Am Hraunfossar und Explosionskrater Grabok

Datum Km Σ Km Hm Σ Hm Übernachtung
05.07.2010 110 370 990 3160 Camping

 

Unser erstes Tagesziel, die Hraunfossar, befinden sich nur 7 km westlich von unserem Übernachtungscampingplatz in Husafell. Die Hraunfossar sind Wasserfälle des Flusses Hvita. Der Name leitet sich davon ab, dass die kleinen Wasserfälle direkt aus der Lava (hraun) zu entspringen scheinen. Auf einer Länge von knapp einem Kilometer strömt in über hundert kleinen Wasserfällen schäumend und sprudelnd Wasser aus dem schwarzen Lavagestein. Der Grund liegt etwas weiter flussaufwärts. Ein kleiner Seitenarm der Hvita versickert in der porösen Lava und fließt unterirdisch auf einer etwas tiefer gelegenen, wasserundurchlässigen Basaltschicht weiter. Im Bereich der Hraunfossar kommt das Wasser in Form der unzähligen kleinen Wasserfälle wieder zu Tage. Wir liefen kurz über eine Brücke auf die andere Seite des Flusses, um die Wasserfälle aus einer anderen Perspektive zu fotografieren, machten uns dann aber wieder zügig auf den weiteren Weg.

Den nächsten Zwischenstopp hatten wir in Reykholt. Bei unserer Ankunft wirkte der kleine Ort vollkommen verschlafen. Es war noch keine 09:00 Uhr, die links von der Straße befindliche Tankstelle hatte noch geschlossen und der Besitzer war wohl gerade damit beschäftigt, seinen kleinen Laden aufzuräumen. Er gab uns den Hinweis, dass er in ca. 15 Minuten öffnen würde, deshalb musste der Kaffee noch warten und wir radelten zunächst einmal in den Ort.

Verschiedenen Reiseführern konnte man entnehmen, dass dieser doch so unscheinbar wirkende Ort im Mittelalter eine besondere Bedeutung besaß. Er war eines der geistigen Zentren Islands und beherbergte lange Zeit eine der bedeutendsten Schulen des Landes (1930 – 1997). Obwohl die Schule inzwischen geschlossen wurde, werden noch heute in einem Zentrum zur Erschließung mittelalterlicher Literatur Vortagsabende gehalten. Reykholt ist Pfarrsitz seit dem Mittelalter. Die noch erhaltene ältere Holzkirche stammt aus den Jahren 1886-1887.

Der Ort ist darüber hinaus eng mit dem Namen des Goden Snorri Sturluson (1179-1241) verbunden, der einer der größten Dichter und bedeutendsten Politiker im mittelalterlichen Island war. Er verbrachte den Großteil seines Lebens in Reykholt, konnte aber selbst durch eine Befestigung seines Hauses nicht verhindern, dass er in der turbulenten Zeit ermordet wurde. Snorri Sturluson schrieb an diesem Ort seine bedeutendsten Werke, u. a. die Geschichte  der norwegischen Könige (Heimskringla), sowie die poetische Edda. Im Ort findet man vor der staatlichen Dokumentensammlung eine Statue von Snorri, von der wir aber leider kein Foto gemacht haben. Danach gab es dann an der Tankstelle endlich eine Tasse Kaffee.

Von Reykholt bis zur westlich gelegenen Ringstraße waren noch gut 21 km zu fahren, die aber aufgrund des in Fahrtrichtung blasenden Windes schnell geschafft waren. An der Einmündung zur Straße Nr. 1 befindet sich eine Tankstelle. Dort aßen wir eine Kleinigkeit, um unsere Energietanks wieder mit den nötigen Kraftreserven zu füllen.

Danach folgten wir der Ringstr. Nr.1 in nordöstlicher Richtung, bis wir nach gut 12 km den Explosionskrater Grabrok vor uns sahen. Der Explosionskrater liegt auf der linken Seite direkt an der Ringstraße inmitten eines 3000 Jahre alten Lavafeldes. Er besteht aus drei karg aussehenden kraterartigen Erhebungen, die keine eigenständigen Vulkane sind. Sie entstanden aufgrund hohen Drucks in einem Lavastrom. Der Überdruck entsteht, wenn sich große Gasmengen von der Schmelze trennen. Die Gasblasen explodieren dann und sprengen das „Dach“ des Lavastroms weg.

Etwas vor dem Explosionskrater befindet sich auf der linken Fahrbahnseite ein altes Restaurant. Das Gebäude sah ziemlich heruntergekommen aus und hatte wohl schon bessere Zeiten gesehen. Essen wollten wir dort ja nicht, insofern war das kein Problem, aber ein leckeres Eis aus der Truhe genehmigten wir uns. Im Gebäude hang eine Luftaufnahme des Explosionskraters, die schon ein wenig älter war. Das Foto von der Luftaufnahme ist nachstehend zu sehen.

Etwa 5 km weiter bogen wir von der Ringstr. Nr. 1 in die Str. Nr. 60 ab. Obwohl die Ringstr. Nr. 1 im Vergleich zu einer deutschen Bundesstraße noch mäßig befahren war, freuten wir uns darauf, den LKW-Verkehr der in den Norden Islands fuhr, hinter uns zu lassen. Kaum auf die 60 in Richtung Budardalur unserem Zielort eingebogen, wurde es schlagartig ruhig. Die Straße durch das Sudurardalur bis auf eine Höhe von 412 m ließ sich bei dem tollen Wetter wunderschön befahren.  Es waren keine besonders schwierigen Steigungen zu bewältigen, was gab es Schöneres als in Ruhe einfach dahin zur radeln.

Die 90 Kilometer, die wir mit unseren Rädern und Gepäck an dem Tag bereits geradelt waren, hatten schon ein wenig an unseren Kräften gezehrt. Insofern waren wir froh, als wir nach 109 km den Campingplatz in Budardalur erreichten. Der Platz war kaum belegt, deshalb fiel die Stellplatzwahl leicht. Wir fanden ein von Hecken umgebenes Plätzchen, das uns einigermaßen vor dem Wind schützte, Duschen konnten wir im nahegelegenen Schulgebäude. Den Abend verbrachten wir in einem etwa 500 m entfernten Restaurant.