Kein Frost am Col d´Iseran

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
12.07.2003 83 599 1.489 14.347 Camping Les Versoyen

 

Beim Blick aus dem Zelt schlägt meine Gefühlswelt Purzelbäume. Es scheint doch tatsächlich möglich zu sein, den Col d’Iseran bei gutem Wetter zu überfahren (siehe Bericht 1998 bei 0 Grad). Meine Zeltnachbarn (Motorradfahrer) hinter mir schlafen noch. Einer wird gerade wach. Es ist der, der sich am gestrigen Abend bereits für meine Radtour interessiert hatte. Er erzählt mir, dass er früher auch Rennrad gefahren ist. Seitdem er Motorrad fährt, wäre das vorbei. Irgendwie habe ich das Gefühl das er es bedauert. Etwa zwei Stunden benötige ich für die 20 km und etwa 500 Höhenmeter bis Bonneval sur Arc. In der Touristikinformation direkt am Anstieg zum Col d’ Iseran stand ich 1998 und konnte meinen Körper vor lauter Zittern kaum mehr wahrnehmen. Kein Vergleich mit heute.

Die Straßenführung bis zu den ersten zwei Kehren zieht sich lang hin. Bis zur zweiten Kehre sind bereits 300 Höhenmeter überwunden. Während man nochmals einen Blick auf Bonneval sur Arc hat, schwenkt die Straße nach links in ein Hochtal hinein, wobei rechts ein kleinen Fluss zu sehen ist.

Zwei drei Kehren weiter, etwas 2 km hinter der unter mir liegenden Flussbrücke bemerke ich einen Opel Zafira, der mir entgegen kommt und anhält. Zunächst bin ich etwas irritiert, weil zwei Männer direkt auf mich zugelaufen kommen, aber die beiden schauen mich so herzlich an, dass ich anhalte. Es stellt sich heraus, das beide aus Deutschland kommen und vor einigen Jahren auf einer ähnlichen Route mit dem Fahrrad unterwegs waren. Wir unterhalten uns bestimmt eine halbe Stunde lang über alle möglichen Erlebnisse und Routenführungen, während ihre Frauen uns zuhören. Ihr eigentliches Ziel ist Alpes de Huez, sie wollen sich die Tour de France Etappe ansehen. Es ist schon interessant welche Seelenverwandtschaften es doch gibt. Wir tauschen unsere Email-Adressen aus  und haben auch später noch regen Kontakt. Von unten kaum zu sehen, durchfährt man einen kleinen Tunnel, um anschließend die letzen Kehren zu bewältigen. Rechts und links einige Schneereste. 

Ich habe es geschafft !!!! Zum zweiten mal auf dem Col d’Iseran, 2770 m hoch und das bei 20 Grad und nicht bei 0 Grad und Regen wie 1998. Oben entwickeln sich einige Gespräche mit Rennradfahrern und einem Deutschen, der ungefähr auf der Route unterwegs ist, die wir 1998 gefahren sind.

Danach geht es bei weiterhin strahlendem Sonnenschein hinab in Richtung Val d’Isere. Etwa 200-300 Höhenmeter tiefer gibt es einen Aussichtspunkt, von dem aus man das vollständige Iseran-Tal von Val d’Isere bis zur Brücke Pont St. Charles überblicken kann. In Val d´Isere setze ich mich erst einmal hin und lege eine kleine Pause ein. Nicht mehr richtig in Erinnerung stelle ich bei einem Besuch der Toilette fest, das es sich um dieselbe Restauration handelt, in der wir 1998 eingekehrt sind. Für den Fall, dass jemand Zeitinformationen benötigt hier die entsprechenden Daten. Die Passhöhe habe ich um 12:45 Uhr erreicht, Val d’Isere um, ca. 14:15 Uhr und Bourg St. Maurice meinen Zielort um 16:00 Uhr.