Vier Pässe stehen auf dem Programm (Foscagno, Eiro, Livigno, Bernina)

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
28.08.2000 110 239 1.961 5.527 Camping in Madulain

 

Die Nacht schlief ich sehr unruhig. Ich hatte in meinem Leben noch nie auf  einer Höhe von 2850 m übernachtet.  Das ständige Gefühl im Halbschlaf zu sein, machte mir sehr zu schaffen. Ich fühlte mich wie gerädert, als ich um 07:00 Uhr wach wurde. Ein Blick durch das Fenster verhieß darüber hinaus nichts Gutes. Kaum zu glauben, aber dennoch wahr, auf der Dreisprachenspitze herrschte Schneetreiben. Wir hatten beide Winterhandschuhe mitgenommen. In Erinnerung an unseren Tag am Stilfser Joch (0 Grad Celsius) im Jahr 1998 hatten wir bewusst darauf geachtet auch für schlechte Wetterlagen gerüstet zu sein. Wir verabschiedeten uns herzlich von Caterina und ihrem Vater und sausten hinab ins Tal in Richtung Bormio um in wärmere Regionen zu gelangen. Vorbei an der alten Grenzstation hatten wir sehr schnell eine Stelle erreicht von der man den oberen Teil der Kehrenansammlung nach Bormio betrachten konnte.

Etwas später ein Blick auf einige Reste der alten Straßenführung. Die kleinen Kehren waren so schmal, dass selbst ein PKW hier so seine Schwierigkeiten haben dürfte um die Kurve zugelangen. Leider lies sich das Stück nicht mehr befahren. Tausendfünfhundert Meter tiefer, noch ein gutes Stück vor Bormio bogen wir rechts ab in Richtung Foscagnopass. Durch das langgezogene Valdidentro-Tal erreichten wir sehr schnell den eigentlichen 1000 m-Anstieg bei Isolaccia. In knapp drei Stunden war der recht locker zu fahrenden Anstieg geschafft. Nicht sehr viel Spektakuläres war unterwegs zu sehen, drei langgezogene Kehren, eine Lawinengalerie und plötzlich links von uns der Blick auf einen kleinen See unmittelbar vor der Passhöhe.

Die 1000 Höhenmeter reichten um zur Entscheidung zu gelangen auf der Foscagnopasshöhe (2294 m) ein Süppchen zu kochen und etwas zu essen. Der danach folgende Eirapass war locker zu befahren. Gestärkt und bei guter Wetterlage fuhren wir in die Talsenke (2020 m) um die knapp 200 Höhenmeter bis zur Passhöhe wieder  hinaufzufahren.  In Richtung Eirapass fiel der Blick immer wieder auf einen ungewöhnlich geformten Bergkegel. Auf der Passhöhe des Eirapasses fehlte das übliche Passschild. Den Hinweis auf die Passhöhe entdeckten wir auf einem Holzschild vor einer Bar. Einige Kilometer fuhren wir anschließend hinab bis auf eine Höhe von 1816 m. Tief unten konnten wir rechts von uns den Ort Livigno und ein kleines Stück des Lago di Livigno liegen sehen.

Die Straße verläuft aber etwas oberhalb, so dass wir nicht bis in den Ort hinunterfahren mussten. 500 Höhenmeter bis hinauf zum Livignopass unserem dritten Pass an diesem Tag waren noch zu meistern. Die Straße zieht sich mit etwas Abstand am Fluss Spöl entlang hinauf bis zur Passhöhe, keine einzige Kehre auf dem Straßenstück. Eingerahmt von 3000 er Bergen, legten wir die letzte kurze Pause nicht weit vor der Passhöhe ein. Oben auf der Passhöhe angekommen sahen wir, aus entgegengesetzter Richtung einige Reiseradler eintreffen. Klar, dass wir eine ganze Zeit mit ihnen „quatschten“.

Vom Livignopass aus fuhren wir zwar nur 270 Höhenmeter hinunter weiter in Richtung Berninapass, in etwa dieselbe Höhenmeteranzahl mussten wir aber auch noch wieder hinauf. Nach den bereits gefahrenen 1700 Höhenmetern setzte langsam etwas Müdigkeit ein, aber nach etwa 1 Stunde hatten wir auch die geschafft. Unterwegs sahen wir rechts von uns einen eine erodierte Felsformation.

Am Berninapass gibt es außer dem alten Hospizgebäude noch einen kleinen See zu sehen. Der größere See der Lago Bianco den wir auf unserer Karten sehen konnten, liegt hinter einem Felsrücken, er ist vom Hospiz aus leider nicht zu sehen. Ausgiebig wurde auf der Passhöhe eine Pause eingelegt. Wir durften zwar nur noch bergab fahren, aber die Pause tat schon gut. Die kilometerlange Abfahrt durchs Pontresina bei strahlendem Wetter mit Blick auf den Piz Palü blieb uns unvergesslich. In Samedan bogen wir rechts ab in Richtung Madulain, St Moritz ließen wir links liegen. Den Campingplatz in Madulain erreichten wir an diesem Tag aufgrund der bewältigten 110 km und 2000 Höhenmeter erst um 19:30 Uhr.

Aber das störte uns nicht sehr. Uns fehlte ja nur noch eine Dusche und ein einigermaßen akzeptables Restaurant. Im Restaurant hatte wir dann noch das Erlebnis, dass mir meine Bitte im Restaurant den Kameraakku aufladen zu dürfen verwehrt wurde. Kaum zu glauben, aber der Ober konnte die Entscheidung nicht selber treffen. Er musste zunächst auf den Chef warten, der etwas später im Hause eintreffen sollte. Wenn wir das Essen nicht schon auf dem Tisch gehabt hätten, wären wir kommentarlos aufgestanden und hätten das Restaurant verlassen.