Hinauf zum "höchsten" Alpenpass (Cime de la Bonette / 2.802 m)

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
27.07.2004 84 304 1.622 7.600 Camping Le Plan de Barcelonette

 

Ich hatte unsere 16 jährigen Mitfahrer schon vorgewarnt, der morgige Tag wird lang. Wir sollten früh starten, um nicht zu sehr in Zeitdruck zu geraten. Wir schaffen es doch tatsächlich um 08:30 Uhr auf dem Fahrrad zu sitzen, wir müssen zunächst nach Jausier in den Ort hinein, weil wir unbedingt Geld ziehen müssen. Im Ort finden wir an der Post auch den gewünschten Automaten. Während wir im Ort einkaufen, treffen wir auf eine Radlergruppe, die über den Col de Vars fahren wollen. Wir unterhalten uns nur kurz, weil wir alle weiterfahren wollen. Danach das Foto am Straßenabzweig zum Bonnette.

Die links sichtbare große Villa ist den Erwachsenen noch von 1998 in Erinnerung. Damals wurde im Reiseführer nach einer Erklärung gesucht, die auch gefunden wurde Vor einigen Jahrzehnten sind einige Franzosen nach Mexiko ausgewandert, sind dort zu Reichtum gekommen und anschließend nach Jausier zurückgekehrt. Den nachfolgenden Generationen haben sie dann ihre Villen hinterlassen. Vorbei an einem kleinen Ort mit einem außerhalb gelegenen Friedhof kurbeln wir uns in der ersten Stunde ca. 350 Höhenmeter hinauf.

Absolut ruhig, kein Auto weit und breit, geht es hinauf bis zur Restauration HALTE 2000. Schon 1998 haben wir hier eine Pause eingelegt und etwas getrunken. In den letzten 6 Jahren hat sich im Innern der Restauration nichts verändert. Die alte Holzbestuhlung, die Geschirrtruhe, alles an seinem alten Platz. Die Kehren bis zum Hochtal sind relativ schnell geschafft, nach ca. 1000 Höhenmeter legen wir dort unsere größere Pause ein. Wir fotografieren viel, zu idyllisch ist unser Pausenplatz.

Danach hat die Strecke es allerdings noch ziemlich in sich. Steil geht es hinauf in Richtung der alten Militärkasematten. Die Militärkasematten liegen in etwa auf 2600 m Höhe. Die Luft wird für uns merklich dünner. So langsam sehnen wir uns den Blick auf den Bonnette herbei. Ich weis aber, dass er erst sehr spät zu sehen ist. Die Militärkasematten haben heute keine Bedeutung mehr, teilweise sind sie ohne Dach und werden auch nicht mehr unterhalten. Eine große Anzeigetafel weist auf die frühere Bedeutung hin. Die Soldaten müssen schon ziemlich hart im Nehmen gewesen sein, wenn sie hier oben den Winter verbracht haben.

Kurze Zeit später der absolute Motivationsschub, wir haben den ersten Blick auf den „Geröllkegel“ Cime de la Bonette“. Ich konnte 1998 schon nicht verstehen, warum man die Straße noch um den Geröllkegel des Cime de la Bonette herum gebaut hat. Nur um höher zu sein als der Col d’Iseran? Schließlich kann man doch vom Restefond de Bonnette aus bereits nach Nizza hinabfahren.

Die Hinweistafel am Restefond, die ich 1998 noch fotografiert habe, gibt es nicht mehr. Ein kurzes Stück vorher hatte ich unsere 16-jährigen Begleiter schon gewarnt. Teilt euch die Kräfte ein. Das letzte Stück der Fahrstrecke ist das Härteste. Um die 15% zieht sich der letzte Kilometer bis hinter den Geröllkegel hinauf. Ganz langsam immer gleichmäßig kurbeln (drücken) wir uns hinauf. Jetzt bloß kein Kettenriss denke ich noch, man würde sofort auf die Seite fallen, weil das Fahrrad sofort keine Geschwindigkeit mehr besitzt. Willem ist als erster oben, ich folge ihm, dann Felix und Burkhardt. Wir haben es alle geschafft. 2802m hoch stehen wir vor dem uns so bekannten Gedenkstein. Die 16-jährigen sind sichtlich und zu Recht stolz. Wer fährt schon mit 16 Jahren auf den höchsten Alpenpass und dazu noch mit 30 kg Gepäck?

Die Holzhütte, die oben am Bonette 1998 noch stand, gibt es nicht mehr. Keine Möglichkeit sich einen Kaffee oder sonstiges zu trinken. Wir halten uns deshalb auch nicht lange oben auf und fahren das kurze Stück zurück bis zu dem Straßenabzweig nach Bayasse. Bei der Straßenführung nach Bayasse handelt es sich um eine Schotterstrecker die unterhalb des Bonette in westlicher Richtung zum Col de Cayolle führt. Wir wollen allerdings nicht zum Col de Cayolle, sondern von Bayasse aus durch die Gorges de Bachelard hinab nach Barcellonette, unserem heutigen Zielort. Da ich die Routenführung in meinem GPS-Empfänger gespeichert habe, können wir den Abzweig nicht verpassen. Er zeigt mit einer Abweichung von 6 m unsere genaue Position an. Am Anfang sieht die Strecke noch einigermaßen passabel aus, sie wechselt dann aber ziemlich schnell in einen katastrophalen Zustand über, der schon ein wenig mürbe macht. Man muss ständig aufpassen, nicht zu stürzen.

Nach ca. 10 km Rütteltour und vom Bremsen schmerzenden Händen erreichen wir Bayasse und unsere Routenführung von 2002. Die Strecke durch die Gorges de Bachelard sind wir damals hinaufgefahren zum Col de Cayolle (siehe Bericht 2002). In der Restauration in Bayasse legen wir eine größere Pause ein. Es handelt sich eher um eine große Hütte eines Wandervereins. Überall liegen Prospekte über den Nationalparc Mercantour aus. Ein Prospekt der originalen „Routes des Grandes Alpes“ stecke ich mir für zu Hause ein.

Die Abfahrt durch die Gorges de Bachelard können wir aufgrund der fortgeschrittenen Zeit nur noch zum Teil genießen. Es ist zwar noch hell, die Sonne scheint aber nicht mehr tief genug in die Schlucht hinein, um die entsprechende optische Wirkung in der Schlucht zu erzielen. Wir haben auch alle Hunger und fahren zügig bis zum Campingplatz durch. Um 19:00 Uhr erreichen wir ihn, also noch rechtzeitig um den Abend im Restaurant zu genießen.

WAS FÜR EIN TAG ???