Ankunft in Avignon / Heimreise

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
07.08.1998 53 1.044 350 17.623 Formule 1 Hotel in Avignon

 

Die großen Berge haben wir alle bereits hinter uns gelassen. Unsere Reise sollte bald zu Ende gehen. 53 km sind es nur noch bis Avignon, dem Ziel unserer Radtour. Ein paar Highlights bekamen wir aber noch zu Gesicht. Die Straße steigt in das Bergmassiv der Dentelles de Montmirail und bietet schöne Ausblicke auf das Tal der Ouvèze. Als ersten Ort erreichen wir Séguret, ein kleines Dorf, dass sich an die zerklüftete Anhöhe der Dentelles schmiegt. Bei den Dentelles handelt es sich um die letzten westlichen Ausläufer des Ventoux-Massivs. Seine oberste, vertikal aufgefaltenen Zone ist von der Erosion stark abgeschliffen und gezackt. Die höchste Erhebung ist der Mont St. Amand mit einer Höhe von 734 m.

In Sugeret sieht man einen alten Brunnen, einen Wehrturm und die Kirche St.Denis. Direkt davor befindet sich eine Orientierungstafel, auf der man sich einen Überblick über die sich vor einem nach Westen hin ausbreitende Ebene machen kann. Wir halten uns nicht all zu lange auf und fahren über Sablet und Gigondas weiter in Richtung Valqueyras. Gigondas ist ein Ferienort, der für seinen Rotwein bekannt ist. Martin nutzt die Gelegenheit um in einem der Weinkeller verschiedene Sorten Rotwein zu probieren. Wir verlassen den Ort nicht, ohne uns eine kalte Flasche Rose gekauft zu haben. Vor dem Ortseingang von Gigondas legen wir dann unser Picknick ein. Zum ersten Mal, das wir uns beim Mittagessen ein Flasche Rose gönnen. Wir lassen uns richtig viel Zeit, denn es wird unser letztes Essen auf der grünen Wiese sein. Auf der Weiterfahrt bekommen wir hin und wieder einen Blick auf den Mont Ventoux. Ein wenig traurig ist mir schon zu Mute. Wir entfernen uns immer mehr von ihm. Es ist wie ein Abschied.

Das letzte Stück unseres Weges über Sarrians, Bedarrides und Sorgues bis nach Avignon ist nicht besonders reizvoll. Besonders der letzte Teil an der N7 entlang ist aufgrund des Verkehrs etwas nervig. Wir erreichen die alten Stadtmauern von Avignon bereits am frühen Nachmittag. Mitten in Avignon fahren wir an der Universität vorbei direkt zum Papstpalast und fotografieren uns davor gegenseitig. Um Avignon auch nur in Ansätzen kennen zu lernen, benötigt man meiner Ansicht nach alleine eine Woche. Wir unternehmen deshalb auch gar nicht den Versuch in aller Eile die wichtigsten Sehenswürdigkeiten abzuklappern. Am Nachmittag bewegen wir uns nur im näheren Umfeld des Papstpalastes um einen kleinen Eindruck von dieser großartigen Stadt mit nach Hause nehmen zu können. Anschließend quartieren wir uns im Formul 1- Hotel ein. Es liegt südlich von Avignon an einer Ausfallstrasse. Die Buchung bzw. Vorreservierung hatten wir bereits von Deutschland aus vorgenommen. Zum Abend hin besorgen wir uns am Bahnhof die Fahrkarten für den morgen um 06:00 Uhr fahrenden Zug und gehen in der Innenstadt zu Abend essen.


Samstag, der 08.08.98

Die Rückreise mit der französischen Bahn sollte sich als Fiasko herausstellen. Zunächst morgens um 06:00 Uhr klappte alles hervorragend. Der Zug kam pünktlich, die Fahrradverladung klappte einigermaßen ordentlich und das Umsteigen in Lyon stellte auch kein Problem dar. Erst vor Genf sollten die Problem beginnen. Mit der Hilfe Burkhardts, er spricht etwas Französisch, erfuhren wir, das wir nicht bis Genf fahren müssen, sondern direkt bis Evian le Bain fahren könnten. Also lösten wir beim Schaffner für die restliche Fahrstrecke die notwendigen Karten. Kurze Zeit später stellte sich aber heraus, das der Waggon mit unseren Fahrrädern nach Genf weiterreisen würde. Schon reichlich nervös wurde in Abstimmung mit dem Schaffner im nächsten Bahnhof das gesamte Gepäck umgeladen. Der Zug bekam dadurch bestimmt 10 Minuten Verspätung. Mit der Hoffnung, dass der restliche Teil unserer Zugfahrt nun klappen würde, machten wir es uns wieder bequem. Einige Bahnhöfe weiter, dann das nächste Problem, Oberleitungsschaden. Alle Reisenden mussten den Zug verlassen und mit dem Bus weiterreisen. Wir waren „begeistert“. Unser Gepäck besteht aus 3 Fahrrädern, 12 vollen Radgepäcktaschen, 5 Gepäckrollen und den Lenkertaschen. Sämtliche Teile müssen unten in die Gepäckfächer des Reisebusses. Aber es kam noch besser. Der Bus fuhr dann von Bahnhof zu Bahnhof und stand ca. 1 Std. im Stau. Am dritten Bahnhof durften wir dann wieder alles in den Zug verladen. Grob überschlagen wären wir mit den Fahrrädern ebenso schnell gewesen wie der Bus. Eine halbe Stunde später erreichten wir dann Evian le Bain.

Vom Bahnhof aus führt eine Straße etwas hinunter direkt an den Genfer See. 20 km noch und wir stehen wieder am Ausgangspunkt unserer Reise. Direkt am See entlang fahren wir über St. Gingolph, dem Grenzort, wieder nach Le Bouveret. Am frühen Nachmittag war es dann geschafft. Wir stehen wieder an Burkhardts Auto. Unversehrt steht es an seinem Platz, unsere Heimreise mit dem PKW scheint gesichert. Wir lassen uns viel Zeit und beschließen, erst Abends nach Hause zu fahren. Mit dem PKW sind wir noch nach St. Maurice gefahren und haben in der Pizzeria zu Abend gegessen. Beim Essen lasse ich in Gedanken vor meinen Augen noch einmal die letzten zwei Wochen ablaufen. Es wird einige Zeit dauern, bis wir die gewonnenen Erlebnisse verarbeitet haben.