Hügeliges Terrain auf dem Weg nach Millau

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
19.09.2010 66 234 700 1400 Camping Des Deux Rivieres

 

Ein anstrengender Tag lag hinter uns, als wir um 17:15 Uhr Millau erreichten. Zwei längere Anstiege, die wir in praller Sonne geradelt waren und das ständige auf und ab hatten Claudia ein wenig zugesetzt. Schön, dass wir am Ziel waren. Dabei hatte der Tag so toll begonnen. Ein wunderschönes Frühstück erwartete uns morgens im Hotel Le Relays du Chateau, als wir den Speisesaal betraten. Wir waren im Saal noch alleine, genossen gemeinsam die Ruhe und freuten uns darüber, dass bei einem Blick aus dem Fenster die Sonne schien.

Am Abend zuvor war der Saal gefüllt gewesen mit Gästen. Es war sehr lebhaft zugegangen, wir hatten uns schon gewundert, wo die vielen Menschen herkamen, handelte sich doch nur um ein verschlafenes Örtchen. Jeder Tisch war voll besetzt, alle Gäste schienen in guter Stimmung zu sein, es wurde viel gelacht und manche Flasche Wein entkorkt. Nach dem Frühstück packten wir unsere Radtaschen, bezahlten die Hotelrechnung und beluden die Räder. Ein letzter Blick auf die hoch oben gelegene Burg, dann radelten wir los. Früher musste es im Vallee du Tarn eine Bahnlinie gegeben haben, mehrere alte Tunnel sahen wir an unserem Weg.

3 km hinter Brousse le Chateau, wir waren gerade erst von der D902 auf die D200 eingeschwenkt, gab es einen Zwangstopp. Wir standen vor einem 500 m langen absolut finsteren Tunnel. Ein Hinweisschild warnte die PKW-Fahrer vor mögliche Radfahrer im Tunnel. Was nun?

Die kleine Maglite AA, die ich im Gepäck hatte und die Fahrradleuchten reichten absolut nicht aus, um den finsteren Tunnel so zu erleuchten, dass sich radeln ließ. Unsere Gefühlwelt stand ein wenig Kopf! Beim ersten Versuch zu radeln, setzte sich ein Kreislauf in Gang, der sich nicht kontrollieren ließ. Fuhr man etwas schneller, damit der Dynamo mehr Licht erzeugte, bekam man Angst gegen die Tunnelwand zu fahren. Wie automatisch fuhr man dann vor Angst langsamer, mit der unmittelbaren Folge, noch weniger Licht zu produzieren. Wir brachen den Versuch, in ein schwarzes Loch zu fahren ab und schoben die Räder behutsam Meter für Meter durch den Tunnel. Die kleine Maglite AA reichte gerade aus, um die Tunnelwand rechts von uns etwas zu erhellen. So gelang es uns aber, zur Wand einen Sicherheitsabstand zu halten. Claudia hielt sich ganz dicht hinter mir, ja so konnte es funktionieren.

Als in dem schmalen einspurigen Tunnel von hinten ein Auto erschien, wurden wir reichlich nervös. Der PKW beschleunigte, das konnte man im Tunnel deutlich anhand der Geräuschkulisse wahrnehmen. Wir blickten zurück, zwängten uns an die Tunnelwand und leuchteten mit der kleinen Maglite immer ein wenig schwenkend in den Tunnel zurück. Gefühlte 30 Minuten vergingen, bis der PKW-Fahrer  reagierte und in einer Entfernung von ca. 100 m merklich bremste.  Das Motorengeräusch war deutlich leiser,  als er  langsam an uns vorbeikroch. Den Lichtschein des PKW nutzten wir so lange  es ging zur Orientierung, nur raus aus diesem „Loch“. Durch die Krümmung des Tunnels war lange Zeit kein Ende zu sehen.  Als wir endlich die ersten Lichtstrahlen erblickten, wurde uns merklich wohler. Am Ausgang sahen wir uns an und wussten sofort, solch eine Situation mussten wir auf unserer Tour kein zweites Mal erleben.

Einen knappen Kilometer weiter wechselten wir von der D200 auf die D200E, um in den kleinen Ort Broquiés zu radeln. Vor Broquiés verlässt die Straße das Tarnufer und schlängelt sich über 150 Höhenmeter steil nach Broquiés hinauf. Claudia hielt sich tapfer, kurbelte sich Meter für Meter hinauf, fluchte aber einige Male vor sich. Konnte die Strecke nicht einfach weiterhin flach verlaufen? 

Im Ortszentrum angekommen, war es geschafft. Im Dorf war es ausgesprochen ruhig, ein paar wenige Hausfrauen waren auf dem Weg, ihre Einkäufe zu tätigen, ein Bauer mit einem kleinen Traktor, die Verkäuferin in der Boulangerie, mehr Menschen bekamen wir dort nicht zu Gesicht. Wir aßen ein leckeres Croissant, kauften Wasser und machten uns im Anschluss auf den weiteren Weg. Nun ging es ja erst einmal nur bergab. Das nachstehende vor Ort aufgezeichnete Höhenprofil zeigt den ersten „Peek“ des Tages. Dass uns noch mehr Höhenmeter erwarteten, wussten wir zu dem Zeitpunkt noch nicht. Die „Belohnung“ hielt sich in Grenzen! Bei einem 10 % Gefälle waren 150 Höhenmeter schnell geschafft. Und dennoch, wir hatten unseren Spaß, in der herrlichen Morgenluft ins Tal zu sausen.

Im Ort Truel trafen wir auf einen Händler, der aus seinem Wagen heraus Obst, Käse und sonstige Lebensmittel verkaufte. Wir kauften ein paar Bananen und relaxten am Tarnufer. In Richtung des kleinen Ortes Pinet führte uns die Straße noch einmal 100 Höhenmeter hinauf. Die Felswände an beiden Seiten des Tarn wurden steiler, fast schon schluchtartig. An der Stelle wo die D200 auf die D510 trifft, ist der höchste Punkt erreicht, von dort ging es 50 Höhenmeter nach Pinet hinab.

Kurz vor dem kleine Ort Pinet wurde vor einigen Jahren eine riesige Staumauer gebaut, die das dortige Landschaftsbild nachhaltig veränderte. Ein riesiger Stausee entstand, der bei unserer Ankunft nur wenig Wasser führte. Das gesamte Projekt dient zur Stromgewinnung der „Electricite de France“. Über die gewaltige Staumauer gelangten wir in den kleinen Ort Pinet. Hinter Pinet dann der große Schreck! Die Straße verließ den Fluss und führte nochmals 180 Höhenmeter hinauf. Die Stimmung sank bei Claudia kurzfristig auf einen Nullpunkt, musste das heute nochmal sein? Fast am Rande ihrer Kräfte, raffte sie sich dennoch auf, um den letzten  größeren Anstieg des Tages zu bewältigen. Meter für Meter kämpfte sie sich die teilweise auf 10% anziehende Steigung hinauf. Ein dickes Lob an meine Frau, nach einer guten Stunde hatte sie es als relativ untrainierte Radlerin auch geschafft.

Auf dem weiteren Weg über Candas und Comprégnac nach Peyre trafen wir unterwegs einen Rennradfahrer. Claudia fragte ihn auf Englisch, ob bis Millau noch größere Steigungen zu erwarten waren und strahlte. Obwohl ich etwas abseits stand, hatte ich „Very flat“ verstanden. Nachstehend mal ein paar Fotos von unserer Fahrt bis zum kleinen Ort Peyre. Verschwitzt und durstig wie wir waren, legten wir in Peyre erst einmal eine kleine Pause ein. Bis Millau waren noch 9 km zu radeln, es war ca. 16:00 Uhr, es stand also noch genügend Zeit zur Verfügung.

Peyre besitzt eine ganz besondere Lage! Keine 1,5 km vom Viaduct von Millau entfernt  hatten wir beim Verlassen des Ortes sofort einen tollen Blick auf die riesige Autobahnbrücke. Der Viaduct von Millau gilt zurzeit als höchste Brücke der Welt. Allein die Höhe der Fahrbahn ist mit 270 m über dem Tarntal bereits atemberaubend. Hinzu kommen die ca, 98 m hohen Pylone der Brücke, so dass sich eine Gesamthöhe von knapp 370 m ergibt. Bei der Ankunft kamen wir aus dem Staunen nicht mehr heraus. Was für eine gigantische Brücke.

Als wir den Campingplatz auf der östlichen Tarnseite erreichten, waren wir beide froh, dass wir die Strecke geschafft hatten. Für den restlichen Abend hatten wir uns nicht mehr viel vorgenommen. Ein wenig durch die Innenstadt radeln, schauen ob es noch etwas zu sehen gab, kein Pflichtprogramm.