegt Müll herum. Ab Dalias in Richtung Berja wird die Landschaft abwechslungsreicher, allerdings auch hügeliger. Ich ahne schon, dass heute noch so einige Höhenmeter zusammenkommen. Vor Berja schlängelt sich die Strasse noch bis auf eine Höhe von 530 m, danach geht es aber steil bergab bis auf eine Höhe von 240 m. In Berja bekomme ich dann in einer Ferreteria meine Gaskartusche. Auch das Problem ist gelöst.

Einige Kilometer hinter Berja erhalte ich einen ersten Blick auf den riesigen Stausee „Embalse de Beninar“ der allerdings verhältnismäßig wenig Wasser enthält. Man kann an den Rändern im Fels den ursprünglichen Wasserstand sehen. Er liegt sehr tief unten von der Straße entfernt. Auch ein Weg zum See ist nicht zu erkennen. Gut das ich genügend Wasser mitgenommen habe. Die Hitze (Tachoanzeige bei 48 Grad) stellt sich am ersten Tag bereits als großer Schwierigkeitsfaktor dar. In jeder verfügbaren Bar wird eine Cola getrunken. Nahe einem kleinen Laubwäldchen an einem Bach liegt das Dorf Darrical. Dies ist ein typisches Alpujarras-Dorf mit weißen kleinen Häusern, die verschachtelt den Hang hinauf gebaut wurden und das durch enge Gassen geprägt wird. Das Dorf scheint sehr arm zu sein. Es lässt sich erahnen, wie die anderen Dörfer aussahen, bevor Wohlstand und Tourismus kamen. Viele Häuser sind verfallen. In Darrical fahre ich in der Annahme, in der Ortmitte eine Bar zu finden, einen kleinen Abzweig hinab in Richtung der Kirche. Das einzige was ich erreiche ist, zwar offene Türen zu sehen aber im ganzen Dorf keinen einzigen Menschen und keine Bar. Bei der Hitze bleiben wohl alle in ihren Häusern. Noch schlimmer, ich muss bei der Hitze extrem steile kleine Pfade zwischen den Häusern hindurch zur Straße hinaufschieben.

Über eine große Talbrücke geht es links ab nach Cherin. Am Ortseingang entdecke ich die lang ersehnte Bar. Dort verbleibe ich fast eine Stunde um mich für den noch folgenden Anstieg nach Laroles von der Hitze zu regenerieren. Zu jeder Cola wird mir eine Tapa gereicht, in Spanien eine fast durchgängige Praxis, dem Gast eine Kleinigkeit zu essen anzubieten. Mal sind es Oliven, mal ein Stück Brot (Pane) mit einem kleinen Stück Fleisch, eigentlich immer etwas anderes. Selbst Kartoffelsalat wurde mir später einmal angeboten. Das Problem des ersten Tages, die Hitze, macht mir reichlich zu schaffen. Kaum eine Stelle am Fahrbahnrand, wo man Schatten findet. Die Vegetation ist einfach zu dürftig. Von Cherin aus kurbele ich noch 600 Hm hinauf zum Campingplatz in Laroles. Der Platz liegt nicht direkt im Ort sondern 100 m höher an der Straße zum Puerto de la Ragua. Er ist sehr gut ausgestattet und besitzt wie jeder der Plätze auf denen ich bei meiner diesjährigen Tour übernachte einen Pool. Nach dem Duschen und einigen Runden im Pool geht es mir schon viel besser. Erstaunlich immer wieder, wie schnell man sich regeneriert. Mal schauen, was der morgige Tag so bringt. Für heute reichen die 1735 Höhenmeter und 83 km.
Die Restaurants öffnen in Spanien generell nicht vor 20:00 Uhr. Die Wartezeit muss ich  wohl überbrücken. Nachstehend mal exemplarisch mein bestelltes Essen:

-          Ensalada de la casa (Salat des Hauses, gemischter Salat)

-          Lomo de Cerdo a la plancha (Gegrillte Schweinelende)

-          Grande Patat Frites (Große Pommes Frites) und einen Wein

-          Blanco de Laujar

Übrigens alle zu empfehlen, hat vorzüglich geschmeckt.

 

 

 


 

 Von Laroles durch die Alpujarras nach Pitres

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
01.07.2005 66 185 1.365 3.150 Camping "Balcon de Pitres"

 

Auf der Strecke von Laroles nach Pitres reihen sich die Alpujarras-Dörfchen entlang der Grenze des Nationalparkes „Sierra Nevada“ wie an einer Perlenschnur auf. Ein ständiges auf und ab fordert dem Radler schon einiges ab. Der tiefste Punkt liegt bei 700 m Höhe, der höchste bei 1530 m. Der höchste Punkt befindet sich direkt am Campingplatz in Trevelez, auf dem ich allerdings nicht übernachte.

Aber zunächst geht es morgens in den Pool, keine Menschenseele zu sehen. Mangels Frühstück koche ich mir eine Suppe und esse die Reste des Baquetes von gestern. Nicht gerade ein kulinarisches Highlight, aber ich bin trotzdem zufrieden. Danach die kurze Abfahrt nach Laroles. Auch in Laroles hat noch kein Geschäft geöffnet. Eines nehme ich sofort war. In der Höhe um 1000 m wachsen erheblich mehr Bäume, als auf dem tiefer gelegenen Straßenstück des gestrigen Tages. Ich fahre häufiger durch den Schatten der Bäume, auch der Wind ist etwas kühler. Der Tag scheint wesentlich angenehmer zu verlaufen. Hinter Juviles, kurz vor dem Rechtsknick in die große Talschneise nach Trevelez lege ich eine Picknickpause ein. In Berchules konnte ich Käse kaufen, der natürlich genüsslich verzehrt wird. Das in der Sonne etwas trocken geworden Brot in die Suppe getunkt und schon geht es einem Radler wieder besser. Im Talkessel in Richtung Trevelez geht es die zunächst letzten Höhenmeter hinauf. Während der Fahrt sieht man auf der anderen Seite des Talkessels kilometerlang die Straße, die später noch zu fahren ist. Am Campingplatz in Trevelez dann der höchst Punkt des heutigen Tages (1520 m). Danach gibt es zwar noch ein paar kleine Senken und Zwischensteigungen, insgesamt betrachtet geht es aber hinab bis nach Pitres auf eine Höhe von 1270 m. Der Platz in Pitres liegt kurz hinter dem Ort und ist stark terrassiert. Er ist ebenfalls gut ausgestattet und besitzt ein Restaurant sowie einen Pool. Vorher bei der Anmeldung gab es zwar kleine sprachliche Schwierigkeiten, da die Reception durch zwei ca. 14 jährige Mädchen besetzt war und diese kein Wort Englisch sprachen, mit ein paar einzelnen Worten spanisch aus meinem kleinen Dictionary wurde das Problem aber dennoch gemeistert.

 

  

 


 

 Gewaltanstieg zum Pico Veleta

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
02.07.2005 80 265 2.350 5.500 Camping "Las Lomas"

 

Ich ahne es morgens noch nicht, aber der Tag wird sich zu einem der härtesten Radtage entwickeln, die ich je gefahren bin. 80 km mit 2350 Höhenmeter bei einer Gewichtsbelastung  von zu Hause gewogenen 28 kg Gepäck zuzüglich 6 kg Wasser. Das Fahrrad wiegt ca. 17 Kg, ich selber 85 kg, d.h. insgesamt sind 136 kg hinauf zur höchsten Bergstraße Europas zu schaffen.

Ich stehe bereits um 06:00 Uhr auf, so dass ich bereits um 07:10 Uhr auf dem Fahrrad sitze. Zunächst geht es von Pitres aus hinab bis auf eine Höhe 1150 m. Dieser Punkt befindet sich am Straßenabzweig  Pampaneira/Bubion-Campileira. Dort befindet sich auch eine Tankstelle. Gut, dass es die gibt, denn eine knappe Stunde später in Capileira (1400 m) muß ich feststellen, dass dort kein Geschäft geöffnet hat. Na ja, Wasser konnte ich an der Tankstelle kaufen, aber keine Nahrung. Etwas mulmig ist mir zunächst schon zu mute nur mit im Gepäck befindlichen Tütensuppen den Pico Veleta auf 3400 m Höhe hinaufzufahren. Im Nachhinein betrachtet war es aber kein Problem. Eher das selbst 6 Liter Wasser zu wenig waren (1/2 Liter zum Geschirr spülen). Ich weis nicht, ob es an den hohen Temperaturen lag, oder weil der Körper in größerer Höhe ohnehin mehr Wasser benötigt. Jedenfalls musste ich in 3000 m Höhe Wanderer ansprechen, um sie nach Wasser zu fragen. Ich hatte nur noch einen halben Liter und wollte einfach sicher gehen. Die Gesichter der Wanderer werde ich nicht wieder vergessen. Mit strahlendem Blick boten mir mindesten 4 Personen gleichzeitig ihre Flasche Wasser an. Einen Liter nehme ich gerne an.

Zunächst zieht sich die Straße von Capileira aus gleichförmig hinauf bis auf eine Höhe von 2100 m. Den Wechsel vom Teerbelag in eine feine Schotterstrecke begrüße ich fast sogar, weil die Schotterstrecke zunächst aufgrund der vielen Löcher im Asphalt sogar besser zu befahren ist. In 2100 m Höhe befindet sich dann ein Schlagbaum mit einem Häuschen daneben, indem tatsächlich ein „Nationalparkposten“ sitzt. Wir begrüßen uns gegenseitig. Er lässt mich problemlos  die Schranke passieren. Bei Autos scheint das anders zu sein. Außer zweier Kleinbusse mit Wanderern, die mich überholen, sehe ich in den nächsten Stunden auf der Südseite kein Auto mehr. Bis auf eine Höhe von 2800 m komme ich zügig voran. Ich freue mich schon darüber, nach meinem Picknick in 2700 m Höhe bereits um ca. 13:30 Uhr die Marke von 2800 m  erreicht zu haben. Immerhin schon so hoch wie der Gedenkstein am Col de Bonnette in Südfrankreich. Die Strecke ab dieser Höhe stellt sich für mich mit der an meinem Fahrrad befindlichen relativ schmalen Bereifung als kleine Katastrophe dar. Ich wollte die restlichen ca. 11-12 km eigentlich fahren, rutsche mit dem Vorderrad aber immer wieder an dicken Gesteinsbrocken ab. Der Schwerpunkt liegt einfach zu weit hinten. So kommt es, dass ich streckenweise übrigens zum ersten Mal auf meinen Touren leider schieben muss. Berg hinauf, mit gut 50 kg, nicht so leicht. Mountainbiker, die mir entgegenkommen, fragen mich schon auf Englisch, ob ich ein Zelt dabei habe. Ich bejahe, rechne mir aber aus, ungefähr um 17:00 Uhr auf dem Veleta anzukommen, d.h. mir den Zeltaufbau zu sparen. Tatsächlich wurde es dann 17:30 Uhr. Oben dass letzte Stück Stichstraße hinaufgefahren, erreiche ich dann doch tatsächlich den Pico Veleta in einer Höhe von 3400 m. Grandiose Ausblicke als Belohnung für die strapaziöse Anfahrt. Oben stehen einige Spanier, die gerne bereit sind, mich mit meinem Fotoapparat zu fotografieren. Sie sind schlicht weg begeistert von dem Gepäck, mit dem ich hier oben ankomme. Die Temperaturen sind selbst in dieser Höhe noch angenehm. Der in den Alpen häufig zwingend erforderliche schnelle Trikotwechsel ist hier absolut nicht erforderlich. Keine Spur von Kälte oder Zeichen der Unterkühlung. Schade, dass ich aufgrund des Zeitverzugs mich nicht sehr lange oben aufhalten kann. Ich muss schließlich noch über eine Strecke von 37 km ca. 2300 m hinab. Bei der Abfahrt immer wieder Rückblicke auf den Pico Veleta und Kurzpausen zum fotografieren. Tief unten der Skiort Prado Llano, etwas links davon das Radioteleskop IRAM-IGN (Observatorium). An einem Straßenabzweig fahre ich nicht die Strecke weiter hinab nach Granada sondern eine ganz kleine Straße nach Seminario, um über diesen Weg den Campingplatz in Guejar-Sierra zu erreichen. Unten im Tal stelle ich fest, dass der Ort Guejar Sierra etwas höher liegt. So muß ich tatsächlich an diesem Tag nochmals ca. 150 m hinauf. Den Campingplatz „Las Lomas“ erreiche ich um 07:30 Uhr. Genau passend, um noch schnell das Zelt aufzubauen und um 20:00Uhr im Restaurant Platz zu nehmen. Mann, war dass ein gewaltiger Tag.

 

  

 


 

 Von Guejar Sierra zur Zigeunerstadt Guadix

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
03.07.2005 56 320 800 6.300 Hotel Commercio

 

Der heutige Tag wird nicht so anstrengend wie der gestrige. Zumindest ergibt das mein Kartenstudium. Zunächst geht es bergab in Richtung Granada durch den Ort Pinos Genil. An einem Straßenabzweig dann der Wechsel in Richtung Quéntar, sowie La Peza. Vorbei an dem Stausee „Embalse de Quéntar“. Landschaftlich sehr abwechslungsreich, zieht sich die Straße gleichmäßig hinauf bis zum Pass „Puerto de los Blancares (1297 m). Dort wird selbstverständlich das obligatorische Passfoto gemacht.  Kleine Flüsse, die die Straßenführung begleiten, führen überhaupt kein Wasser mehr. Mir ist nicht bekannt, ob die Flüsse in jedem Jahr derart vollständig ausgetrocknet sind, aber ich entdecke keinen, der auch nur etwas Wasser enthält. Auch hier werden in jeder Bar zu einer Cola Tapas gereicht. Im jetzigen Fall Oliven mit Brot und ein dunkeles Miniwürstchen. In jedem Ort halte ich an und genieße dir mir heute zur Verfügung stehende Zeit. Unterwegs begegnen mir immer wieder reichlich Rennradfahrer. Die Strecke zum Pass scheint von den Radlern aus Granada und Umgebung eine beliebte Trainingsstrecke zu sein. Ein Schild warnt die Autofahrer sogar. Hinunter in die Ebene von Guadix wird das Profil leicht wellig. Landschaftlich findet ein Wechsel statt. Vorher auf der Passhöhe noch Nadelwälder und bunter Felsen, jetzt von der  Sonne und dem Wind erodierte einfarbige Felsen mit eingeschlagenen Höhlen, die die skurilsten  Formen annehmen.

Guadix erreiche ich bereits um 15:00 Uhr. Trotz der Größe der Stadt ist um diese Uhrzeit hier sehr wenig Verkehr. Auf meinem Hinflug hatte mir ein Fluggast den Tipp gegeben, dass es in Guadix entgegen meiner Annahme doch Campingplätze gibt. Auf Anhieb finde ich keinen. So fahre ich gemütlich durch den Ort, vorbei an der riesigen Kathedrale und entdecke ein altes Schild mit dem Hinweis „Hotel Commercio“. Zunächst skeptisch fahre ich einige Straßen, immer den Schildern folgend weiter und finde auch auf Anhieb das Hotel. Von Außen betrachtet macht es nicht so einen tollen Eindruck. Kaum betrete ich das Gebäude, der optische Wechsel. Toller Empfangsaal, feines Restaurant, eine Rezeptionsdame, mit der ich sprachlich in englisch sofort klar komme. Also alles bestens. Selbst das Fahrrad darf ich mit auf mein Zimmer nehmen. Den Abend verbringe ich in der Innenstadt und im Hotelrestaurant.

 

 

 


 

 Über den Puerto de la Ragua (2.038m) nach Süden

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
04.07.2005 80 400 1.340 7.640 Camping "Municipal"

 

Um 07:20 Uhr werde ich wach. Ich muss ja nur wenig packen und die Radtaschen sowie Fahrrad eine Etage hinuntertragen. Unten an der Rezeption muss ich noch eine viertel Stunde warten, den Frühstück (desayuno) gibt es erst ab 08:00 Uhr. Ich nutze die Zeit um einige Fotos vom Hotel zu machen. Um 08:30 Uhr dann der Start in Richtung Jerez del Marquado. Danach die leicht ansteigende Weiterfahrt über Lanteira, Alquife nach Calahora. Calahora besitzt eine skurrile Besonderheit. Auf einem Hügel oberhalb des Ortes steht eine eigentümliche Burg. Dicke Mauern zeigen, dass sie wohl mal für Festungszwecke gebaut wurde. Ungewöhnlich wirken die Halbkugeln auf den vier Türmen. Die Burg stammt aus dem 16. Jahrhundert und erinnert an die maurische Architektur. Gehört hat sie einmal dem Markgrafen Rodrigo de Mendoza, der sie als Wohnsitz nutzte.

Hinter Calahora kurz vor Ferreira geht es hinauf in die Berge. Das Schild mit dem Hinweis auf den Puerto de la Ragua weist darauf hin, dass mir ein paar Höhenmeter bevorstehen. Die rund 800 Höhenmeter lassen sich aber mit gleichförmiger Steigung leicht befahren. Um 12:15 Uhr bin ich oben. Während es morgens noch bewölkt war, verziehen sich die Wolken über den Mittag hinweg vollständig. Auf der Passhöhe gibt es ein großes Restaurationsgebäude. Ich fahre aber nach dem Passfoto zügig nach Bayárcal hinab. Kurz hinter der Passhöhe gibt es einige Grillplätze. Man durchfährt quasi eine Wiese mit einem Bach, in dem doch tatsächlich Wasser fließt. Kühe mit Glocken um den Hals erinnern ein wenig an bestimmte Alpenregionen. Hinter Bayárcal gibt es noch zwei drei kleiner Anstiege zwischen 50 und 70 Höhenmetern bevor man die Orte Paterna Del Rio sowie Láujar de Andarax durchfährt. Der Campingplatz „Camping Municipal“ in Fondon hat zwar für Zelte nur einen sandigen Felsuntergrund, aber ebenfalls einen schönen Pool mit für hiesige Verhältnisse gut erhaltener Liegewiese, die sichtbar regelmäßig gewässert wird.

Schnell geduscht und ab in den Pool, Tagebuch schreiben auf der Liegewiese, so verläuft der ruhige Nachmittag. Ein richtiges Restaurant haben sie hier nicht. Einige Trennwände trennen die Räumlichkeiten der Bar vom Tischbereich des Restaurants. Aufgrund dessen ist es ziemlich laut beim Essen. Der Preis, 6,- Euro für die Nacht,  liegt an der untersten Grenze der Campingplatzgebühren in Spanien. Langsam machen sich Gedanken hinsichtlich der Heimreise breit. Morgen der letzte eigentliche Radfahrtag zurück nach Roquetas de Mar.

 

 

 


 

 Von Fondon nach Roquetas de Mar

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
05.07.2005 67 466 900 8.540 Ferienwohung in Roquetas de Mar

 

Um 08:00 Uhr ist auf dem Campingplatz in Fondon noch keine Menschenseele zu sehen.

Das große Tor ist noch geschlossen und so kommen mir Bedenken, den Platz um diese Uhrzeit überhaupt verlassen zu können. Aber „No Problem“, es gibt eine kleine Tür, die geöffnet ist. Die Straße über Almócita, Padules, Canjáyar sowie Instinction wurde in den letzten Jahren breit ausgebaut und besitzt einen Hauptstraßencharakter. Bei einer nochmaligen Planung würde ich dieses Stück vermeiden wollen. Zuviel Autos und leicht welliges ständiges auf und ab sind mir in Erinnerung geblieben. In Instinction verlasse ich die Strasse und kaufe mir Käse und Brot, sowie zwei Dosen Cola. Auf einer Bank im Ort verzehre ich meine Nahrungsmittel und beobachte die Dorfbewohner. Kurz hinter dem Straßenabzweig nach Alicún geht es rechts hinauf in die Berge. Auf der Karte nicht richtig zu erkennen,  ahne ich noch nicht, dass ich von ca. 400 m Höhe noch wieder bis auf eine Höhe von 1030 m hinauffahren muss. Eigentlich eine Passstraße, aber namenlos. Von den Steigungsprozenten eher im unteren Bereich angesiedelt (ca. 6 %) schraube ich mich die Höhenmeter hinauf, ohne auch nur einmal in den kleinsten Gang (24/30) wechseln zu müssen. Die Landschaft besteht überwiegend aus Strauchwerk auf felsigem einfarbigem Gestein. Oben auf der Passhöhe steht ein nicht mehr genutztes Gebäude. Direkt daneben eine Stichstraße, die noch zur Bergspitze führt. Von unten zu sehen sind die oben auf dem Berg stehenden Windräder zur Stromgewinnung.

Die Abfahrt in Richtung Roquetas de Mar genieße ich. Rund 470 km bin ich in den letzten paar Tagen gefahren. Mit der heutigen Strecke und der Fahrt zum Flugplatz werde ich die 500 km-Marke überschreiten. Tief unten ist bereits wieder der riesige „Gewächshausurwald“ zu sehen,  durch den ich bereits am ersten Tag gefahren bin. Im Hintergrund die riesigen Hotelkomplexe von Roquetas de Mar. Kaum zu glauben, wie viel hier in den letzten Jahren gebaut wurde. Im unteren Teil der Abfahrt verlasse ich plötzlich meinen GPS-Track, weil die Straße aufgrund eines im Bau befindlichen riesigen Ferienanlagenprojektes einfach tiefer verlegt wurde. Eine riesige Baustelle kommt in mein Blickfeld. Meine Gedanken, schnell wieder in die Berge. Aber das geht nicht, morgen geht es Heim. Bereits um 13:30 Uhr erreiche ich den Club Tropicana, so dass ich den Nachmittag noch am Pool verbringen kann. Auch am letzten eigentlichen Fahrtag haben sich noch 900 Höhenmeter aufaddiert.

 

 

 


 

 Heimreise und Nachbetrachtung

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
06.07.2005 36 502 60 8.600 keine, da Rückflug

 

Die Heimreise erfolgte am 06.07.05 vollkommen unproblematisch. Mit dem Fahrrad nachmittags am Strand entlang bis Aquadulce, dann entlang der Küstenstrasse wie auf dem Hinweg, um am frühen Nachmittag den Flugplatz in Almeria zu erreichen. Das Fahrrad umgebaut und die Taschen im großen Packsack verstaut, stand ich pünktlich um 17:30 Uhr an der Gepäckaufgabe.  Der Abflug erfolgte ebenso pünktlich, auch bei der  Ankunft in Düsseldorf gab es keine Probleme. Alle Gepäckstücke erschienen auf dem Förderband und mein Fahrrad wurde mir persönlich am Schalter für Sondergepäck einwandfrei übergeben. Die Radtour insgesamt war ein großes Erlebnis. Sicherlich war die Befahrung des Pico Veleta von der Südseite aus das eigentliche Highlight dieser Tour. Die Landschaft fand ich persönlich etwas zu karg und trocken. Vielleicht liegt es aber auch nur an der Jahreszeit. Die Ebene um Roquetas de Mar würde ich bei einer theoretisch neuen Planung nicht mehr in die Routenführung einplanen, ebenso die oben beschriebene Straßenführung von Fondon aus. Granada hatte ich bewusst nicht mit eingeplant, weil ich vor einigen Jahren diese Stadt bereits zweimal besucht habe. Für jeden anderen Radler mit Sicherheit ein absolutes Muss.