Auf schmalen Pfaden geht es weiter nach Norden   

 Datum  km  Σ Km  Hm  Σ Hm  Übernachtung
 01.07.2015  72 + 5  1.270  180  2.195  Vesterhavs Camping

 

Als ich am frühen Morgen den Kopf aus meinem Zelt steckte war am Himmel nur ein durchgängiges Blau zu sehen. Meine Sachen hatte ich wie an jedem Morgen innerhalb von 20 Minuten gepackt. Ich radelte zunächst durchs Zentrum Sondervigs, wo im Vergleich zum Vorabend absolut nichts los war. Einen Kilometer verlies ich den Ort zunächst in östlicher Richtung, danach schwenkte die Northsea Cycle Route in nördlicher Richtung. Der Pfad auf dem ich nach Norden fuhr war vielleicht 30-40 cm breit. Rechts und links wuchsen Gräser bis zu einer Höhe von 80 cm. Fahrtechnisch war das kein Problem. Was die vorderen Radtaschen nicht schon an Gräsern plattgewalzt hatten, dass übernahm danach der Hänger.

Kilomterlang radelte ich so durch die Wiesen, vorbei an kleinen Seen ohne, dass mir auch nur eine Menschenseele begegnet wäre. Westlich von mir lag der Vest Stadil Fjord, den ich quasi östlich umfuhr. Erstaunlich war für mich an dem Tag, wie abwechslungreich die Westküste Dänemarks doch war. Mal radelte ich auf schmalen Pfaden durch die Wiesen, nur um kurze Zeit später wieder in einem Nadelwald zu stehen. Die Temperaturen stiegen an dem Tag mächtig an, genau so wie es in der Wettervorhersage stand, da freut ich mich, wenn es mal wieder ein Stück durch den Wald ging.

Ein nettes Erlebnis hatte ich noch in dem kleinen Ort Thorsminde. Ich war gerade mit einer Dose Cola aus einem Supermarkt gekommen, als auf dem Parkplatz ein Kleinbus mit mehreren älteren Dänen erschien. Sie hatten eine Betreuerin dabei, dich sich sehr lieb um alle kümmerte. Ein Ehepaar machte es sich an dem Tisch, an dem ich stand gemütlich, wobei der ältere Herr mir nur zu sah. Seine Frau wurde plötzlich sehr neugierig und sprach mich auf dänisch an. Ich verstand aber so gut wie kein Wort, bis die Hilfe in Form der Betreuerin kam. Das war dann der Auftakt zu einer Liste von Fragen, die sich nicht nur darauf beschränkten wo ich herkäme und hinfahren wollte. Nein, die Dame interessierte sich auch für mein gesamtes Material einschließlich Anhänger. Ich gab mein Bestes und berichtete artig, danach machte ich mich wieder auf den Weg.

Ca. 10 Kilometer führte ein Radweg hinter dem Ort an der Straße entlang. Da der Wind günstig stand, konnte ich diese Strecke mit fast 28 km/h durchfahren. Wie auf den Fotos zu sehen hatte ich an der Straße noch einen Stop an einem Denkmal für die britischen Seeleute, die zu Beginn des 19. Jahrhundert dort vor der Küste mit ihrem Schiff untergegangen waren.

Ein weiteres Highlight des Tages war die Küstenregion im Bereich des Leuchtturmes von Bovbjerg. Die Küste ist dort sehr steil, es gibt zwar auch Treppen hinab zum Strand, erstaunlicherweise sah ich aber auch eine Stelle, an der man mit Hilfe eines dicken Seiles hinab klettern konnte (siehe Foto). Dort am Leuchturm kamen mir die einzigen Radler mit Gepäck entgegen, die ich an dem Tag sah. Es handelte sich um eine norwegisches Paar, dass in der Küstenregion nur eine Woche unterwegs war. Nach ein wenig Smalltalk ging es für mich weiter um die letzten Kilometer zu bewältigen.

Bereits um 13:00 Uhr stand ich auf dem Campingplatz. Wie bisher alle Campingplätze in Dänmemark hatte auch dieser einen TV Raum, in dem es entsprechende Steckdosen gab. Gerne nutzt ich auch hier den Raum, um den Akku des Netbook zu laden und die obigen Zeilen zu formulieren.

Und zum Schluss mal ein wenig Statistik:  In den ersten 14 Tagen bin ich 1.270 km geradelt, dass bedeutet im Durchschnitt 90,7 km pro Tag. Meine zu Hause erstellte Planung hatte ich bisher zu 100 % einhalten können, was mich ein wenig freute. Die Einhaltung war grundsätzlich natürlich nicht zu 100 % erforderlich, wichtig war aber, den Blick aiuf die Strecke bis Lübeck im Auge zu behalten. Bis dorthin waren noch ca. 1.250 km zu radeln, und ich wollte am 17.07. in Lübeck am Bahnhof stehen, um meine Claudia nach 4 Wochen wiederzusehen. Ich hatte also für den zweiten Abschnitt noch 16 Tage zur Verfügung. Ab Lübeck würden wir dann gemeinsam noch bis Usedom radeln.