Vorbemerkung

 Zeitraum

 Σ Distanz

 Σ Höhenmeter

Track

Presse

 25.08.2000 - 02.09.2000

 485 km

 10.882 Hm

 

Die Tour ein Jahr zuvor um Andermatt hatte mir so gut gefallen, das es im Jahr 2000 noch einmal in die Schweiz gehen sollte. Zeit stand für ca. 1 Woche zur Verfügung. Interesse mitzufahren bekundete mein alter Radelkumpel Burkhardt, der schon 1998 mit nach Nizza gefahren war. Auf seine Bitte hin, die Tour so zu legen, dass wir nach den Radfahrtagen nach Interlaken fahren würden, ging ich gerne ein. Als erfahrener Marathonläufer  beabsichtigte er dort am Jungfraumarathon (42 km, 1800 Höhenmeter) teilzunehmen.

Das Programm das wir uns vorgenommen hatten, war also schon gewaltig. Der Rundkurs durch die Schweiz den wir geplant hatten, war ca. 470 km lang und umfasste ca. 11800 Höhenmeter. Die Tour sollte in Davos am Campingplatz beginnen und verbunden mit einer relativ kurzen Bahnfahrt auch dort enden. Für Burkhardt hatten wir den Transfertag von Davos nach Lauterbrunnen als Pausentag einkalkuliert. Damit es mir am Lauftag in Lauterbrunnen nicht langweilig würde, hatte ich mir fest vorgenommen zum Ziel des Jungfraumarathon der Kleinen Scheidegg in über 2000 m Höhe mit dem Rad hinaufzufahren.

 

km,


  


 

 Anreise und erstes Warmfahren am Wolfgangpass

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
25.08.2000 20 20 492 492 Camping Davos

 

Am Freitag den 25.08.2000 machten wir uns sehr früh mit dem Pkw auf den Weg in Richtung Davos. Die knapp 800 km von Dorsten aus waren problemlos zu fahren. Um die Mittagszeit erreichten wir den Campingplatz. Am Nachmittag war damit noch genügend Zeit sich schon einmal ein wenig warm zu fahren. Dazu bot sich förmlich ein kleiner Abstecher nach Klosters über den Wolfgangpass an. Nach dem wir das Zelt aufgebaut hatten, fuhren wir in lockerem Tritt am Davossee vorbei den nicht sehr steilen Pass hinauf.

Während der Fahrt stellte ich mir die Frage ab wann ein „Hügel“ einen Pass darstellt. Die Fahrt über den Pass nach Klosters und zurück bestand mal gerade aus einer Höhenmeterdifferenz von insgesamt kapp 500 m. Und dennoch gab es oben das Passschild. Also wenn es danach ginge, müssten in dem meiner Heimat nahen Sauerland ja noch eine Menge Passschilder aufgestellt werden. In Klosters bummelten wir ein wenig durch den Ort, bevor wir uns auf den Rückweg machten. Den späten Nachmittag verbrachten wir vor Jochen Hotzes (Der Platzbesitzer heißt so!) Trainsaloon.

Es handelt sich dabei um eine Bar, die sich direkt vorne an der Rezeption befindet und vom Platzbesitzer und seiner Frau bewirtschaftet wird. In der Bar fährt  eine kleine Eisenbahn an den Tischen vorbei in einem Kreis zur Theke zurück. Der Wirt hat dadurch die Möglichkeit die Biergläser auf die hinter der Lok hängenden Wagen zu stellen und so seine Kundschaft zu bedienen.

 

 

 


 

 Über den Flüela- und Ofenpass ins Münstertal

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
26.08.2000 89 109 1.546 2.038 Camping St. Maria

 

Nach dem morgendlichen Einkauf in Davos kurbelten wir uns am Campingplatz langsam vorbei in Richtung Flüelapass. Sehr schnell gewannen wir an Höhe. Das Wetter war hervorragend, es war fast keine Wolke am Himmel zu sehen. Der Flüelapass besitzt nur sehr wenige einzelne Kehren. Es handelt sich eher um eine langgezogene Talschneise durch die der kleine Flüelabach langsam ins Tal plätschert. Vorbei am Gasthaus Alpenrose fuhren wir fast ohne Pause bis zu den ersten zwei Kehren im Tschuggen (1938m). In der Höhe wurde auch das Foto mit der Kuh gemacht.

Am Wägerhus (2207m) legten wir eine kurze Pause ein um ein wenig zu verschnaufen. Die Passhöhe war noch nicht zu sehen, weit konnte es aber nicht mehr sein. Es fehlten ja nur noch ca. 180 Höhenmeter. Hinter der letzten Kehre war das Flüelahospiz dann plötzlich zu sehen, rechts davon der Schottensee, der in der Sonne glitzerte. Die ersten 820 Höhenmeter hatten wir also geschafft. Und was für ein tolles Wetter! Ohne unsere Trikots wechseln zu müssen, saßen wir in der Sonne vor der Restauration und tranken unsere Cola mit Blick auf den etwas unter uns liegenden Schottensee.

Einige Rennradfahrer hatten sich ebenfalls auf den Weg gemacht den Pass zu erklimmen und bestaunten unsere bepackten Räder. Die Mischung aus mitleidigen Blicken bis zur Bewunderung so etwas zu schaffen, kannten wir ja schon. Was sollte es, uns störte es nicht. Eingerahmt von den gewaltigen Bergen Schwarzhorn (2780 m), Flüela Wisshorn (3085 m) und Piz Champatsch (2945 m) glitten wir langsam durch das Susascatal in Richtung Susch.

Die einzige Kehrenansammlung von 4 Kehren befand sich erst kurz vor Susch. Den Ort konnten wir dann bereits von oben sehen. Die anschließende Straße von Susch nach Zernez war zwar etwas stärker mit Autos frequentiert, stellte aber kein Problem dar. In Zernez mussten wir nur geradeaus fahren um zur Straße in Richtung Ofenpass zu gelangen. Die ersten gut 400 Höhenmeter bis Ova Spin schafften wir noch relativ zügig, die Steigung war nicht sehr steil. Was sich anschließend aber als Problem herausstellte, waren Burkhardts anhaltende Muskelkrämpfe. Immer wieder musste er an den Fahrbahnrand fahren, um seine Wadenmuskeln zu lockern. Nach einer halben Stunde ging gar nichts mehr. Ich war bereits ein gutes Stück vorgefahren und hatte ihn aus den Augen verloren. Am Fahrbahnrand stehend wartete ich  eine viertel Stunde und wollte schon umkehren, als er plötzlich mit dem Fahrrad um die Kurve geschoben kam. Mit sichtlichen Schmerzen im Gesicht schaffte er es aber trotzdem Stück für Stück voran zu kommen.

Eine größere Pause war fällig. Wir kochten eine Suppe um den Salzverlust im Körper auszugleichen und den Muskeln etwas Ruhe zu gönnen. Die lange Pause war genau das richtige in dem Moment. Im Grunde kannten wir das Problem schon. Wie in jedem Jahr fiel uns Flachländer die Fahrt am ersten Tag am schwersten. Wahrscheinlich liegt es u.a. an der fehlenden Akklimatisation, immerhin befinden sich die Pässe alle weit oberhalb der 2000 er Marke.

Nach der langen Pause ging es Burkhardt sichtlich besser, er konnte wieder fahren. Kurz danach mussten wir feststellen, dass die weitere Straßenführung noch eine starke Senke besaß. Von Ova Spin (1838 m) aus rollten wir bis auf eine Höhe von 1706 m nach Punt la Drossa hinab. Am Punt la Drossa befindet sich ein Straßenabzweig der direkt in einen Tunnel führt, durch den man zum Lago di Livigno gelangen kann. Wir fuhren aber weiter in Richtung Ofenpass. 450 Höhenmeter mussten wir noch radeln. Würden Burkhardts Muskeln mit machen? Ich selber fühlte mich am ersten Tag auch noch nicht besonders fit, hatte immer den Eindruck, dass ich nicht genügend Luft bekäme. Glücklicherweise hatten wir diese Probleme am zweiten Tag überhaupt nicht mehr. 2 Stunden später standen wir auf dem Ofenpass. Wir hatten uns viel Zeit gelassen und den Muskeln immer wieder Ruhephasen gegönnt. Auf der Passhöhe befindet sich ein Hotel mit einer Restauration und einer Antennenstation.

Da die Zeit vorangeschritten war, hielten wir uns nicht mehr lange auf und sausten hinab nach St. Maria ins Münstertal. Der Campingplatz liegt etwas außerhalb des Ortes an der Straße zum Umbrailpass, also direkt an unserem weiteren Weg. Wir durften somit nochmals 50 m hinauffahren um zum Platz zu gelangen. Froh waren wir nach dem ersten anstrengenden Tag unser Ziel endlich zu erreichen. Das Zelt war schnell aufgebaut. Danach rollten wir hinab in den Ort und freuten uns auf unser Abendessen.

 

  

 


 

 Über den Umbrailpass zum Stilfser Joch / Rifugium Garibaldi

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
27.08.2000 20 129 1.528 3.566 Rifugium Garibaldi (oberhalb Stelvio)

 

Wunderschöne kleine Kehren über einen waldreichen Hang fuhren wir am frühen Morgen hinauf in Richtung Umbrailpass. Unsere Stimmung war gut, zumal sich nach den ersten 300 Höhenmetern zeigte, dass Burkhardt nicht mehr mit Muskelproblemen zu kämpfen hatte. Ich selber fühlte mich ebenfalls wesentlich besser. An einem Felsen entdeckten wir ein Schild, dass wohl an den Erbauer der Straße erinnern sollte. Der Straßenbelag wechselte von Teer in feinem Schotter, der aber so eben war, dass man die Strecke auch durchaus mit einem Rennrad hätte bewältigen können.

Oberhalb der Baumgrenze fanden wir in einer Kehre eine schöne Picknickstelle, ideal für unsere Mittagspause. Wir „parkten“ unsere Räder an einem Holzzaun, der als Kehrenbegrenzung diente und liefen zu unserer ausgesuchten Picknickstelle. Von dort hatten wir einen grandiosen Blick auf die gegenüberliegende Felswand. Nur ein paar Kehren weiter bekamen wir den ersten Blick auf das links von uns oben liegende Stilfser Joch.

Den Umbrailpass hatten wir fast geschafft. Wir fühlten uns gut und freuten uns auf die Ankunft. Was sollte noch passieren. Die Schmerzen und das Unwohlsein vom gestrigen Tag waren in Vergessenheit geraten. Das Gefühl der Freude den Umbrailpass erreicht zu haben war schon toll. Wir waren fest davon überzeugt die letzten 250 Höhenmeter auch noch locker zum Stilfser Joch hinauf zu fahren. Vom Umbrailpass fährt man nur 10 Höhenmeter hinab zur Grenzstation. Dort muss man sich entscheiden, ob man weiter nach Bormio hinab oder zum Stilfser Joch hinauffahren möchte.

Für uns war klar, dass es für heute nur eine Richtung geben konnte, hinauf aufs Joch. Monate zuvor hatten wir über das Internet unsere Unterkunft im Rifugio Garibaldi gebucht. 2850 m hoch liegt die historische Unterkunft (Reste eines alten Gasthofs) oberhalb des Stilfser Jochs. Bei der Ankunft am Stilfser Joch wussten wir schon, dass wir unsere Räder noch über 100 Hm über einen steilen Schotterpfad hinaufschieben mussten. Wir hatten aber genügend Zeit um uns auf der Passhöhe unser Essen zu kochen. Burckhardt hatte ein Wok-Gericht eingekauft. So zelebrierten wir unter den Augen einiger Touristen unser Mittagsmahl. Vorbeigehende Polizisten interessierte es absolut nicht, dass wir auf der Passhöhe unseren Kocher auspackten. Wir freuten uns über den gelungenen Tag und fühlten uns pudelwohl. Die Strecke zum Rifugio hinaufzuschieben war mit unseren ca. 50 kg (Gepäck und Rad) alles anderes als leicht.

Aber wie motivierend es ist, wenn man oben auf der Terrasse des Rifugio bereits mit winkenden Armen empfangen wird, kann man sich nur vorstellen, wenn man es selber erlebt hat. Caterina Magatelli und ihr Vater erwarteten uns bereits. Der alte Herr war auf der Terrasse damit beschäftigt Leisten für die Fenster, die dringend der Überholung bedurften zu hobeln. Seine Tochter zeigte uns unsere Unterkunft, einen kleinen Raum mit einem Stockbett. Duschen konnten wir eine Etage höher. Den Abend verbrachten wir in der kleinen Bar.

Caterina erklärte uns, dass ihr Vater das gesamte Mobiliar selber hergestellt hatte und dass sie beide viel Spaß damit hätten, die alte Hütte in den Sommermonaten zu bewirtschaften. Etwas später las ich einige Zeit im Gästebuch und versäumte es nicht mich dort mit einigen Zeilen einzutragen.

 

 

 

 


 

 Vier Pässe stehen auf dem Programm (Foscagno, Eiro, Livigno, Bernina)

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
28.08.2000 110 239 1.961 5.527 Camping in Madulain

 

Die Nacht schlief ich sehr unruhig. Ich hatte in meinem Leben noch nie auf  einer Höhe von 2850 m übernachtet.  Das ständige Gefühl im Halbschlaf zu sein, machte mir sehr zu schaffen. Ich fühlte mich wie gerädert, als ich um 07:00 Uhr wach wurde. Ein Blick durch das Fenster verhieß darüber hinaus nichts Gutes. Kaum zu glauben, aber dennoch wahr, auf der Dreisprachenspitze herrschte Schneetreiben. Wir hatten beide Winterhandschuhe mitgenommen. In Erinnerung an unseren Tag am Stilfser Joch (0 Grad Celsius) im Jahr 1998 hatten wir bewusst darauf geachtet auch für schlechte Wetterlagen gerüstet zu sein. Wir verabschiedeten uns herzlich von Caterina und ihrem Vater und sausten hinab ins Tal in Richtung Bormio um in wärmere Regionen zu gelangen. Vorbei an der alten Grenzstation hatten wir sehr schnell eine Stelle erreicht von der man den oberen Teil der Kehrenansammlung nach Bormio betrachten konnte.

Etwas später ein Blick auf einige Reste der alten Straßenführung. Die kleinen Kehren waren so schmal, dass selbst ein PKW hier so seine Schwierigkeiten haben dürfte um die Kurve zugelangen. Leider lies sich das Stück nicht mehr befahren. Tausendfünfhundert Meter tiefer, noch ein gutes Stück vor Bormio bogen wir rechts ab in Richtung Foscagnopass. Durch das langgezogene Valdidentro-Tal erreichten wir sehr schnell den eigentlichen 1000 m-Anstieg bei Isolaccia. In knapp drei Stunden war der recht locker zu fahrenden Anstieg geschafft. Nicht sehr viel Spektakuläres war unterwegs zu sehen, drei langgezogene Kehren, eine Lawinengalerie und plötzlich links von uns der Blick auf einen kleinen See unmittelbar vor der Passhöhe.

Die 1000 Höhenmeter reichten um zur Entscheidung zu gelangen auf der Foscagnopasshöhe (2294 m) ein Süppchen zu kochen und etwas zu essen. Der danach folgende Eirapass war locker zu befahren. Gestärkt und bei guter Wetterlage fuhren wir in die Talsenke (2020 m) um die knapp 200 Höhenmeter bis zur Passhöhe wieder  hinaufzufahren.  In Richtung Eirapass fiel der Blick immer wieder auf einen ungewöhnlich geformten Bergkegel. Auf der Passhöhe des Eirapasses fehlte das übliche Passschild. Den Hinweis auf die Passhöhe entdeckten wir auf einem Holzschild vor einer Bar. Einige Kilometer fuhren wir anschließend hinab bis auf eine Höhe von 1816 m. Tief unten konnten wir rechts von uns den Ort Livigno und ein kleines Stück des Lago di Livigno liegen sehen.

Die Straße verläuft aber etwas oberhalb, so dass wir nicht bis in den Ort hinunterfahren mussten. 500 Höhenmeter bis hinauf zum Livignopass unserem dritten Pass an diesem Tag waren noch zu meistern. Die Straße zieht sich mit etwas Abstand am Fluss Spöl entlang hinauf bis zur Passhöhe, keine einzige Kehre auf dem Straßenstück. Eingerahmt von 3000 er Bergen, legten wir die letzte kurze Pause nicht weit vor der Passhöhe ein. Oben auf der Passhöhe angekommen sahen wir, aus entgegengesetzter Richtung einige Reiseradler eintreffen. Klar, dass wir eine ganze Zeit mit ihnen „quatschten“.

Vom Livignopass aus fuhren wir zwar nur 270 Höhenmeter hinunter weiter in Richtung Berninapass, in etwa dieselbe Höhenmeteranzahl mussten wir aber auch noch wieder hinauf. Nach den bereits gefahrenen 1700 Höhenmetern setzte langsam etwas Müdigkeit ein, aber nach etwa 1 Stunde hatten wir auch die geschafft. Unterwegs sahen wir rechts von uns einen eine erodierte Felsformation.

Am Berninapass gibt es außer dem alten Hospizgebäude noch einen kleinen See zu sehen. Der größere See der Lago Bianco den wir auf unserer Karten sehen konnten, liegt hinter einem Felsrücken, er ist vom Hospiz aus leider nicht zu sehen. Ausgiebig wurde auf der Passhöhe eine Pause eingelegt. Wir durften zwar nur noch bergab fahren, aber die Pause tat schon gut. Die kilometerlange Abfahrt durchs Pontresina bei strahlendem Wetter mit Blick auf den Piz Palü blieb uns unvergesslich. In Samedan bogen wir rechts ab in Richtung Madulain, St Moritz ließen wir links liegen. Den Campingplatz in Madulain erreichten wir an diesem Tag aufgrund der bewältigten 110 km und 2000 Höhenmeter erst um 19:30 Uhr.

Aber das störte uns nicht sehr. Uns fehlte ja nur noch eine Dusche und ein einigermaßen akzeptables Restaurant. Im Restaurant hatte wir dann noch das Erlebnis, dass mir meine Bitte im Restaurant den Kameraakku aufladen zu dürfen verwehrt wurde. Kaum zu glauben, aber der Ober konnte die Entscheidung nicht selber treffen. Er musste zunächst auf den Chef warten, der etwas später im Hause eintreffen sollte. Wenn wir das Essen nicht schon auf dem Tisch gehabt hätten, wären wir kommentarlos aufgestanden und hätten das Restaurant verlassen.

 

  

 


  

 Über den Albulapass und Julierpass nach Silvaplana

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
29.08.2000 89 328 2.061 7.588 Camping in Silvaplana

 

Wozu einfach, wenn es auch schwierig geht. Die Aussage bezieht sich auf die Tatsache, dass unser Zielort Silvaplana vom Startort Madulain nur ca. 15 km entfernt in südwestlicher Richtung liegt und dass es dazwischen eigentlich keinen Berg gibt. Wir bevorzugten aber die schönere und anstrengendere Schleife über den Albula- und Julierpass. Die Fahrstrecke erhöhte sich somit von 15 km auf 90 km und die  Höhenmeterdifferenz von 0 auf 2061. Unser Stellplatz in Madulain hatte eine kleine Besonderheit. Etwas abseits gab es eine kleine Holzhütte mit einem Tisch und Bänken davor. So konnten wir in Ruhe unser Frühstück einnehmen.

Danach ging es dann auch schon los! Bis La Punt war es nur ein kurzes Stück zu fahren. Den Straßenabzweig in Richtung Albulapass konnten wir nicht verpassen, weil die ersten Kehren bereits früh zu sehen waren. Kaum waren wir 100-150 m höher machten wir ein Foto mit Rückblick auf La Punt.

Danach ging die Fahrt weiter durch ein Hochtal mit Blick auf den rechts von uns liegenden 3400 m hohen Piz Kesch. Der Albulapass war von der Südseite her nicht sehr schwer zu befahren. Am frühen Vormittag erreichten wir bereits die Passhöhe. Mal abgesehen von ein paar Urlaubern, war auf der Passhöhe nicht viel los, kein Vergleich mit dem Rummel auf manchen Pässen wie z.B. dem Stilfser Joch.

Auf der Abfahrt bekommen wir ab einer Höhe von ca. 1800 m die spektakulär geführte Bahntrasse des Schweizer Glacier Expresses zu sehen. Es ist schon gewaltig was die Schweizer Ingenieure da an Schleifen gebaut haben um diese Höhe zu erreichen. Unter mehrere Viadukte fahren wir durch, um am Bahnhof von Muot vorbei schließlich am Ortseingang von Bergün zu stehen. Fast 1000 Höhenmeter sind wir schon wieder hinabgesaust. Kurz hinter Bergün der Blick in eine Schlucht (bei Igl Crap). In Filsur fahren wir links ab in Richtung Tiefencastel um an den Fuß des Julierpasses zu gelangen. Die Straßenführung ist ab Tiefencastel zunächst sehr breit. In weiten Bögen kurbeln wir die ersten Höhenmeter hinauf in Richtung Marmorera-Stausee.

Zwischendurch immer wieder schnurgerade Straßenstücke mit wenig Steigung. Erst kurz vor dem Stausee wird die Steigung steiler um in wenigen Kehren die Staumauer zu erreichen. Die Mauer nimmt man von unten nicht direkt als Staumauer wahr, weil sie begrünt ist. Auf der Mauerkrone sehen wir eine Holzbank. Ein Blick in Richtung Burkhardt genügt, eine Pause können wir gebrauchen. Wir befinden uns bereits in einer Höhe von 1684 m, exakt 600 m müssen wir noch hinauf bis zur Passhöhe. Auf der anderen Seite der Staumauer fällt der Blick auf den riesigen See. Ein paar Kilometer weiter sehen wir auf einer Kuppe ein Gebäude.

In der Annahme, dass es sich um die Passhöhe handelt, radeln wir hochmotiviert die letzten Kehren hinauf nur um feststellen zu müssen, dass es danach noch weiter hinauf geht. Bei dem Gebäude handelt es sich um ein Restaurant in 2233 m Höhe, also nicht um die Passhöhe. Es fehlen also noch ca. 50 Höhenmeter. Hoch über uns sehen wir immer wieder dunkle Wolken die vorbeiziehen aber zwischendurch immer wieder der Sonne Platz machen. Aber auch auf der Passhöhe bleibt es trocken. Der Wind ist etwas kühl, so dass wir sofort die Kleidung wechseln.

Bis Silvaplana unserem Zielort müssen wir nur 500 Höhenmeter hinabfahren. Begeistert davon an diesem Tag zwei der höchsten schweizer Alpenpässe geschafft zu haben, lassen wir uns ins Tal „fallen“. Südwestlich des Ortes finden wir auch schnell den Campingplatz.

 

 

 

 


   

 Eng übereinander liegende Kehren am Splügenpass

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
30.08.2000 90 418 1.885 9.473 Hotel Splügen

 

Am 5. Tag unserer Tour dürfen wir zunächst an zwei wunderschöne Seen entlang fahren, den Lej da Silvaplana und dem Lej da Segl. In den Bergen hängt noch ein wenig Morgendunst, ansonsten ist der Himmel aber strahlend blau. Den Malojapass bekommen wir fast „geschenkt“, nur wenige Meter müssen wir hinauf um im Anschluss die lange Abfahrt nach Chiavenna genießen zu können. Nach den ersten Kilometern sehen wir die hoch im Berg gelegene Staumauer des Lägli da l´Albigna. Den See selber können wir aufgrund unseres tiefen Standortes leider nicht sehen. Unterwegs fotografieren wir eine kleine Burg und einen Steinbruch

Gegen Mittag erreichen wir nach einer langen Fahrt Chiavenna, 333 m über dem Meeresspiegel gelegen, den tiefsten Punkt der Radtour. Von hier aus benötigen wir 5-6 Std hinauf zum 1800 m höher gelegenen Splügenpaß. Die Serpentinen in der Nähe des Ortes Madesimo liegen fast senkrecht an einer Felswand übereinander. Steigungen bis 12 % sind keine Seltenheit. Wie die Straßenbauingenieure das fertig gebracht haben, ist uns ein Rätsel. Nach 20 km Anstieg beginnt es zum erstenmal auf der Radtour zu regnen. Bis zur Paßhöhe sind es noch 10 km. Die tägliche Griesklöschensuppe aus der Tüte wird auch hier unter einem Vordach einer Berghütte zubereitet.

Brot, Käse und Schokolade kräftigen uns genug um die Passhöhe und damit die zunächst letzten Höhenmeter unserer Radtour zu bewältigen. Den großen Lago di Monte Spluga können wir im Dunst fast nicht sehen. Hinter der Passhöhe gibt es in ca. 2000 m Höhe ein Berghaus. Dort kehren wir erst einmal ein und wechseln unsere nasse Kleidung. Eine Pfanne Bratkartoffeln mit Spiegelei bringt uns wieder in Topform. Der Regen lässt leider nicht nach, so dass wir uns nach einer Stunde entscheiden, die tollen Kehren auf der Nordseite im Regen hinabzufahren. Den Campingplatz lassen wir links liegen, bei der Wetterlage ziehen wir das im Ort gelegene Hotel vor.

 

  

 


 

 Bei Regen durch die Via Mala Schlucht

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
31.08.2000 26 444 0 9.473 Camping Davos

 

Die Abfahrt durch die Via Mala-Schlucht nach Thusis können wir leider nicht so richtig genießen. Aufgrund des Regens müssen wir uns ständig unterstellen. Am Bahnhof in Thusis hört es dann auf zu regnen, wir haben noch viel Zeit bis zur Abfahrt des Zugs nach Davos. Eben Zeit genug, um noch ein paar lustige Fotoideen zu verwirklichen. Ein Lob an die schweizer Bahnbediensteten, sie nehmen ihre Serviceaufgabe im vollen Umfang wahr. Wir haben keine Chance unsere Radtaschen selber in den Zug zu tragen. Alle Taschen werden uns vorher abgenommen. Kaum ist alles verstaut fahren wir auch schon los um über Tiefencastel Davos zu erreichen.

Nach der Ankunft am Campingplatz, unser Auto steht wohlbehalten an seinem Platz, fahren wir noch einmal im Regen mit dem Pkw hinauf zum Furkapass. Kein Vergleich mit dem tollen Wetter am ersten Tag. Oben im Restaurant, wir genießen gerade den Kaffee, erreichen zwei junge Radfahrer vollkommen durchnässt die Passhöhe. Sie suchen einen Ort sich umzuziehen, trauen sich aber nicht, das im Restaurant zu tun. Sie zittern am ganzen Körper und wollen die Nordseite nach Davos noch nass hinunterfahren. Keine 5 Kilometer weiter überholen wir einen von ihnen und bieten ihm unsere Hilfe an. Er steht am Fahrbahnrand und zittert am ganzen Körper. Unsere Hilfe lehnt er aber nach wie vor ab. Wir empfehlen ihm dennoch die Kleidung zu wechseln. Irgendwie schafft er es dann auch. Den Abend verbringen wir wie am ersten Tag im Trainsaloon.

 

  

 

 


 

 Transfertag nach Lauterbrunnen / Interlaken 

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
01.09.2000 0 444 0 9.473 Camping Lauterbrunnen

 

Unser Programm  ist noch nicht beendet ! Am 7.Tag unserem „Pausentag“ verlagern wir unseren Standort mit dem Pkw vom Campingplatz in Davos auf einen Campingplatz in Lauterbrunnen. Hier hat sich Burkhard Großes vorgenommen. Bereits 2 Jahre zuvor ist er vom Start in Interlaken den Jungfraumarathon (42,125 km mit 1823 Hm, ca. 3500 Teilnehmer), den steilsten Bergmarathon der Welt, erfolgreich gelaufen. Hier möchte er seine vor zwei Jahren gelaufene Zeit um eine viertel Stunde zu unterbieten.

Die Anreise nach Lauterbrunnen zieht sich ziemlich hin. Über den Oberalppass und Furkapass, die ich ja bereits 1999 mit dem Rad befahren habe erreichen wir den Platz in Lauterbrunnen. Einige Bilder unseres Transfertages: Aufgrund der großen Anzahl an Marathonläufern, ist der Platz in Lauterbrunnen sehr belegt. Aufgrund unserer Vorreservierung haben wir aber kein Problem einen Stellplatz zu bekommen.

 

  

 


 

 Über Grindelwald zur Kleinen Scheidegg

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
02.09.2000 41 485 1.409 10.882 Camping Lauterbrunnen

 

Vom Lauf bekomme ich selber unterwegs weniger mit. Während sich die Marathonläufer zur kleinen Scheidegg hochqüälen, beabsichtige ich das Ziel mit dem Fahrrad über Grindelwald zu erreichen. Auf der Kleinen Scheidegg dann Rummel pur. Mir selber stecken ja 1600 m Anstieg in den Knochen, aber kein Vergleich mit dem was die Marathonläufer hier aushalten müssen. Mehrere Male sehe ich einen Hubschrauber, der auf Zwischenstationen Läufer abholt, die es nicht mehr bis zum Ziel schaffen. Die im Ziel ankommen, laufen wie in Trance. Teilweise müssen die Sanitäter sie aufhalten, weil sie nicht einmal merken, dass sie im Ziel abgekommen sind.

Den Rückweg fahre ich mit dem Rad nicht über Grindelwald, sondern über die inzwischen freigegebene Marathonstrecke. Die Atmosphäre auf dem Campingplatz war am Abend schon toll. Viele glückliche Läufer, die es geschafft hatten die 42 km und 1823 Höhenmeter zu absolvieren feierten die halbe Nacht durch. Wir selber machten uns am darauffolgenden Tag auf den Weg nach Hause. Unsere Radtour war mal wieder ein klasse Erlebnis.