In der Wüste ( La Casse Deserte )

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
29.07.1998 37 391 1.039 8.742 Camping bei Brunnisard

 

Es ist Mittwoch, der 29.07.98. Ich hatte einiges über den uns nun bevorstehenden Pass gelesen. Bilder vom Col de Izoard fand ich in verschiedenen Alpenbildbänden. Insbesondere der Blick von oben auf das Refugium Napoleon mit seinen darüber liegenden Kehren hatte mich früh gefesselt. Das er aber einen derart starken Eindruck hinterlassen würde, habe ich jedoch nicht gedacht.

Wir starten um 09:00 Uhr vom Campingplatz in Chantemerle in Richtung Briancon. Auf dem Campingplatz hatte ich bereits bemerkt, das mein Tachometer auf der Fahrt über den Iseran mächtig gelitten hat. Das Display beschlagen, die Batterien inzwischen wohl sehr schwach. Weil an Burkhardts Fahrrad auf der Abfahrt nach Briancon ein Bremszug reisst, fahren wir im Ort einen Casinomarkt an. Wir erhalten dort problemlos unsere Ersatzteile. Nach der Montage des Bremszuges und dem Wechsel meiner Tachometerbatterie sitzen wir bereits um 10:00 Uhr wieder auf dem Fahrrad in Richtung Col d´Izoard. Das Wetter ist traumhaft, strahlend blauer Himmel. Die Vegetation verändert sich stark. Alle eisgepanzerten Riesen liegen hinter uns. In Cervieres kochen wir vor Hitze. Um die Hitze einigermaßen ertragen zu können, halten wir unsere Köpfe unter einen Brunnen. Die Erfrischung wirkt sofort. Die Stirnbänder tauchen wir in das kalte Wasser, sie bleiben wenigstens für die nächsten Minuten feucht und halten unsere Köpfe kühl.

Im kleinen Örtchen le Laus wird die Landschaft immer traumhafter. Ein kleiner Bach begleitet uns in einer Wiese. Ich kreiere den Spruch “ In le Laus machen wir eine Paus” und schon sitzen wir an einer gemütlichen Stelle unter einem Sonnenschirm und trinken eine kalte Cola. Die hinter le Laus liegenden Kehren winden sich mit 10-12% durch einen Lärchenwald. Bis zum Refugium Napoleon sind es nur noch ein paar Kilometer. Es liegt ungefähr auf Höhe der Baumgrenze. Bereits von unten ist es auszumachen. Traumhafte Lage, wir ahnen noch nicht, das der Blick von oben noch schöner ist. Der richtige Ort für unsere Mittagspause, nicht im dort vorhandenen Restaurant, sondern rechts vom Refugium an einem kleinen Hang packen wir unseren Kocher aus und bereiten unser Mittagsmahl. Der in Briancon gekaufte Käse ist ein Genuss.

Einige Kehren höher erreicht man die Passhöhe. Wir halten zwischendurch allerdings immer wieder an, um nochmals einen Blick auf das Refugium Napoleon mit den darüberliegenden Kehren zu werfen und um einige Fotos davon zu machen. Auf der Passhöhe nehmen wir eine Veränderung war. Während auf der Nordseite die Baumgrenze fast bis zur Passhöhe reichte, entdecken wir hier mit Blick nach Süden nackten Fels in den tollsten Formen und einige Sträucher. Die Felsen sind hier dermaßen erodiert, das sich Felsnadeln in den bizarresten Formen herausgebildet haben. Ganze Hänge feingemahlenen Steines befinden sich jeweil unterhalb. In manchen Wüsten sieht es genauso aus. Auf der Passhöhe selbst befindet sich eine hohe Steinsäule mit Passaufschrift und ein Museum für Radsportbegeisterte. Hier kann man sich die Rennräder von Profis vergangener Zeiten anschauen.

Ein kurzes Stück den Pass hinunter sehen wir auch schon den zugehörigen Hinweis, ein Schild mit der Aufschrift “Casse Desertes”. Wir befinden uns in einer Wüste. Nicht nur die Formen, die das Gestein hier angenommen hat, besitzen ihre Besonderheit, auch die Farben wechseln ständig. Einige Kilometer abwärts entdecken wir im Ort Brunissard ein Schild mit einem Hinweis auf einen Campingplatz (Chalets de Eychaillon). Ursprünglich wollten wir bis Guillestre weiterfahren. Die schluchtartige schöne Lage des Platzes verleitet uns aber zur kurzfristigen Umplanung.Wir werden nicht enttäuscht. In einem Talkessel gelegen, sind wir bei der Ankunft schon von der Reception begeistert. Eine Blockhütte, nicht besonders groß, wir kommen uns vor wie in Kanada. Auf dem Platz ein natürlich gespeister Bergsee, in dem eine Handvoll Erwachsene und Kinder baden. In Ruhe suchen wir uns einen Stellplatz, bauen unser Zelt auf und duschen. Das Wasser im See ist eiskalt. Ich schwimme ein wenig hinaus und entdecke die Stelle, an der der See gespeist wird. Das Wasser sprudelt dort bis an die Wasseroberfläche. Bei der Hitze ist dies ein wunderbares Gefühl. 

Abends fahren wir mit den Fahrrädern noch nach Brunnissard. Viele Möglichkeiten zu Abend zu essen, gibt es hier nicht. Wir entdecken eine Pizzeria, immerhin werden wir satt. Später sitzen wir vor unserem Zelt und unterhalten uns über die bereits zurückgelegte Strecke und die kommenden Tage. Ein Fläschen Wein, bereits Nachmittags beim Campingplatzwart in seiner Blockhütte organisiert, wird entkorkt. Wir lassen es uns schmecken.