Misurina, Drei Zinnen, Tre Croci, drei Pässe auf dem Weg nach Cortina

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
20.08.1995 71 138 1.695 2.245 Camping Olympia

 

Spätestens heute sollte sich zeigen, ob wir genügend trainiert hatten. Kaum auf der Straße in Richtung Toblach mussten wir feststellen, dass wir nicht mehr mit dem Berufsverkehr zu „kämpfen“ hatten. Am Sonntagvormittag war es wunderschön ruhig auf der Straße.

Auf den ersten 15 km bis Toblach überholte uns ein Italiener mir seinem Fahrrad, der uns sofort ansprach und sich für unsere Tour interessierte. Er selber war schon häufiger ohne Gepäck in den Bergen unterwegs gewesen  und war von unseren bepackten Rädern begeistert. Es entwickelte sich ein längeres „mit Händen und Füßen“ geführtes Gespräch,  bei dem jeder versuchte seinem Gegenüber seine eigenen Ansichten zum Radreisen zu vermitteln. Zum Schluss tauschten wir unsere Adressen aus, machten Fotos und versprachen uns einander zu schreiben.

Auf den ersten Kilometern hinter dem Straßenabzweig nach Cortina d`Ampezzo steigt die Straße nur mäßig an, danach nimmt sie immer mehr bis auf einen Wert von 11% zu. In Erinnerung blieb, dass wir mit zunehmender Steigung bezüglich unserer Gespräche immer ruhiger wurden. Jeder war im Wesentlichen mit sich selbst beschäftigt, hatte Respekt vor den Bergen und musste selber erst den richtigen Fahrstil finden um ohne Atemnot den Pass hinaufzukommen. Vom Ausgangsort Toblach in 1100 m Höhe mussten wir bis zum Misurinapass (1756 m), unserem ersten Pass, nur ca. 650 m hinauf. Aus heutiger Sicht locker in 1 ½ Stunden mit 30 kg Gepäck zu bewältigen, fehlte damals einfach die Erfahrung hinsichtlich der eigenen Leistungsgrenzen. Auf dem ersten Pass mit Fahrrad und Gepäck zu stehen, hatte schon etwas Besonderes. Mit dem Gefühl es geschafft zu haben, trat das Gefühl der Erleichterung ein. Jeder erkannte für sich, dass er noch Reserven besaß und weiterfahren konnte.

Wir hatten die „Drei Zinnen“ (Stichstraße) optional in unsere Routenführung aufgenommen, hätten sie bei fehlendem Leistungsvermögen einfach streichen können, aber wir waren nach dem ersten Erfolg viel zu motiviert. Da wir bereits zu Hause recherchiert hatten wussten wir, dass die Straße zu den „Drei Zinnen“ fast durchgängig 16% Steigung besaß. Aus diesem Grund deponierten wir unser Gepäck in einem Restaurant auf der Misurina Passhöhe und radelten unserem zweiten „Passziel“ entgegen. Bereits am ersten Tag mussten wir erfahren, dass es sich um einen der härtesten Anstiege in den Dolomiten handelt. Die Straße an sich besaß schon Kehren genug. Um hinauf zu gelangen, fuhren wir eigene Kehren auf der Straße um die Steigungsprozente zu verringern, die Anstrengung stand uns ins Gesicht geschrieben.

WIR HABEN ES ABER GESCHAFFT!

Und das war die zweite wichtige Erfahrung, die es jedem einzelnen ermöglichte, den Rest unserer Tour besser einschätzen zu können. Zum Misurinapass zurückzukehren, das Gepäck einzusammeln und nach Popena hinunterzuradeln um den Anstieg zum Tre Croci-Pass zu meistern, war vom Kopf her nicht mehr das Problem.

Alle waren nach wie vor motiviert unser Ziel den Campingplatz in Cortina d`Ampezzo zu erreichen. Eine gewisse Müdigkeit machte sich trotzdem bei allen breit. Bis auf Burkhardt hatten alle von uns zum ersten Mal im Leben 1500 Höhenmeter in den Beinen. Als wir in Cortina den Campingplatz Olympia erreichten waren wir froh unser Tagespensum wie geplant geschafft zu haben, 71 km und knapp 1700 Höhenmeter reichten für uns Anfänger. Den Abend verbrachten wir im Campingplatzrestaurant.