Über den Flüela- und Ofenpass ins Münstertal

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
26.08.2000 89 109 1.546 2.038 Camping St. Maria

 

Nach dem morgendlichen Einkauf in Davos kurbelten wir uns am Campingplatz langsam vorbei in Richtung Flüelapass. Sehr schnell gewannen wir an Höhe. Das Wetter war hervorragend, es war fast keine Wolke am Himmel zu sehen. Der Flüelapass besitzt nur sehr wenige einzelne Kehren. Es handelt sich eher um eine langgezogene Talschneise durch die der kleine Flüelabach langsam ins Tal plätschert. Vorbei am Gasthaus Alpenrose fuhren wir fast ohne Pause bis zu den ersten zwei Kehren im Tschuggen (1938m). In der Höhe wurde auch das Foto mit der Kuh gemacht.

Am Wägerhus (2207m) legten wir eine kurze Pause ein um ein wenig zu verschnaufen. Die Passhöhe war noch nicht zu sehen, weit konnte es aber nicht mehr sein. Es fehlten ja nur noch ca. 180 Höhenmeter. Hinter der letzten Kehre war das Flüelahospiz dann plötzlich zu sehen, rechts davon der Schottensee, der in der Sonne glitzerte. Die ersten 820 Höhenmeter hatten wir also geschafft. Und was für ein tolles Wetter! Ohne unsere Trikots wechseln zu müssen, saßen wir in der Sonne vor der Restauration und tranken unsere Cola mit Blick auf den etwas unter uns liegenden Schottensee.

Einige Rennradfahrer hatten sich ebenfalls auf den Weg gemacht den Pass zu erklimmen und bestaunten unsere bepackten Räder. Die Mischung aus mitleidigen Blicken bis zur Bewunderung so etwas zu schaffen, kannten wir ja schon. Was sollte es, uns störte es nicht. Eingerahmt von den gewaltigen Bergen Schwarzhorn (2780 m), Flüela Wisshorn (3085 m) und Piz Champatsch (2945 m) glitten wir langsam durch das Susascatal in Richtung Susch.

Die einzige Kehrenansammlung von 4 Kehren befand sich erst kurz vor Susch. Den Ort konnten wir dann bereits von oben sehen. Die anschließende Straße von Susch nach Zernez war zwar etwas stärker mit Autos frequentiert, stellte aber kein Problem dar. In Zernez mussten wir nur geradeaus fahren um zur Straße in Richtung Ofenpass zu gelangen. Die ersten gut 400 Höhenmeter bis Ova Spin schafften wir noch relativ zügig, die Steigung war nicht sehr steil. Was sich anschließend aber als Problem herausstellte, waren Burkhardts anhaltende Muskelkrämpfe. Immer wieder musste er an den Fahrbahnrand fahren, um seine Wadenmuskeln zu lockern. Nach einer halben Stunde ging gar nichts mehr. Ich war bereits ein gutes Stück vorgefahren und hatte ihn aus den Augen verloren. Am Fahrbahnrand stehend wartete ich  eine viertel Stunde und wollte schon umkehren, als er plötzlich mit dem Fahrrad um die Kurve geschoben kam. Mit sichtlichen Schmerzen im Gesicht schaffte er es aber trotzdem Stück für Stück voran zu kommen.

Eine größere Pause war fällig. Wir kochten eine Suppe um den Salzverlust im Körper auszugleichen und den Muskeln etwas Ruhe zu gönnen. Die lange Pause war genau das richtige in dem Moment. Im Grunde kannten wir das Problem schon. Wie in jedem Jahr fiel uns Flachländer die Fahrt am ersten Tag am schwersten. Wahrscheinlich liegt es u.a. an der fehlenden Akklimatisation, immerhin befinden sich die Pässe alle weit oberhalb der 2000 er Marke.

Nach der langen Pause ging es Burkhardt sichtlich besser, er konnte wieder fahren. Kurz danach mussten wir feststellen, dass die weitere Straßenführung noch eine starke Senke besaß. Von Ova Spin (1838 m) aus rollten wir bis auf eine Höhe von 1706 m nach Punt la Drossa hinab. Am Punt la Drossa befindet sich ein Straßenabzweig der direkt in einen Tunnel führt, durch den man zum Lago di Livigno gelangen kann. Wir fuhren aber weiter in Richtung Ofenpass. 450 Höhenmeter mussten wir noch radeln. Würden Burkhardts Muskeln mit machen? Ich selber fühlte mich am ersten Tag auch noch nicht besonders fit, hatte immer den Eindruck, dass ich nicht genügend Luft bekäme. Glücklicherweise hatten wir diese Probleme am zweiten Tag überhaupt nicht mehr. 2 Stunden später standen wir auf dem Ofenpass. Wir hatten uns viel Zeit gelassen und den Muskeln immer wieder Ruhephasen gegönnt. Auf der Passhöhe befindet sich ein Hotel mit einer Restauration und einer Antennenstation.

Da die Zeit vorangeschritten war, hielten wir uns nicht mehr lange auf und sausten hinab nach St. Maria ins Münstertal. Der Campingplatz liegt etwas außerhalb des Ortes an der Straße zum Umbrailpass, also direkt an unserem weiteren Weg. Wir durften somit nochmals 50 m hinauffahren um zum Platz zu gelangen. Froh waren wir nach dem ersten anstrengenden Tag unser Ziel endlich zu erreichen. Das Zelt war schnell aufgebaut. Danach rollten wir hinab in den Ort und freuten uns auf unser Abendessen.