Die Sella-Runde ohne Gepäck (Sella, Grödner, Campolongo und Podoi zum zweiten Mal)

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
22.08.1995 70 267 2.130 6.195 Camping Campitello

 

Morgens sah die Wetterlage schon besser aus. Kein strahlender Sonnenschein, aber immerhin um einiges besser als am Nachmittag zuvor. Burkhardt, Gerd und Jürgen wollten den Tag etwas ruhiger angehen lassen und einen Ausflug in die Berge ohne Fahrrad unternehmen. Für Martin und mich kam das nicht in Frage. Schon einmal in der Region, wollten wir uns die Sella-Umrundung auf keinen Fall entgehen lassen, egal wie das Wetter sich entwickelte. Sollte es extrem schlecht werden, könnten wir im Anstieg zum Sella Joch immer noch wieder umkehren. Grundsätzlich stellte die Gruppenteilung kein Problem dar, da wir ohnehin geplant hatten, noch eine Nacht auf dem Campingplatz zu verbringen.

So machten Martin und ich uns allein auf den Weg, die Sella-Gruppe zu umfahren. Vier Pässe mussten bei der Umrundung bewältigt werden, insgesamt 2130 Höhenmeter. Nicht gerade wenig, aber nur mit leichtem Gepäck durchaus zu schaffen. Die Straße war noch feucht, die Luft zwar warm, aber noch sehr wolkenverhangen.

Kilometer um Kilometer kurbelten wir uns hinauf. Kamen ein paar Tropfen vom Himmel blickten wir immer wieder hinauf in der Hoffnung, dass uns das Wetter doch bitte keinen Streich spielen möge. Die ersten knapp 800 Hm hatten wir nach 2 Stunden bewältigt. Stolz blickten wir in die Kamera, nach dem wir eine Stelle gefunden hatten unsere Kamera in Position zu bringen.

Oben hielten wir uns einige Zeit in dem dort befindlichen Restaurationsgebäude auf, aßen eine wärmende Suppe und beobachteten eine Schar Wanderer, die allesamt irgendwie mit ihrer Ausrüstung oder Nahrungsaufnahme beschäftigt waren. Auf der Abfahrt bis zum Abzweig in Richtung Grödner Joch war es nach wie vor zu diesig, um tolle Fotos zu machen. Eine einigermaßen akzeptable Aufnahme gelang uns aber noch von einem Teil des gigantischen Sella-Felsblockes. Zum Grödner Joch mussten wir nur gute 200 Hm hinauffahren. Sehr schnell bekamen wir einen ersten Blick auf die Abfahrtskehren in Richtung Corvara. In Corvara nochmals ein Blick in die Berge, bevor es weiterging in Richtung Campolongopass.

Corvara ist ein typischer Touristenort für Bergwanderer mit einigen Geschäften und Souvenirläden, meiner Ansicht nach nicht besonders sehenswert. Wanderer die in der Region unterwegs sind, werden dass vielleicht aber ganz anders beurteilen. Sehr lange hielten wir uns dort nicht auf. Der Campolongopass besitzt auf seinen ca. 300 Höhenmetern keine hohen Steigungsprozente. Die 7-8 % ließen sich locker hochkurbeln. Unsere Kondition wurde in den Bergen auch immer besser. Angst davor die Runde nicht zu schaffen, hatten wir nicht mehr. Und dann rissen die Wolken auf. Das Wetter wurde immer besser. Gestern noch bei stark bewölktem Himmel, nahmen wir den Pordoi bei Sonnenschein in Angriff. Auf der Passhöhe waren nur noch ein paar weiße Wolken am Himmel zu sehen.

Zum ersten Mal in unserem Leben hatten Martin und ich 2130 Höhenmeter mit dem Fahrrad bewältigt. Die Beine waren zwar etwas Müde, aber was soll es. Wir hatten es geschafft und freuten uns auf die Abfahrt im Sonnenschein. Gestern kaum wahrgenommen, fuhren wir bei Lupo Bianco an dem kleinen See vorbei. 

Am späten Nachmittag erreichten wir wieder unseren Campingplatz. Morgen würden wir gemeinsam den Karerpass hinauffahren, um über Bozen Meran anzusteuern. Mit unter 700 Höhenmetern eher eine lockerer Tourtag.