Vorbemerkung

 Zeitraum

 Σ Distanz

 Σ Höhenmeter

Track

 04.07.2003 - 20.07.2003

 1.134 km

 22.350 Hm

 

Was machen Alpinradler, wenn keiner der Freunde Zeit findet um eine Tour über 2 Wochen mit zu fahren? Sie fahren einen Teil über 800 km von Nizza aus zum Genfer See alleine und treffen sich nach der ersten Teilstrecke in den Vogesen mit Freunden um noch über 300 km durch die Vogesen zu radeln.

Die Planung stand bereits im Winter 2002/2003 fest. Bei der Fluggesellschaft Germanwings wurde der Flug nach Nizza gebucht, die Strecke von Lausanne aus mit dem Zug nach Kruth einem kleinen Ort in den Vogesen erkundet und die Herberge in Kruth für mich und meine Freunde gebucht. Danach die Feinplanung der bereits dritten Alpenüberquerung auf einer anderen Routenführung als 1998 und 2002 und die Auswahl der Tagesetappen in den Vogesen.

 

km,

 


 

 Start in Nizza

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
04.07.2003 25 25 440 440 Camping La Laune

 

Etwas komisch war mir am Freitag den 04.07.2003 beim Start schon zu Mute. Zum ersten Mal in meinem Leben sollte ich über ein Woche alleine unterwegs sein. Nachträglich betrachtet eine der schönsten Touren, die ich je gefahren bin. Vollkommen zeitlich ungebunden, die absolute Ruhe die ich genossen habe, auch die zuvor befürchtete Langeweile kam absolut nicht auf. Kontakte gab es unterwegs genug, Radler tauschen sich halt unterwegs über ihre Erlebnisse aus.

So sitze ich also um 11:15 Uhr in Köln im Flugzeug, das Fahrrad ist bereits verstaut, und warte darauf, das dass Flugzeug abhebt. Etwas mehr als eine Stunde dauert der Flug. Bereits um 13:00 Uhr habe mich mein gesamtes Gepäck in Nizza empfangen. Kurz den Lenker gedreht, die Packtaschen befestigt und schon fahre ich entlang der Promenade des Anglais am Strand entlang zur Altstadt von Nizza.

Zeit habe ich an diesem Nachmittag genug. Schließlich muss ich am ersten Tag nur die 25 km bis Peillon zum Campingplatz fahren. Es geht zwar knapp 400 m hinauf, aber die Fahrt dürfte kaum länger als 1 ½ Stunden dauern. So bummele ich erst einmal gemütlich durch die Altstadt von Nizza und kaufe etwas Verpflegung ein. Ich habe eine super Laune, wie kann es anders sein bei der traumhaften Wetterlage und der Tatsache, dass der Start schon einmal als gelungen betrachtet werden kann.

Den Hitzekessel von Nizza verlasse ich anschließend ziemlich zügig in Richtung La Trinite’. Dort lässt der Pkw-Verkehr schlagartig nach, spätestens auf der D21 in Richtung Peillon überholt mich kaum noch ein Auto. Unterwegs muß ich noch einmal anhalten, weil mein Tacho ausgefallen ist. Ich habe aber Ersatzbatterien mit, so dass der Schaden schnell behoben ist. Der Campingplatz in Peillon ist nicht sehr groß. Für mein kleines Tunnelzelt findet sich aber fast immer ein Plätzchen.

Bereits um 16:30 Uhr habe ich das Zelt aufgebaut, es bleibt also noch genügend Zeit einen kleinen Ausflug zu unternehmen. Der Campingplatz liegt 200 m unterhalb des Ortes Peillon. Die 200 Höhenmeter fahre ich noch hinauf, um mir den Ort näher anzusehen. Evtl lassen sich dort auch noch Einkäufe tätigen. Meine Einkäufe muß ich in La Grave tätigen. Bis dort hin sind es lediglich nur 4km. Wieder am Campingplatz angekommen, genieße ich die Ruhe und schaue den Kindern nebenan beim Federballspielen zu.

 

 


 

 Auf zum Co de Turini

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
05.07.2003 68 93 1.971 2.411 Camping Les Champouns

 

Bereits um 06:30 Uhr (05.07.03) werde ich wach. Ich genieße die Morgenfrische und packe meine Sachen zusammen. Kaffee zu kochen ist mir leider noch nicht möglich, weil mir das Campinggas noch fehlt. Im Flugzeug durfte ich natürlich keine Gaskartusche mitnehmen und kaufen konnte ich bisher auch noch keine. Vor L'Escarène durchfahre ich einen Steinbruch (kurzer roter Strich in der Michelinkarte), glücklicherweise sind beide Tore auf, einen anderen Weg gibt es auch nicht.

Was in L'Escarène nicht klappt, gelingt mir in einem kleinen Laden in Luceram. Auf meine Anfrage nach einer kleinen Gaskartusche verschwindet Madam für 2 bis 3 Minuten hinter einem Vorhang und kommt strahlend mit 2 Kartuschen in der Hand in das kleine Lädchen zurück. Schon ist das Problem gelöst. Hinter Luceram fahre ich an einem Autowrack vorbei. Wie mir scheint steht es schon länger dort. Ob das eine neue Form der Autoentsorgung ist? Der Straßenverlauf zum Col de Turini ist zwischen Luceram und Peïra-Cava am schönsten. Eng übereinander liegende Kehren, die schon auf der Karte zu erkennen sind. 

Am Col de Turini wird erst einmal ein Süppchen gekocht. Ein Passschild gibt es hier oben nicht. Über La Bollène-Vésubie geht es steil hinab zur D2565. In Richtung Roquebillière geht es dann wieder hinauf, bis Saint-Martin-Vésubie sind noch über 400 Höhenmeter zu bewältigen, allerdings mit mäßiger Steigung. Der kleine stark terassierte Campingplatz liegt an der Straße nach Venanson.

Mir gefällt es gut, so früh gestartet zu sein. Es bleibt einfach mehr Zeit unterwegs um die Landschaft zu genießen. Um 16:00 Uhr steht das Zelt bereits. Anschließend bummele ich durch die Altstadtgässchen von Saint-Martin-Vésubie. Am frühen Abend sitze ich draußen in einem Restaurant und schreibe einige Zeilen in mein Tagebuch. Die Bilanz des Tages, „lockere“ 1700 Höhenmeter und 68 Kilometer mit 30 kg Gepäck. Wieder am Zelt angekommen, lege ich mich auf meine Matte vor dem Zelt und schlafe auch prompt für eine Stunde ein. Erst als es kühler wird, werde ich wach und krieche ins Zelt.

 

 


 

 Durch den "Parc National du Mercantour"

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
06.07.2003 95 188 2.228 4.639 Camping Le Prieure

 

Mit Blick auf die Planung steht heute ein gewaltiges Programm an, drei relativ unbekannte Pässe, die jedoch in ihrer Straßenführung einmalig sind. Der Col St. Martin (1500 m), der Col de Couillole (1678 m) sowie der Croix de Valberg (1673 m). Alles in allem 2228 Höhenmeter und 95 Kilometer. In Anbetracht des Tagespensums ist es nachvollziehbar, dass ich bereits um 07:15 Uhr auf dem Fahrrad sitze. Die Wasserflaschen gefüllt, geht es zügig hinauf zum Col St. Martin.

Bereits um 09:00 Uhr Morgen ist die Passhöhe erreicht. Oben in einer Restauration werde ich, man spricht tatsächlich deutsch, über meine weitere Route befragt. Auf der Abfahrt immer wieder Ausblicke tief hinein in das Tinee-Tal, durch das wir 1998 nach Nizza hinab gefahren sind. In Saint-Sauveur-sur-Tinée wird zum zweiten Mal gefrühstückt und eingekauft. Wasser habe ich noch genug, aber ein Baguette und etwas Käse für unterwegs müssen schon sein.Die Streckenführung, die nun kommt ist ziemlich spektakulär. Durch einen langgezogenen Felskessel mit vielen Kehren zieht sich die Straße in Richtung Roubion hinauf. Der Ort ist schon 600 m tiefer oben am Fels zu erkennen.

Ab Roubion sind es noch ca. 300 Höhenmeter bis zur Passhöhe. So eilig habe ich es aber nicht. Eine kleine Pause gönne ich mir. In der Restauration in Roubion beginnt der Wirt mit mir ein Gespräch. Er stammt aus dem Elsaß und spricht fast wie selbstverständlich sofort in deutscher Sprache. Wo ich denn herkomme, wohin ich noch hinfahre, wo er früher gewohnt hat usw., halt das übliche lockere Gespräch. Danach fahre ich zügig zum Col de Couillole hinauf. Die 1700 Hm merke ich in den Beinen schon, deshalb bin ich froh, bereits um 14:00 Uhr oben anzukommen. Zeit habe ich  aufgrund des frühen Starts heute genug.

Der Croix de Valberg ist mit einem „normalen“ Paß nicht zu vergleichen. Üblicherweise findet man auf den Pässen in der Regel eine Restauration, am Valberg Rummel pur. Die Restaurationen und Bars reihen sich aneinander, eher ein Skiort als ein Pass. In der Mitte des Ortes befindet sich eine überdachte Stelle mit Bänken. Hier wird erst einmal eine Suppe gekocht. Danach geht es mir schon viel besser.

Nach der Abfahrt bis Guillaumes geht es noch etwa 200 Meter hinauf bis nach Saint-Martin-d'Entraunes. Die Strecke zieht sich allerdings ziemlich hin, vielleicht liegt es auch an der bei mir langsam aufkommenden Müdigkeit. Der Campingplatz „Le Prieure“ liegt etwas abseits vom Ort, man muss frühzeitig rechts von der Straße abbiegen, um dann noch etwa 40 Höhenmeter hinauf zu fahren. Der Platz hat mir allerdings gut gefallen. Da ich bereit um 17:30 Uhr ankomme, habe ich auch noch Zeit, in den kleinen Pool zu springen. Na ja, über 2200 Höhenmeter und 95 km waren das heute.

 

 


 

 Über den Col de Champs zur alten Festung in Colmars

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
07.07.2003 33 221 995 5.634 Camping Le Haute Verdon

 

Um 08:10 Uhr geht es bereits los. Bis zur Ortsmitte von Saint-Martin-d'Entraunes ist es auch nur ein kurzes Stück. Die Bäckerei hat noch nicht auf, deshalb nutze ich die Zeit um mich mit Sonnencreme einzuölen. Wie wenn der Bäcker mein Bedürfnis nach einem Baguette geahnt hat, er macht die Bäckerei gerade auf. Das Baguette ,der Käse und die 2 Wasserflaschen werden im Gepäck verstaut und schon geht es in Richtung Col des Champs. Den Abzweig zum Col des Champs findet man leicht, verfahren kann man sich mit Sicherheit nicht.

Geradeaus geht es zum Col de la Cayolle. Über diese Strasse sind wir noch im Jahr zuvor vom Col de la Cayolle nach Saint-Martin-d'Entraunes hinabgefahren. Die gut 2250 Hm vom Vortag merke ich mächtig in den Beinen. Ich ahne, dass es mir an diesem Tag etwas schwerer fallen wird, aber noch läuft alles prima. Unzählige Kehren kurbele ich mich hinauf, bis ich in 1650 m Höhe eine Restauration erreiche. Für die kleine Oranginaflasche nehmen sie mir doch tatsächlich 2,50 Euro ab.

Die letzten 300 Höhenmeter muss ich vollkommen in der Sonne fahren. Um 11:30 Uhr ist die Passhöhe bereits erreicht. Froh oben angekommen zu sein, wird erst einmal eine Pause eingelegt. Die Abfahrt ist teilweise aufgrund des schlechten Straßenbelags nicht ungefährlich, landschaftlich aber wunderschön. Eine ganz schmale enge Straße windet sich bei einer Breite, die für 2 Pkw nicht ausreichen dürfte hinab nach Colmars. Der Weg wird teilweise durch hohe Gräser eingerahmt. Etwas weiter kann man von oben bereits die alte Festung und die Stadtmauern von Colmars erkennen.

Der Campingplatz, den ich ausgesucht habe liegt ca. 4 Km südlich von Colmars in Villars Colmars. Ich finde ihn sofort. Super, es ist erst 15:00 Uhr. Den Nachmittag nutze ich, um etwas auszuspannen und im Pool zu baden. Am Pool schreibe ich auch die ersten Zeilen in mein Tagebuch. Der Platz liegt direkt am Verdon, klar dass auch dort noch einmal gebadet wird.

Den Abend verbringe ich im Campingplatzrestaurant. Um ca. 18:00 Uhr wird urplötzlich eine vollständige Musikanlage aufgebaut. Draußen vor dem Restaurant füllen sich die Plätze und für mich vollkommen überraschend werden Pizzastückchen verteilt und Gläser Rose eingeschenkt. Danach werden über das Mikrofon Fragen in die Runde gestellt. Wer sie am schnellsten richtig beantwortet bekommt ein kleine Karte. Der Sieger erhält zum Schluss einen Essensgutschein.

 

 

 

 


 

 Gewalttour über den Col d´Allos sowie Col de Vars

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
08.07.2003 98 319 2.015 7.649 Camping La Rochette

 

Der freie Nachmittag gestern hat richtig gut getan. Ich spüre wieder genügend Kräfte, um den nächsten Pass in Angriff zu nehmen. Mal schauen was der heutige Tag so bringt. In Colmars wird erst einmal eingekauft um anschließend im alten Ort unterhalb des Chateaus zu frühstücken.

Danach die Weiterfahrt bis Allos. In Allos treffe ich ein älteres englisches Radlerpärchen. Er fährt mit einem Bob-Anhänger. Ein Gespräch entwickelt sich über die Vorzüge einer Fahrt mit Hänger und über unsere weitere Routenführung. Sie wollen zwar auch den Col de Allos hinauf, sind aber anscheinend wesentlich langsamer unterwegs. Leider treffe ich sie auch auf der Passhöhe nicht wieder.

Hinter dem Skiort „Foux de Allos“ beginnen die eigentlichen Kehren. Mit noch angenehmer Steigung geht es zwischen einzelnen Bäumen hindurch bis zu einer Stelle, von der aus man die letzten Kehren bis zur Passhöhe sehen kann. Mein Blick zurück fällt immer auf ein altes verfallenes großes Gebäude, wohl ein altes Hotel, einige Stockwerke hoch und anscheinend zum Abriss freigegeben. Bereits um 11:20 Uhr ist die Passhöhe erreicht.

Hier oben treffe ich die grundsätzliche Entscheidung, in Barcellonette nicht auf den Campingplatz zu gehen, sondern an diesem Tag auch noch über den Col de Vars zu fahren. Nach meiner Hochrechnung müsste ich diesen bis 17:00 Uhr geschafft haben. Die Abfahrt vom Col d’ Allos ist sehr schön. Auf dem letzten Stück kann man von oben hinab in die Gorges de Bachelard und auf die Straßenführung schauen, über die wir noch ein Jahr zuvor den Col de Cayolle hinaufgefahren sind.

Nun aber hinauf zum Col de Vars. Über Barcellonette und Jausier zum Fort de Tornoux nimmt man die geringe Steigung kaum war. Auch das erste Stück läßt sich noch gut befahren. Die letzen 500 Hm müssen allerdings mit fast konstanten 10-11% hinaufgefahren werden. Nach meinem Tagespensum schmerzt das schon etwas. Um 15:55 Uhr bin ich doch tatsächlich schon oben. Nach einigen Fotos komme ich in ein Gespräch mit zwei jungen Deutschen. Sie sind mit den Rennrädern unterwegs und haben ihre Unterkunft in Briancon. Von dort aus unternehmen sie Sternfahrten. Kurz hinter der Passhöhe lege ich am Refugium Napoleon noch eine kleine Pause ein.

Danach geht es aber zügig hinab nach Guillestre. Sonst wird es mir zu spät. Bei der Ankunft am Campingplatz staune ich nicht schlecht. Mein Tacho zeigt für heute eine Fahrstrecke von 100 km und 2015 Höhenmeter an. Abends am Zelt beobachte ich ein Motorradfahrerpärchen. Es amüsiert mich, wie dämlich man sich beim Zelt aufbauen anstellen kann (Schande über mein Haupt !!).

 

 

 

 


 

 Auf zur italienischen Grenze am Col d´Agnel

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
09.07.2003 66 385 1.826 9.475 Camping Municipale

 

Ich genieße jeden Morgen die Ruhe, wenn ich bereits um ca.07:00 Uhr aufstehe. Das Zelt ist meisten schnell abgebaut und so verlasse ich auch am 09.07.03 bereits um 08:00 Uhr den Campingplatz. Wie gewohnt erfolgt zunächst der morgentliche Einkauf, um für die Fahrt genügend Nahrungsmittel mitzuführen. Heute ist die Tageeinteilung etwas ungewöhnlich. Die Fahrt geht durch die Gorges de Guil mit mäßiger Steigung hinauf bis zum Chateau Queyras.

Die Strecke sind wir bereits 1998 und 2002 in umgekehrter Richtung gefahren. Hinter dem Chateau de Queyras gibt es in etwa 1 km Entfernung einen Campingplatz, den ich direkt anfahre. Den Col d’Agnel befahre ich ohne Gepäck, weil meine weitere Route nach Norden führt und ich die Anstiegstrecke auch wieder zurückfahren muss. Das Zelt wird in Ruhe aufgebaut, eine Tasche mit einem warmen und einem frischen Trikot gepackt und schon geht es um 10:30 Uhr los in Richtung Col d’ Agnel. Der Col d’Agnel liegt ungefähr 1350 m höher als mein Startort am Campingplatz. Also genug, um sich ordentlich „warm zu fahren“. Wenig Kehren, ein langgezogenes Tal und die von der italienischen Seite aus hochziehenden schwarzen Regenwolken sind mir in Erinnerung geblieben. Sie kommen aber nicht über den Kamm, so dass ich keinen Regen abbekomme. In einer kleinen Ortschaft lege ich eine Pause ein und trinke eine Orangina. Auf den ersten Kilometern sieht man die „Le Demoiselle Coiffée, eine erodierte Felsnadel, die in fast jedem Reiseführer der Region erwähnt wird. Während ich die Strecke hinaufkurbele, überholen mich hin und wieder einige Rennradfahrer. Es handelt sich um eine organisierte Tour eines Reiseveranstalters.

Oben auf der Passhöhe zeigt mir der Reiseveranstalter stolz die gesamte ausgearbeitete Strecke über einige Alpenpässe. Netterweise werde ich oben auch eingeladen, bedenkenlos in die Bananenkiste zu greifen. Die Rennradfahrer, die nach mir oben ankommen werden sofort in den Kleinlastwagen gelenkt. Dort können sie sich windgeschützt umkleiden. Die Passhöhe habe ich um 14:30 Uhr erreicht, 4 Std für die 1350 Hm sind nicht sehr schnell, aber enthalten sind ja auch die vielen Fotopausen. Nach Italien hinunter zu fahren wäre jetzt ohnehin zwecklos. Die Wetterlage auf der anderen Seite ist alles andere als ermutigend.

Aufgrund der wenigen Kehren erreiche ich nach einer Stunde bereits wieder den Campingplatz. Den Abend verbringe ich im Campingplatzrestaurant immer mit Blick auf das beleuchtet Chateau Queyras. Einige Franzosen haben mitbekommen, dass ich mit dem Fahrrad unterwegs bin und befragen mich nach meiner weiteren Route. Der Restaurantbesitzer übersetzt meine englischen Erläuterungen und bricht immer wieder in Begeisterung aus. Er ist so angetan von unserem Gepräch, dass er mir einen Teller Oliven und geschnittene Mettwurst serviert und alles kostenlos. Ich habe viel Spaß an dem Abend.

Die Nacht über regnet es etwas, so dass ich schon die schlimmsten Befürchtungen bezüglich des nächsten Tages hege.

 

 

 


 

 Hitzewelle am Col d´Izoard

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
10.07.2003 91 476 1.783 11.258 Hotel Napoleon in Susa

 

Wer hätte das am gestrigen Abend gedacht, heute Morgen keine Wolke am Himmel. Bereits um 07:00 Uhr ist es mir zu warm im Zelt. Die Straße in Richtung Arvieux kenne ich bereits von unseren Touren im Jahr 1998 und 2002. In diesem Jahr befahre ich sie allerdings von Süd nach Nord, also in umgekehrter Richtung. Es ist schon faszinierend den Col d’ Izoard zum dritten Mal in Angriff zu nehmen. In ein paar Tagen führt hier die Tour de France durch. Kurz vor Arvieux sehe ich links im Feld aufeinander gestapelte Strohballen, verziert mit einigen alten Fahrrädern. So drücken die Franzosen ihre Begeisterung für die Tour de France aus.

In den ersten Kehren hinter Brunissard (links Camping Plan Lachat) werde ich von einigen deutschen Rennradfahrern aus Rosenheim überholt. Sie haben als Begleitfahrzeug einen Mercedes Sprinter dabei. Wieder atemberaubend schön präsentiert sich die Casse Deserte bei strahlendem Sonnenschein, allerdings enorm heiß. Auch am Refugium Napoleon, kurz hinter der Passhöhe auf der Nordseite keine Wolke zu sehen. Ich erinnere mich an die Auffahrt im Regen im letzten Jahr. Auf der Passhöhe wollen einige Rennradfahrer mein Fahrrad anheben, so fasziniert sind sie von dem Gepäck.

Am Refugium Napoleon trinke ich mir erst mal eine Orangina, irgendwann ist man das Wasser leid. Da es erst 11:45 Uhr ist, treffe ich dort die Entscheidung, auch noch über den Col du Montgenevre zu fahren. Auf der Abfahrt wieder schön anzusehen, der kleine Ort Le Laus mit seinem kleinen Bach, der langsam durch die grüne Wiese fließt. In Cervieres verspüre ich Hunger. Die Pause findet natürlich an unserer alten Picknickstelle mit dem hölzernen Brunnen statt. Den Käse hatte ich schon in Arvieux vor dem Col d’Izoard gekauft.

Aufgrund der danach nur noch wenigen Kehren, geht es zügig hinab nach Briancon. In der Stadt ist es ziemlich nervig wegen des Pkw-Verkehrs. Den Straßenschildern in Richtung Turin und Cite Vauban folgend, fahre ich zügigst hinaus aus dem Ort. Cite Vauban ist die alte Festungsstadt von Briancon, sie liegt etwas höher als die Stadt selber und direkt an meiner Fahrroute. Den Namen Vauban als den Baumeister vieler französischer Festungsanlagen trifft man übrigens in vielen französischen Städten an. Er war wohl einer der besten Baumeister seiner Zeit.

In Richtung Col de Montgenevre wird es zunächst zunehmend ruhiger als in der Stadt. Die Strecke über den Col de Montgenevre hat aber heute noch eine verkehrstechnische Bedeutung um nach Italien zu gelangen. Insofern überholen mich noch einige Pkw und leider auch Lkw. Fahrtechnisch sind die 600 Höhenmeter bei durchschnittlichen 6% relativ leicht zu fahren. Es ist aber wieder so heiß wie am Col d’Izoard, so dass ich mehrere Pausen einlegen muss. Um 14:30 Uhr erreiche ich die Passhöhe. Der Col de Mongenevre gefällt mir allerdings nicht. Viel zu viel Rummel, eher ein großer Skiort.

Ich halte mich oben auf der Passhöhe nicht lange auf, ich habe noch ein langes Stück vor mir. Es geht zwar fast nur bergab, aber eben nur fast. Zwischendurch immer wieder ein paar kleinere Anstiege. Sie summieren sich bis nach Susa meinem heutigen Zielort ab der Passhöhe bis auf 150 Höhenmeter auf.

Um 17:30 Uhr erreiche ich Susa und finde keinen Campingplatz. Ich treffe schnell die Entscheidung, im Hotel Napoleon (65,- Euro) zu übernachten. Den Abend verbringe ich in der Altstadt in einer Trattoria unter einem Arcadengang. Den Insalata Mista und die Pizza, sowie ein kaltes Bier habe ich mir heute verdient. 96 km und „schlappe“ 1783 Höhenmeter waren es heute.

 

 

 

 


 

 Zum Stausee am Col de Mont Cenis

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
11.07.2003 40 516 1.600 12.858 Camping Municipale

 

Im Hotel Napoleon kann ich bereits um 07:00 Uhr frühstücken. Gestern noch ein wenig verärgert über den Hotelpreis von 65,- Euro, genieße ich heute Morgen in Ruhe das Frühstück. Vielleicht lag es an der Hotelübernachtung, genau weis ich es nicht, aber ich finde heute Morgen sehr schnell meinen Fahrrythmus. In der ersten Stunde bereits 500 Höhenmeter. Rein rechnerisch wäre ich dann schon um 12:00 Uhr oben auf der Passhöhe. Aber wozu eilen, wenn ich doch genügend Zeit habe. Ich knipse erst einmal ein paar Fotos vom Rückblick auf Susa.

Auf der Karte nicht zu erkennen, gibt es doch immer wieder eine Möglichkeit sich etwas zu trinken zu kaufen. Je näher der Lac de Mont Cenis kommt, um so spektakulärer wird die Straßenführung. Während die Staumauer bereits kurz hinter dem kaum wahrzunehmenden Grenzübergang bereits zu erkennen ist, türmen sich mehrere Kehren auf. Optisch sieht es fast so aus, wie wenn sie die eigentliche Staumauer darstellen. Etwas abseits der Straße verläuft eine Trasse, einer ehemaligen Schmalspureisenbahn. Ein großes Schild wies bereits vor einem Kilometer darauf hin. Die Rampen vor der Staumauer und die sich am See langziehende Straßenführung sind der schönste Teil der Strecke. Am See entlang fahrend werden natürlich wieder einige Fotos gemacht. Kurz hinter dem See liegt der Col de Mont Cenis. Auch hier eine kleine Bar, vor der ich mich einige Zeit aufhalte.

Danach geht es steil hinab in Richtung Lanslebourg. Ich freue mich schon darauf, diesen Ort einmal bei strahlendem Sonnenschein kennenzulernen (1998 im Regen). Auf halber Strecke hinab entdecke ich eine Panoramatafel mit dem Hinweis auf die tief unten liegenden Orte Lanslebourg und Lanslevillard.

Der Blick ist schon toll. Weiter rechts sieht man die Straßenführung nach Bonneval sur Arc, die zum Col d’Iseran führt. Aber da will ich ja erst Morgen hin. Der Campingplatz befindet sich am westlichen Ortsrand. Die Rezeption ist zwar noch geschlossen weil ich zur Mittagszeit angekommen bin, aber an der Tür hängt ein Zettel mit dem Hinweis darauf, dass sie um 14:15 Uhr wieder besetzt ist. Na ja, die 15 Minuten sollten kein Problem darstellen. Pünktlich erscheint Madame, weist mir zügigst einen Platz zu und stellt mir auch eine Steckdose für mein Handy zur Verfügung. Also alles bestens. In der Ortsmitte habe ich einen tollen Blick auf den Glacier de Vanoise, einen gigantischen Gletscher.

Ich hoffe, dass das Wetter so bleibt, mein Traum den Col d’Iseran einmal bei gutem Wetter hinaufzufahren ginge dann morgen in Erfüllung. Wenn ich an die 0 Grad auf der Passhöhe 1998 denke, friere ich noch heute. Übrigens meine einzige Negativerfahrung seit Jahren in den Alpen. Direkt gegenüber dem Hotel Les Marmottes (Unterkunft 1998 wegen Regen) genehmige ich mir etwas zu essen.

Danach lege ich mich noch vor das Zelt. Das Flussgeräusch, die Kirchenglocken von Lanslebourg und sonst absolut kein Geräusch. Es ist schon toll in den Bergen. Um 20:30 Uhr (immer noch 20 Grad in 1400 m Höhe) kommen ein paar deutsche Motorradfahrer auf den Campingplatz. Die Rezeption (Municipal) ist natürlich nicht mehr besetzt. Da sie kein Zelt dabei haben (großes ?) möchten sie auf dem Stückchen Rasen hinter meinem Zelt auf Isomatten übernachten. Mir ist es egal, das Wetter ist ja o.k. Den Gesprächen zuzuhören ist schon irgendwie interessant. Der eine erzählt seiner Familie über Handy er wäre in Val d’Isere, obwohl zwischen Val d’Isere und Lanslebourg der Col d’Iseran liegt, na ja mir soll es gleich sein. Ein zweiter Motorradfahrer erzählt er wäre über den Col d’Izoard gefahren der noch südlich von Lanslebourg liegt. Irgendwie alles etwas eigenartig, wenn man bedenkt, das sie innerhalb eines Tages von Bayern aus nach Nizza durchfahren wollten, weil dort ihr gemietetes Segelschiff wartet. Mein Tip: Entweder man fährt in Ruhe durch die Alpen und genießt die Landschaft oder man segelt von Nizza aus durchs Mittelmeer, aber bitte nicht beides innerhalb einer Woche.

 

 

 


 

 Kein Frost am Col d´Iseran

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
12.07.2003 83 599 1.489 14.347 Camping Les Versoyen

 

Beim Blick aus dem Zelt schlägt meine Gefühlswelt Purzelbäume. Es scheint doch tatsächlich möglich zu sein, den Col d’Iseran bei gutem Wetter zu überfahren (siehe Bericht 1998 bei 0 Grad). Meine Zeltnachbarn (Motorradfahrer) hinter mir schlafen noch. Einer wird gerade wach. Es ist der, der sich am gestrigen Abend bereits für meine Radtour interessiert hatte. Er erzählt mir, dass er früher auch Rennrad gefahren ist. Seitdem er Motorrad fährt, wäre das vorbei. Irgendwie habe ich das Gefühl das er es bedauert. Etwa zwei Stunden benötige ich für die 20 km und etwa 500 Höhenmeter bis Bonneval sur Arc. In der Touristikinformation direkt am Anstieg zum Col d’ Iseran stand ich 1998 und konnte meinen Körper vor lauter Zittern kaum mehr wahrnehmen. Kein Vergleich mit heute.

Die Straßenführung bis zu den ersten zwei Kehren zieht sich lang hin. Bis zur zweiten Kehre sind bereits 300 Höhenmeter überwunden. Während man nochmals einen Blick auf Bonneval sur Arc hat, schwenkt die Straße nach links in ein Hochtal hinein, wobei rechts ein kleinen Fluss zu sehen ist.

Zwei drei Kehren weiter, etwas 2 km hinter der unter mir liegenden Flussbrücke bemerke ich einen Opel Zafira, der mir entgegen kommt und anhält. Zunächst bin ich etwas irritiert, weil zwei Männer direkt auf mich zugelaufen kommen, aber die beiden schauen mich so herzlich an, dass ich anhalte. Es stellt sich heraus, das beide aus Deutschland kommen und vor einigen Jahren auf einer ähnlichen Route mit dem Fahrrad unterwegs waren. Wir unterhalten uns bestimmt eine halbe Stunde lang über alle möglichen Erlebnisse und Routenführungen, während ihre Frauen uns zuhören. Ihr eigentliches Ziel ist Alpes de Huez, sie wollen sich die Tour de France Etappe ansehen. Es ist schon interessant welche Seelenverwandtschaften es doch gibt. Wir tauschen unsere Email-Adressen aus  und haben auch später noch regen Kontakt. Von unten kaum zu sehen, durchfährt man einen kleinen Tunnel, um anschließend die letzen Kehren zu bewältigen. Rechts und links einige Schneereste. 

Ich habe es geschafft !!!! Zum zweiten mal auf dem Col d’Iseran, 2770 m hoch und das bei 20 Grad und nicht bei 0 Grad und Regen wie 1998. Oben entwickeln sich einige Gespräche mit Rennradfahrern und einem Deutschen, der ungefähr auf der Route unterwegs ist, die wir 1998 gefahren sind.

Danach geht es bei weiterhin strahlendem Sonnenschein hinab in Richtung Val d’Isere. Etwa 200-300 Höhenmeter tiefer gibt es einen Aussichtspunkt, von dem aus man das vollständige Iseran-Tal von Val d’Isere bis zur Brücke Pont St. Charles überblicken kann. In Val d´Isere setze ich mich erst einmal hin und lege eine kleine Pause ein. Nicht mehr richtig in Erinnerung stelle ich bei einem Besuch der Toilette fest, das es sich um dieselbe Restauration handelt, in der wir 1998 eingekehrt sind. Für den Fall, dass jemand Zeitinformationen benötigt hier die entsprechenden Daten. Die Passhöhe habe ich um 12:45 Uhr erreicht, Val d’Isere um, ca. 14:15 Uhr und Bourg St. Maurice meinen Zielort um 16:00 Uhr.

 

 

 


 

 Cormet de Roseland, Natur pur

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
13.07.2003 60 659 1.181 15.528 Camping La Maladiere

 

Der Campingplatz in Bourg St. Maurice war mir etwas zu groß und unruhig. Vorbei an den großen Supermärkten führt mein Weg bis kurz vor dem Abzweig zum Cormet de Roseland. Dort gibt es ein kleines Geschäft, in dem man Wasser, Baguette und weitere Lebensmittel kaufen kann. Der erste Teil des Anstiegs führt durch eine stark bewaldete Talschneise. Aufgrund des Schattens ist es angenehm kühl. Parallel zum Weg führt ein Fluss, den man überwiegend nicht sehen kann. Dafür ist die Geräuschentwicklung ziemlich hoch.

Hinter der ersten größeren Kehrengruppe führt die Straße durch ein breiteres Hochtal. Rechts in den Felsen entdecke ich zwei Felskletterer, die den Sonntag für ihr Hobby nutzen. Am Ende des Hochtals befinden sich einige wenige Gebäude und davor Wohnmobile und Zelte, wohl ein Campingplatz für Wanderer. Während der Platz rechts unter mir verschwindet, landet sogar ein Hubschrauber auf dem Gelände.

Die Straße macht einen Schwenk nach links und die nächste Kehrengruppe wird sichtbar. Unterwegs überholen mich immer wieder einige Rennradfahrer und Autos. Ich habe mir ziemlich viel Zeit gelassen, dennoch erreiche ich die Passhöhe bereits um 12:00 Uhr. Oben angekommen, sehe ich zwei Franzosen am Wegrand stehen, die begeistert klatschen und mit strahlenden Gesichtern „Bon Courage“ rufen. Oben auf der Passhöhe gibt es keine Restauration, nur zwei Stände, auf denen verschiedene Mineralien zum Verkauf angeboten werden.

Ewas weiter hinab finde ich ein Restaurant. Zum ersten Mal auf meiner Tour bestelle ich mir eine fettige Pommes Frites. Draußen vor der Restauration komme ich in ein Gespräch mit vier Holländern. Sie sind mit Rucksäcken und schweren Wanderschuhen unterwegs und schwärmen von der Natur in den umliegenden Bergen. Einer erklärt sich sofort bereit, von mir ein Foto zu schießen. Ich ahne noch nicht, dass mir der schönste Anblick noch bevorsteht. Nur ein paar Kehren weiter blickt man hinab auf den See Roseland. Er schimmert grün zwischen den umliegenden Bergen.

Bevor die Straßenführung den See verlässt, muß man noch eine kleinere Steigung bewältigen. Danach ebenfalls Natur pur, steile Kehrengruppen führen durch eine urwüchsige Landschaft hinab bis nach Beaufort, wo man die Straße in Richtung Albertville erreicht. Ab dort tritt wieder das Problem auf, dass das Gefälle nicht sehr stark ist, dafür aber der Gegenwind. Ich muss also regelmäßig mittreten um den Windwiderstand zu überwinden. Den Campingplatz in Albertville sehe ich bereits in den letzten Kehren von oben. Übrigens ist das Wetter noch besser geworden. Es ist 36 Grad im Schatten und am Himmel keine Wolke zu sehen. Auf dem Platz spricht mich ein Holländer an, der ebenfalls mit dem Fahrrad unterwegs ist. Er ist schon einige Zeit unterwegs und möchte jetzt auf direktem Weg nach Hause fahren. Später, als ich am Place Europe im Zentrum von Albertville draußen vor einer Bar sitze, treffe ich ihn wieder. Wir unterhalten uns über alle möglichen Radtouren, die wir bereits unternommen haben. Er ist mit seiner Freundin einmal 4 Wochen durch Kuba geradelt. Er war von der Freundlichkeit der dort lebenden Menschen begeistert.

Abends liege ich vor dem Zelt auf meiner Matte und genieße die Ruhe. Nachdem die Sonne hinter den Bergen verschwunden ist, ist die Luft erheblich angenehmer geworden. Morgen erreichen die Pässe nicht einmal mehr die 1000 m-Marke, die Strecke wird jedoch ziemlich lang werden.

 

 


 

 Nationalfeiertag der Franzosen

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
14.07.2003 92 751 1.508 17.141 Camping La Municipale

 

Ich ahne ja noch nicht was mir an diesem Tag so alles bevorsteht, aber schon morgens in Albertville habe ich Schwierigkeiten ein geöffnetes Geschäft zu finden. Es ist halt Nationalfeiertag. Ein kleines geöffnetes Geschäft finde ich dann doch noch, um mich mit allem Notwendigen einzudecken. Die Strasse zum Col de Tamie ist nur ein Sträßchen und zum Teil schlecht ausgeschildert. Bei Faverges verfahre ich mich kurz. Als ich es bemerke, muss ich wieder 70 m hinauf, um den richtigen Weg zum Col de Tamie zu fahren. Beide Pässe der Col de Tamie und der Col de Marais sind relativ leicht zu befahren.

Ich komme also zügig voran. Ab Thones dann in Richtung St. Jean de Sixt nerviger anhaltender Autoverkehr. Die Straße würde ich nicht mehr in die Routenplanung aufnehmen. In St. Jean de Sixt lege ich eine größere Pause ein. Draußen vor der Bar komme ich in ein Gespräch mit einem etwa 55 Jahre alten Ehepaar. Sie kommen aus Genf und befragen mich über meine Tour.

Danach geht es mit mäßigem Gefälle hinab durch das Petit Bornand nach Bonneville. Hier möchte ich eigentlich nach den bereits gefahrenen 75 km und 1500 Höhenmetern übernachten. Den in der Michelinkarte eingezeichneten Campingplatz gibt es in Bonneville nicht. Auch mehrmaliges Fragen hilft nicht weiter. In der Hoffung, vielleicht ein Hotel zu finden, fahre ich in die Ortsmitte. Die Franzosen nehmen es mit dem Nationalfeiertag genau, alles ist geschlossen, Hotels, Supermärkte, kleiner Geschäfte, einfach Alles. Es soll noch schlimmer kommen. Ich habe zwar morgens 3 Liter Wasser gekauft, aber bei 38 Grad im Schatten reichen die 3 Liter bei Weitem nicht aus. Selbst einen Brunnen finde ich nicht. Das Einzige, was mir übrig bleibt, ist die nächst größere Stadt anzusteuern und das ist Annemasse. Kilometer weiter, ich bin schon ziemlich ausgetrocknet, frage ich an einer geschlossenen Bar einen Mann, der gerade in sein Auto steigen will nach einer Möglichkeit, meine Wasserflaschen aufzufüllen. Ich habe Glück, es ist der Barbesitzer. Er öffnet mir die Türen und zeigt mir im Gebäude einen Wasserhahn. Die erste Flasche trinke ich in einem Zug leer. In Annemasse bin ich zum ersten Mal auf meiner Tour etwas angeschlagen. So entscheide ich mich mit dem Zug von Annemasse nach Thonon les Bains zu fahren. Um 18:15 Uhr erreiche ich den Ort, finde auch ziemlich schnell den etwas außerhalb liegenden Campingplatz. Das Tacho zeigt 100 km und 1508 Höhenmeter an. Abends fühle ich mich zum ersten Mal richtig müde. Ebenfalls zum ersten Male innerhalb von 10 Jahren Alpenradtouren bekomme ich nachts lang anhaltende Krämpfe. Der Wassermangel und etwas zu wenig Nahrungsaufnahme werden wohl die Gründe dafür sein. Am Morgen darauf bin ich aber wieder top fit.

 

 


 

 Fahrt über den Genfer See nach Lausanne und mit dem Zug in die Vogesen

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
15.07.2003 15 766 0 17.141 Auberge in Kruth

 

Meine Aufzeichnungen sagen mir, dass ich in den vergangenen 10 Tagen 800 Kilometer und 17150 Höhenmeter gefahren bin. Leider ist der erste Teil meiner Reise beendet. Grandiose Szenerien habe ich gesehen, viele, wenn auch oberflächliche Kontakte geknüpft, Emailadressen ausgetauscht und zum ersten Mal dass Erlebnis gehabt, alleine durch die Alpen gefahren zu sein. Um 08:00 Uhr fahre ich nach Evian les Bains. Um 09:15 Uhr steht das Fahrrad bereits auf der Fähre, die mich nach Lausanne bringen soll.

Danach die problemlose Weiterfahrt mit dem Zug über Bienne, Basel und Mülhausen nach Kruth in die Vogesen. Dort habe ich in dem kleinen Ort in einer Auberge ein Zweibettzimmer und ein Einbettzimmer gebucht. Am Mittwoch werden meine 2 Freunde, Wolfgang Franzmann und Hubert Ebers in Kruth mit dem Pkw ankommen. Die beiden waren mit mir 1999 mit dem Fahrrad „Rund um Andermatt“ unterwegs. Noch geplant ist eine 4 tägige Pässetour durch die Vogesen mit wenig Gepäck. Start und Ziel ist unsere Unterkunft in Kruth.

Am Nachmittag erreiche ich mit einem uralten Zug den verschlafenen Ort Kruth. Der Ort ist so klein, dass man die „Auberge de France“ am Ortseingang nicht übersehen kann. Mein Hotelzimmer kann ich erst um 17:30 Uhr beziehen. Der Wirt des Hotels spendiert mir deshalb während der Wartezeit ein Bier mit den englischen Worten „For welcome“. Ich bin ja schon froh überhaupt noch ein Zimmer für die Nacht zu bekommen, schließlich sah die Vorplanung etwas anders aus. Aufgrund der Marathonstrecke vom Vortag erreiche ich Kruth einen Tag früher, als ursprünglich vorgesehen. Der Abend draußen auf der Terrasse der Auberge mit einem leckeren Essen in absoluter Ruhe ist ein Genuss. Ein Leben wie Gott in Frankreich!!

 

 


 

 Ankunft von Wolfgang und Hubert sowie erste Vogesenhöhenmeter

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
16.07.2003 55 821 955 18.096 Auberge in Kruth

 

Bis Wolfgang und Hubert mit dem Auto eintreffen, sind noch einige Stunden Zeit. Nach dem Frühstück fahre ich deshalb zunächst weiter in den Ort hinein um ein Karte der Vogesen und Proviant für die am Nachmittag geplante Tour zu kaufen. Alles kein Problem, ein kleiner Supermarkt hat alles Nötige. Die Zeit bis zum Mittag zieht sich etwa hin. Für größere Unternehmungen reicht sie nicht, und im Ort gibt es aufgrund der Größe auch nicht viel zu erkunden. Zwischendurch klingelt das Handy! Wolfgang und Hubert haben mit ihrem Wagen die Autobahn bereits verlassen und befinden sich auf der Strecke nach Thann. Am Mittag dann das herzliche Aufeinandertreffen vor der Auberge de France und das Einchecken im Hotel. Das Radteam von 1999 in identischer Besetzung ist wieder beisammen (Rund um Andermatt!).

Die Fahrräder haben wir schnell mit dem Nötigsten bepackt um den Nachmittag noch für unsere erst Schleife über den Col de Bramont und den Col d’ Oderen zu nutzen. Auf dem Weg zum Col de Bramont befindet sich unterhalb des Chateau de Wildenstein ein großer Badesee. Leider spielt das Wetter zu Beginn nicht so ganz mit, so dass wir uns auf der Holzterrasse des Gebäudes am See unterstellen müssen.

Der Regenguss dauert aber höchsten eine halbe Stunde an. Danach geht es in Schleifen hinauf zum Col de Bramont (956 m). Der kühle Regen und die von den letzten Tagen stark aufgewärmte Strasse erzeugen eine waschküchenartige Luft um uns herum, die Strasse dampft regelrecht. 500 Höhenmeter bis zum Col müssen hinaufgekurbelt werden. Die Strecke führt überwiegend durch eine waldreiche Gegend mit kleinen Kehren. Nach 1 ½ Stunden Fahrt mit kleinen Stopps ist das erste Ziel der Vogesentour erreicht.

Auf der Passhöhe entdecken wir ein kleines Schild mit einem Abzweig zum Col de Vierge (1066 m). Dieser noch gut 100 m höher gelegene Col gehört nicht zur ursprünglichen Planung. Wir lassen ihn uns aber nicht entgehen und fahren den schmalen Weg hinauf bis zur Passhöhe. Dort oben steht eine Hinweistafel mit den eingezeichneten Wegen des „Massifs du Grant Ventron“ auf dem wir uns befinden. Die Abfahrt nach la Bresse führt über eine kleine Nebenroute zum Lac de Corbeaux. Man möchte direkt ins Wasser springen, wenn man den See so liegen sieht.

Danach der Blick auf den tief unten liegenden Ort la Bresse. Die Straße bis Cornimont ist relativ breit ausgebaut, wir müssen fast keine Steigung bewältigen. Das ändert sich erst am Abzweig zum Col d’ Oderen. Die ca. 380 Höhenmeter sind aber schnell geschafft. Nur mäßige Steigungsprozente und wenig Verkehr lassen uns die Passhöhe schon nach einer guten Stunde erreichen. Auf der Abfahrt kommen wir an der „Eremitage du Frère Joseph“ vorbei. Wir nehmen uns die Zeit einen Blick in die kleine Kapelle zu werfen.

Spät nachmittags erreichen wir wieder unser Hotel. Mit zufriedenen Gesichtern sitzen wir draußen vor dem großen Gebäude und sind alle mit dem ersten Tag rundum zufrieden. Ca. 19:30 Uhr füllt sich das Restaurant mit Leben. Wir essen draußen auf der Terrasse. Auch mit dem Restaurant haben wir die richtige Wahl getroffen.

 

 

 


 

 Col de Bussang, Col du Ballon, Col du Hunsrück

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
17.07.2003 93 914 1.447 19.543 Auberge in Kruth

 

An ein französisches Frühstück werde ich mich wohl nie gewöhnen. Wie üblich in Frankreich, gibt es auch hier im Hotel nur Baguette mit Marmelade, etwas Butter und Cafe. Immerhin müssen wir nicht „verhungern“, weil es davon reichlich gibt. Im Hotelzimmer packen wir noch einige Sachen wie Jacke, Ersatztrikot und Fotoapparat zusammen und schon kann es losgehen. Die Räder durften wir übernacht im Billardraum abstellen.

Diesmal verlassen wir Kruth in südlicher Richtung. Wir haben uns vorgenommen zunächst den Col de Bussang hinaufzukurbeln, um nach Saint Maurice de Moselle zu gelangen. Der Col de Bussang (731 m) wird auf der von uns in Fahrtrichtung liegenden rechten Seite nur vom Petit Drumont überragt. Vor fast 2000 Jahren soll hier angeblich eine Römerstraße durchgeführt haben, die das Elsaß mit Lothringen verband.  Übrigens befindet sich in der Nähe des Petit Drumont die Moselquelle, zu der es auch einen Wanderweg gibt. Wir selber radeln weiter in Richtung Passhöhe und machen nur einmal an einem Gedenkstein eine Pause.

Bezüglich der eigenen regionalen Geschichte gibt es im Elsass sehr viel zu sehen. Insbesondere der erste Weltkrieg hat hier in der Region so einige Spuren hinterlassen. Wir würden in den nächsten Tagen noch reichlich davon zu sehen bekommen. Den ersten Pass des heutigen Tages haben wir erst einmal geschafft. Am Abzweig zur Moselquelle vorbei sausen wir hinab nach St. Maurice de Moselle. Bei dem Ort handelt es sich um einen kleinen Ferien- und Wintersportort, nicht besonders groß. Wir halten kurz vor einem Geschäft um das davor stehende Fahrrad zu fotografieren. Ich bin schon fast geneigt, mein Rad gegen das dort stehende zu tauschen (grins!), bis mir auffällt, das es vorne und hinten einen Plattfuß hat. Na dann natürlich nicht!

Unsere weitere Strecke führt uns hinauf zum Col du Ballon (1178 m), zum ersten Mal überschreiten wir in den Vogesen die 1000 er Marke. Die Anstiege in den Vogesen sind nicht besonders steil, deshalb erreichen wir auch ziemlich zügig die Passhöhe, auf der wir an der Seite des Restaurationsgebäudes ein einigermaßen windgeschütztes Plätzchen finden.

Danach geht es weiter in  Richtung Alfeld. Die Talfahrt vom Col du Ballon zum Alfelder See ist wirklich sehr schön. Zwischendurch haben wir einen Blick auf den Grand Ballon, den mit 1424 m höchsten Gipfel der Vogesen. Am Osthang des Grand Ballon radeln wir hinab zum Alfelder See. Der aufgestaute fischreiche See ist wohl einer der schönsten Vogesenseen. Kein Wunder, dass viele den See bei der tollen Wetterlage zum Baden nutzen.

Sehr hoch ist die Staumauer nicht, das hat auch seinen Grund. Zwischen dem etwas tiefer liegenden Sewener See und dem Alfelder See gibt es eine Endmoräne, die wie eine natürliche Barriere wirkt. Im Grunde musste die Endmoräne nur um die Staumauer erhöht werden. In 3 Jahren wurde sie erbaut, von 1884-1887. Für die Zeit natürlich schon ein gewaltiges Bauwerk. Als wir unsere Räder über die Staumauer schieben, werden wir von einem älteren Herrn angesprochen und in ein längeres Gespräch verwickelt.

Er kannte sich in der Region besonders gut aus, durchwanderte die angrenzenden Berge und Hügel seit über 50 Jahren und hielt uns einen durchaus interessanten Vortrag. Vorher waren uns auf den Hügeln oberhalb des Alfelder Sees bereits die Blockhütten aufgefallen. Er kannte sie alle, hatte mehrfach dort oben übernachtet und wusste genau wer sie erbaut hatte. Er gab uns noch ein paar Tipps für die Weiterfahrt, bevor wir uns auf den Weg in Richtung Masevaux machen. In Masevaux gibt es erst einmal ein Eis. Der Ort ist nicht sehr groß, besitzt aber mehrere schöne Plätze mit Brunnen. Ein paar Kilometer hinter Masevaux finden wir eine Stelle, die uns regelrecht zu einer Pause einlädt. Wir nutzen die Gelegenheit. Etwas später am Col du Hundsruck haben wir unser Tagespensum von 1450 Hm, mal abgesehen von den gut 100 Hm zwischen Thann und Kruth, fast geschafft. Locker fahren wir ins Tal genießen den Blick über die Hügel. Die Tageseinteilung ist mal wieder optimal. Reichlich Zeit haben wir um in Ruhe zu Duschen und den Abend im Restaurant zu genießen.

 

 

 


 

 Col de Herrenfluh, Col de Amic. Grand Ballon

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
18.07.2003 79 993 1.205 20.748 Auberge in Kruth

 

Das letzte Stück welches wir gestern hinauf gefahren sind, radeln wir heute bergab um nach Cernay zu gelangen.  Von dort wollen wir zum Grand Ballon hinauffahren. Zunächst aber ein paar Fotos von Cernay. Cernay liegt am Rand der Vogesen in nur 300 m Höhe. Unsere Strecke führt weiter nach Nordwesten wieder in die Vogesen hinein. Bis zum Grand Ballon müssen wir 1000 m hinauf. Nach den ersten Höhenmetern entdecken wir eine schöne Stelle an einem Felsen, von dem man einen tollen Blick ins Tal nach Cernay hat.

Ein paar Kilometer weiter erreichen wir den Hartmannsweilerkopf. Der steil zu Ebene abfallende Berg, war im 1. Weltkrieg von immenser strategischer Bedeutung. In den Jahren 1915-1916 war der Berg der am heftigsten umkämpfte Frontabschnitt. Auf beiden Seiten sollen dort 30000 Soldaten gefallen sein. Das Monument National ist eine riesige Plattform mit Bronzealtar, die über einer Krypta mit den Resten von 12000 unbekannten Soldaten errichtet wurde. Über den Col de Herrenfluh und Col de Amic fahren wir in eine kleine Senke um im Anschluss direkt den Grand Ballon in Angriff zu nehmen. Wir freuen uns über das tolle Wetter und kämpfen uns Höhenmeter für Höhenmeter hoch.

Am Grand Ballon herrscht ziemlich viel Trubel. Jedes mal wenn ein Bus ankommt, laufen die Touristen in Scharen durch die Souvenirshops. Wir machen eine längere Pause. Die Höhenmeter des Tages haben wir im Wesentlichen geschafft. Anschließend radeln wir über Le Markstein wieder hinab in Richtung Kruth. Wir kommen so zeitig an, dass noch genügend Zeit bleibt im See baden zu gehen.

 

 


 

 Col de Hahnenbrunnen, Col de Herrenberg, Col de la Schlucht, Col de Bramont

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
19.07.2003 72 1065 1.096 21.844 Auberge in Kruth

 

Unser letzter Tag. Morgen würden wir mit dem PKW wieder die Heimreise antreten. Leider sind die Fotos vom letzten Tag nicht so toll geworden, weil ich versehentlich mit dem Finger auf die Linse geraten war. Um ein paar Eindrücke zu bekommen, habe ich einige Fotos aber dennoch auf diesen Seiten platziert.

Nach einem gemütlichen Abend fuhren wir am darauffolgenden Sonntag wieder in Richtung Heimat. Ich selber war nun 2 Wochen unterwegs gewesen und hatte in der Zeit mit dem Rad 1134 km zurückgelegt. An Höhenmeter waren 22350 zusammengekommen und das überwiegend mit 30 kg Gepäck. Die Eindrücke die ich zu verarbeiten hatte waren schon gewaltig.