Vorbemerkung

Zeitraum

 Σ Distanz

 Σ Höhenmeter

Track

 11.08.1999 - 14.08.1999

236 km

 5866 Hm

 

Wie in den vergangenen Wintern hatten wir schon früh mit dem Kartenstudium begonnen. Wir suchten einen Ort, der als zentraler Punkt dazu geeignet war, verschiedene Sternfahrten zu unternehmen. Als mögliche einzuplanende Zeit stand uns nur der Zeitraum vom Dienstag (10.Aug. 99) bis zum darauffolgenden Sonntag (15. Aug.99) zur Verfügung.

Eine besondere Note bekam die Tour dadurch, dass ich zwei ehemalige Studienkollegen eingeladen hatte, mit mir in die Alpen zu fahren. Mit den Skiern waren beide schon häufig in den Alpen unterwegs. Diesmal sollten sie die Berge einmal vom Fahrrad aus kennen lernen. Wolfgang Franzmann, der noch im März seinen 40. Geburtstag gefeiert hatte, bekam von mir spontan eine Einladung in die Alpen als Geschenkgutschein überreicht. Hubert Ebers, schon immer sportlich ambitioniert, sagte ebenfalls begeistert zu. Das Team stand damit schon fest.

Beim Kartenstudium war mir aufgefallen, dass sich Andermatt als zentraler Punkt ideal eignete. Der zwischen Realp und Andermatt liegende Campingplatz war ein optimaler Ausgangspunkt, um die umliegenden Pässe Oberalp, Furka, Grimsel, Nufenen, Gotthardt und Susten in Angriff zu nehmen. Danach blieb nur noch die Anreise zu klären. Da die Reise erst Dienstagmittag beginnen konnte, wollten wir nachmittags noch bis Freiburg fahren und im dortigen ETAP-Hotel übernachten. Mittwochsmorgens sollte dann die Weiterfahrt bis nach Andermatt erfolgen.

 

km,


  

 


 

 Die Anreise nach Andermatt und erste Höhenmeter

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
11.08.1999 38 38 590 590 Camping Realp

 

Als Abfahrtstreffpunkt hatten wir einen zentralen, allen bekannten Treffpunkt in Recklinghausen vereinbart. Wir trafen alle pünktlich um ca. 13:00 Uhr ein, so dass wir kurz nachdem wir die Fahrräder auf dem Dach befestigt hatten auch schon los fahren konnten. Die Fahrt bis Freiburg verlief vollkommen zügig und ohne Staus, so dass wir nach 5 ½ Stunden Fahrt am ETAP-Hotel ankamen. Im nahen Gewerbegebiet fanden wir noch ein Restaurant, in dem wir den Abend verbrachten. Morgens dann der Blick zum fast wolkenlosen Himmel. Für den Mittwoch um die Mittagszeit war seit einigen Tagen eine Sonnenfinsternis angekündigt. Wir hatten eine entsprechende Schutzbrille mitgenommen und hofften, dass der Himmel wolkenfrei blieb.

Bei der Fahrt durch die Berge südlich von Basel immer wieder der Blick durch die Brille, um schon die Entstehung der Sonnenfinsternis mitzuerleben. Um die Mittagszeit genau zum Zeitpunkt der vollen Sonnenfinsternis erreichten wir den Campingplatz in Realp, nur einige Kilometer westlich von Andermatt gelegen. Während des Zeltaufbaus schauten wir immer wieder in die Brille. Während sich der Mond vor die Sonne schob wurde es etwas dunkler um uns herum, es war schon beeindruckend.

Kurz danach packen wir unsere Radtaschen. Schließlich sind wir in die Alpen gefahren um Fahrrad zu fahren. Den Mittwochnachmittag nutzen wir zum Einrollen. Die rund 570 Höhenmeter zum Oberalppass dürften am Nachmittag noch zu meistern sein. Die wenigen Kilometer von Realp bis Andermatt geht es leicht bergab. In Andermatt sind die meisten Häuser aus Holz gebaut. Lediglich der untere Teil besteht aus festen Grundmauern, die das Holz im Winter vor dem hochliegenden Schnee schützen

Kurz hinter dem Ort geht es zur Sache! Auf den ersten Kilometern haben wir uns schnell warm gefahren. Wir halten zwischendurch immer mal wieder an, um auf Andermatt und die in der Ferne zu sehenden Kehren des Furkapasses hinunterzuschauen. Etwas weiter kurz vor der Passhöhe die Galerien. Die 570 Höhenmeter und 12 km Anstieg sind geschafft. Für den relativ kurzen Zeitraum am Nachmittag haben wir genug gekurbelt. In der Restauration auf der Passhöhe kehren wir erst einmal ein. Sehr warm ist es auf der Passhöhe nicht. Eine heiße Suppe und ein Kaffe wird uns gut tun. 

Die wenigen Kilometer Abfahrt über dieselbe Strecke zurück sind natürlich schnell gefahren. Von Andermatt aus geht es bis Realp über wenige Kilometer leicht bergauf. Die Strecke ist aber schnell gefahren.

Den Abend verbringen wir in einem Restaurant in Realp. Zu fortgeschrittener Stunde zeigt uns eine der Bedienungen ein Fotoalbum mit Fotos der katastrophalen Schneeverhältnisse in Realp vom Vorjahr. Jetzt verstehen wir auch den Sinn der am Ortseingang vorhandenen Betonwand. Sie schützt vor Schneelawinen, die sonst in die Häuser rasen würden. Es ist schon erschreckend zu hören, dass sie meisten Einwohner, insbesondere Ältere, im letzten Winter mit Hubschrauber ausgeflogen werden mussten.

 

  

 

 

 


 

 Am Rhonegletscher (Furkapass und Grimslepass)

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
12.08.1999 57 95 1.342 1.932 Hotel Nufenen in Ulrichen

 

Am nächsten Morgen geht es dann schon etwas höher hinaus. Wir wollen den Furkapass und den Grimselpass befahren. Geplant ist von der  Grimselpasshöhe aus dieselbe Strecke zurückzufahren, dann aber die Fahrt in Richtung Ulrichen fortzusetzen. In Ulrichen habe ich vorab schon im Hotel Nufenen die entsprechenden Zimmer gebucht. Wir haben nur wenig Gepäck mitgenommen. Unser Zelt steht weiterhin in Realp, wir wollen am nächsten Abend wieder in Realp übernachten.

Bis zur Furkapasshöhe sind von Realp aus knapp 950 Höhenmeter zu bewältigen. Wir kommen an einigen Bauernhöfen vorbei und zügig voran. Nur die Wetterlage verschlechtert sich zunehmend. Nicht das es regnen würde, aber der Nebel nimmt in einer Höhe von 2000 m schlagartig so stark zu, dass wir am Passschild des Furkapasses fast vorbei gefahren wären. Nicht weit hinter der Passhöhe fahren wir plötzlich durch die Wolkendecke hindurch und haben einen Blick auf den tief unter uns liegenden Ort Gletsch. Rechts davon die Kehren des Grimselpasses. Etwas weiter sehen wir den Rhonegletscher und das davor stehende Hotel Belvedere.

In den stark tauenden Rhonegletscher wurde eine tiefe Höhle geschlagen. Obwohl wir vollkommen nass werden, gehen wir in die Höhle hinein. Innen werden wir von einem Fotografenteam erwartet. Sie wollen selbstverständlich von uns ein Foto machen. Wir winken aber ab, einen Fotoapparat haben wir schließlich selber dabei. Etwas tiefer haben wir nochmals einen Blick auf den Ort Gletsch und die Kehren des Grimselpasses. Dort wollen wir heute auch noch hinauf.

In Gletsch legen wir erst einmal eine Pause ein. Ein wenig sieht es am Himmel nach Regen aus. Mit der Hoffnung den Grimselpass noch trocken hinauf zu kommen, fahren wir in die ersten Kehren hinein. Da die Steigung sich kaum verändert, kommen wir auch hier zügig voran. Kurz vor der Passhöhe fängt es dann langsam an zu regnen. Je näher wir der Passhöhe kommen, umso schlimmer wird es. Als wir den Pass erreichen, sind wir froh, uns in einem Souvenirgeschäft unterstellen zu können.

Einen kurzen Zeitraum, in dem der Regen etwas nachlässt, nutzen wir, um uns mit mäßigem Tempo ins Tal in Richtung Gletsch zu „stürzen. Danach die direkte Weiterfahrt bis nach Ulrichen. In Ulrichen hatte ich von zu Hause aus zwei Hotelzimmer gebucht. Wir sind froh, dass es mit der Buchung im Hotel Nufenen geklappt hat. Vor dem Hotel werden wir schon von Herrn Imsand gegrüßt. Jetzt nur noch schnell eine warme Dusche und wir fühlen uns alle wieder „pudelwohl“. Im Ort Nufenen sind fast alle Häuser aus Holzbohlen gebaut. Die verzahnte Bauart erinnert an die Sauna zu Hause. Den Abend verbringen wir in der Gastwirtschaft des Hotels.

 

   

 


 

 Das Tal des Zitterns (Val di Tremola) oder über den Nufenenpass und Gotthardpass

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
13.08.1999 69 164 2.113 3.997 Camping Realp

 

Am nächsten Morgen schauen wir alle recht skeptisch zum Himmel. Es hat aufgehört zu regnen, der Himmel ist aber noch ziemlich verhangen. Wir entscheiden uns, auch bei der bescheidenen Wetterlage zu fahren. Wenn die Wetterlage unerträglich würde, bräuchten wir ohnehin nur die Strecke bergab zurückzurollen. Wir hegen zudem die Hoffnung, dass die Wetterlage auf der Südostseite besser ist.

Mehrere Kilometer weiter legen wir an den Resten einer Schneelawine eine kleine Pause ein. Nach den Resten zu urteilen muss der Schnee dort über 4 m hoch gelegen haben. Ein Stück weiter dann der Blick auf die letzten Kehren, die sich allerdings noch mächtig hinaufziehen.

Bei der Ankunft, hat sich das Wetter erheblich gebessert. Es ist zwar etwas kühl in 2478 m Höhe, wir entdecken aber immer mehr Wolkenlücken. Die Entscheidung zu fahren, war also doch richtig. Wir haben zwar schon über 1100 Höhenmeter in den Beinen, uns geht es aber allen noch recht gut.

Aufgrund des besseren Wetters steigt die Stimmung. Heute Morgen noch zögerlich, stimmen wir uns nun gedanklich schon auf den nächsten Pass ein. Zu Hause hatte ich einiges über die alte Straßenführung des Gotthardpasses (Val di Tremola) gelesen. Uns erwartet Kopfsteinpflaster und eine große Anzahl kleiner Kehren. Aber zunächst fahren wir erst einmal den Nufenenpass hinab nach Airolo.

Kurz vor Airolo sehen wir links von uns die „neue“ Gotthardstraßenführung, aber die wollen wir ja nicht befahren. Am Abzweig ins Val di Tremola (Tal des Zitterns) entdecken wir eine Bank. Dort entledigen wir uns erst einmal unserer Regenbekleidung. Schon auf den ersten Kilometern bemerken wir, dass uns kein Auto überholt. Die Straße scheint für den Pkw-Verkehr gesperrt zu sein. Während wir uns über das nicht so grobe Kopfsteinpflaster hinaufkämpfen, genießen wir immer wieder den Rückblick auf die kleinen übereinander liegenden Kehren. Wie man sieht, lässt sich das Tal des Zitterns auch bequemer bereisen. Eine alte Postkutsche kommt uns entgegen. Dafür, dass die beiden bereits über 2000 Höhenmeter in den Beinen haben, sehen sie doch noch gut aus, oder?

Während ich so darüber nachdenke, warum das Tal „Tal des Zitterns“ heißt, erreichen wir die Passhöhe. Liegt es nun an der „zittrigen“ Straßenführung oder daran, dass unsere Hände vom ständigen Kopfsteinpflaster zittern? Na ja, Spaß beiseite! Wir haben unser Tagespensum an Höhenmeter (2113 Hm) geschafft. Wir müssen nur noch die Gotthardstraße hinab nach Realp fahren, um wieder zum Campingplatz zu gelangen. Hoffentlich steht unser Zelt noch. Auf der Passhöhe gibt es eine Restauration, in die wir erst einmal einkehren. Die Pause haben wir uns redlich verdient.

Die Abfahrt nach Realp ist weniger schön. Auf der Passhöhe trifft die alte Straßenführung mit der neuen zusammen, so dass der PKW-Verkehr erheblich zunimmt. Die paar Kilometer sind aufgrund der breiten Straßenführung schnell gefahren. Am Campingplatz angekommen, staunen wir nicht schlecht. Unser Tarp (Plane über dem Zelt) hängt fast bis auf den Boden durch. Alle Stangen stehen noch und im Tarp befindet sich mindestens ein halber Kubikmeter Wasser. Nach dem Regen der letzten Nacht nicht verwunderlich. Das Zelt hat aber keinen Schaden abbekommen.

 

  

 

 


 

 Durch die Teufelsschlucht zum Sustenpass

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
14.08.1999 72 236 1.892 5.866 Camping Realp

 

Während die neue Straßenführung in der Teufelsschlucht in einem Tunnel verschwindet, besteht die Möglichkeit ein kleines Stück entlang der alten Straßenführung zu fahren. Das erste Stück über Andermatt nach Wassen, mit Ausnahme der Teufelschlucht, radeln wir überwiegend die Straße entlang, über die wir mit dem Pkw angereist sind. Es geht über 500 Höhenmeter hinab bis zum Straßenabzweig des Sustenpasses

In Wassen kaufen wir in einem kleinen Geschäft den notwendigen Proviant ein. Die ersten Kehren hinter dem Ortsausgang sind für Radler nicht ungefährlich. Wir haben Wochenende und uns überholen mehrere Male einige verrückte Motorradfahrer, die die Kurven eng schneiden und uns gefährlich nahe kommen. Das geht so weit, dass ich schon Angst bekomme, wenn ich auch nur das Dröhnen der Motorräder höre. Eine Möglichkeit für uns nötigenfalls nach rechts auszuweichen gibt es aufgrund der gemauerten Wände auch nicht. Wir sind jedenfalls froh als wir den unteren Kehrenbereich verlassen.

Ungefähr 1300 Höhenmeter müssen wir bis zum Sustenpass hinauf. Mal abgesehen vom ersten Stück, besteht die Passtrasse im mittleren Bereich kaum aus Kehren. Langgezogen geht es hinauf, bis wir in ungefähr 2000 Metern Höhe von Weitem eine Restauration sehen. Da es unterwegs keine andere Möglichkeit gibt, wird hier wohl jeder Radfahrer anhalten und eine Pause einlegen. Auf der Passhöhe ist es etwas kühl, so dass wir uns sofort umziehen und die Jacken überstreifen. Danach klettern wir hinter der Sustenkulm einen Hang hinauf um den Pass von oben fotografieren zu können und einen Blick auf den Gletscher zu bekommen.

Wir halten uns ungefähr eine Stunde auf der Passhöhe auf. Danach fahren wir dieselbe Strecke zurück nach Andermatt. In Andermatt scheint doch tatsächlich etwas die Sonne, so dass wir draußen vor einem Restaurant eine Kleinigkeit essen und uns das erste Bier genehmigen. Den letzten Abend verbringen wir wieder in dem Restaurant in Realp.

Nachbetrachtung:
Die Tour hat uns allen sehr viel Spaß gemacht. Das Wetter hätte etwas besser sein können. Insbesondere in der letzten Nacht habe ich etwas gefroren, weil die Temperaturen doch stark gefallen waren. Aber so ist es halt manchmal in den Bergen. Mich persönlich hat die alte Straßenführung des Gotthard am meisten beeindruckt. Die kleinen übereinanderliegenden Kehren sind schon toll anzusehen. Wenn man bedenkt, wie alt die Straßenführung schon ist, dann bekommt man einen gehörigen Respekt vor den alten Straßenbaumeistern. Vom Furkapass haben wir aufgrund der Wetterlage zu wenig sehen können. Schlecht in Erinnerung geblieben ist mir das Erlebnis mit den Motorradfahrern. Ich werde wohl nie verstehen, warum man die Pässe in einem wahnsinnigen Tempo hinaufjagen muss.

Wir drei waren uns nach der Tour einig, eine weitere Tour zu planen.